Monday, July 15, 2019


Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Brüssel (Archiv)

Schon wieder: Von der Leyen will mit Russland aus „Position der Stärke“ umgehen – Kommentar

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Liudmila Kotlyarova
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Die von den Staats- und Regierungschefs umjubelte mögliche Juncker-Nachfolgerin Ursula von der Leyen hat am Mittwoch beim Auftritt im EU-Parlament erneut betont, mit Russland aus der „Position der Stärke“ sprechen zu wollen. Damit demonstriert sie eine beneidenswerte Prinzipientreue, die schon einmal für Diskussionen sorgte.
„Ich bin Europäerin mit Herz und Überzeugung“, sagte die deutsche Noch-Verteidigungsministerin, als sie sich zum ersten Mal seit ihrer Nominierung für die Präsidentin der EU-Kommission an die Presse in Brüssel wandte. „European by heart“, steht nun in Englisch auf ihrer Twitter-Seite, wo zuvor „Europäerin und Transatlantikerin“ geschrieben war. Auf die Frage, ob es Zeit für eine Neuausrichtung der Beziehungen zu Russland sei, antwortete sie: „Russland ist unser Nachbar und wird unser Nachbar bleiben, Punkt. Der Kreml verzeiht keine Schwäche. Aus einer Position der Stärke, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, können wir jederzeit in den Dialog treten.“
Eine Prinzipientreue, die einen schon staunen lässt. Denn eigentlich war es gerade der noch amtierende Präsident Juncker, der sich Ende April gegenüber der holländischen Zeitung „Trouw“ für eine Position der Gleichgestellten im Umgang mit Russland ausgesprochen hatte: Europa und Russland sollten die Rhetorik des Kalten Krieges eigentlich wegschieben.
„Wir müssen lernen, mit den Russen gleichberechtigt zu sprechen. Russland ist ein wichtiger Akteur, und ohne es kann es keine Sicherheitsagenda für Europa geben“, so Juncker. 
Er bemängelte, dass Ex-US-Präsident Barack Obama Russland einmal als eine regionale Macht pur bezeichnet hatte, und erinnerte daran, dass die Europäer sich oft für die Herren der Welt halten würden, obwohl sie nur ein kleiner Teil des Universums seien. 

Geht Sprache der Ultimaten mit Russland?

Ursula von der Leyen aber bleibt bei einer ganz anderen Meinung – und das schon seit langem. Auch während des Nato-Gipfels in Warschau im Sommer 2016 betonte sie, aus einer „Position der Stärke“ lasse sich besser mit Moskau sprechen. Dies fordert sie seit der Ukraine-Krise. Schon damals war sie für mehr Engagement vonseiten der Nato und die Modernisierung des mächtigen Militärbündnisses eingetreten. Sie betonte auch immer wieder, dass die „östlichen Partner Schutz vor Russland erwarteten“.
Eine „Position der Stärke“ wird in Russland offenbar eindeutig verstanden. 2016 sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu, nach allem, was Deutschland Russland angetan habe, sollte Von der Leyen noch 200 Jahre lang nichts zu diesem Thema sagen. Er schlug Berlin auch vor, über die Geschichte nachzudenken. Als der US-Botschafter in Moskau, Jon Huntsman, 2018 im Interview mit „Deseret News“ über die „Inkulanz“ der Russen staunte, meinte er, dass er die von US-Präsident gewünschten Bedingungen rund um die Atomwaffen nicht durchsetzen konnte. Der erste stellvertretende Leiter des Verteidigungsausschusses der russischen Duma, Alexander Scherin, kommentierte damals gegenüber der Presse: „Die Arroganz und Ungenauigkeit, mit denen die USA den Ländern ihre Bedingungen vorschreiben, ist schon bemerkenswert.“
Die Russische Föderation sei kein Land, mit dem man die Sprache der Ultimaten sprechen kann. Mit Russland könne man schon lange nicht mehr aus einer Position der Stärke reden. Huntsman lebe von den Stereotypen der neunziger Jahre.

Sympathien der baltischen Staaten

Ursula von der Leyen war übrigens diejenige, die im April 2019 vor einer Reise in die USA die Union aufgerufen hatte, „mit langem Atem“ für eine weitere Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben zu streiten. Ihre Stärke-Rhetorik entspricht wohl auch der der baltischen Staaten: Auch Estlands Außenminister Sven Mikser sprach 2018 gegenüber der australischen Zeitung „The Sydney Morning Herald“, Russland könne man nur aus der Position der Stärke und der Macht etwas entgegensetzen.
Der Nato-Expansionskurs in den Osten brachte ihr offenbar auch die Sympathien der baltischen Staaten ein, die auf dem EU-Gipfel von der Leyen entschlossen unterstützen. „Wir kennen die deutsche Verteidigungsministerin gut, und sie ist gut für Litauen und hat sehr zur Entstehung eines von Deutschland angeführten Bataillons beigetragen“, sagte Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite der Agentur BNS zufolge nach dem EU-Gipfel. Unter Von der Leyen erhielt Deutschland das Kommando für den Panzeraufmarsch in Litauen – deutsche Panzer stehen damit erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem ehemaligen Territorium der Sowjetunion.

Ursula von der Leyen im EU-Parlament am 10. Juli 2019

Verteidigungsministerin von der Leyen kündigt Rücktritt an

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Ursula von der Leyen will am Mittwoch als Verteidigungsministerin zurücktreten. Das schrieb die Ministerin am Montag auf Twitter.
Ursula von der Leyen will am Mittwoch als Verteidigungsministerin zurücktreten. Das schrieb die Ministerin am Montag auf Twitter. Am Mittwoch werde sie ihr Amt zur Verfügung stellen, schrieb die CDU-Politikerin am Montag in einem Tagesbefehl an die Angehörigen der Bundeswehr, der der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Berlin vorliegt. 
„Die Bundeskanzlerin ist über diesen Schritt informiert und wird die notwendigen Schritte für einen verantwortungsvollen Übergang im Sinne der Bundeswehr und der Sicherheit Deutschlands einleiten”, heißt es darin.
Am Dienstag stellt sie sich dem EU-Parlament als neue EU-Kommissionspräsidentin zur Wahl.

Kanzlerin begrüßt den Rücktritt

Kanzlerin Angela Merkel hat den Rücktritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßt. Der Schritt zeige, dass sich von der Leyen für eine „neue Etappe ihres Lebens” entschieden habe und mit ganzer Kraft und „Verve” für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten eintreten wolle, sagte Merkel am Montag bei einem Besuch in Görlitz.
„Das freut mich. So kenne ich sie auch”, fügte die Kanzlerin hinzu. Alles weitere werde man sehen, sagte Merkel sowohl mit Blick auf die Wahl des EU-Kommissionspräsidenten im Europaparlament am Dienstag als auch die Neubesetzung des Postens des Verteidigungsministers in Berlin.
Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann hat bereits Ansprüche seines Landesverbandes für das Bundeskabinett angemeldet. „Die CDU Niedersachsen als drittgrößter Landesverband muss in der Bundesregierung angemessen vertreten sein. Wir haben gute Frauen und Männer in Berlin, die aus dem Stand heraus ein Ministerium führen können. Die Entscheidung liegt bei der Kanzlerin”, sagte Althusmann der Düsseldorfer „Rheinischen Post” (Dienstag).
Er rechnet mit einer schnellen Entscheidung: „Die Frage der Nachfolge wird in den darauffolgenden Tagen geklärt.” Er zeigte sich überzeugt, dass von der Leyen, die selbst aus Niedersachsen stammt, an diesem Dienstag in Brüssel gewählt wird. „Sie ist strategisch klug, erfahren und bringt alles mit, was man in politisch schwierigen Zeiten braucht.”

Wer übernimmt das Amt der Verteidigungsministerin?

Wer das Amt der Verteidigungsministerin übernimmt, war zunächst noch unklar. In Berlin sind mehrere Politiker im Gespräch, darunter Gesundheitsminister Jens Spahn sowie die Verteidigungsexperten Johann Wadephul und Henning Otte (alle CDU) und auch Ex-CDU-Generalsekretär und Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber.
Unklar schien allerdings auch, ob nur das Verteidigungsministerium neu besetzt wird, oder ob ein größere Karussell in Gang gesetzt wird. Allerdings hatte CSU-Chef Markus Söder eine Kabinettsumbildung mit Beteiligung der CSU-geführten Ministerien abgelehnt.
Mit von der Leyen könnte erstmals seit mehr als 60 Jahren wieder jemand aus Deutschland das mächtige Brüsseler Amt erobern, das in etwa einem Regierungschef entspricht. Allerdings ist ungewiss, ob von der Leyen die nötige Mehrheit im Europaparlament bekommt.
Zu den schärfsten Kritikern der Politikerin gehören die deutschen Sozialdemokraten. Die SPD ist aufgebracht, weil von der Leyens Nominierung dem Wunsch des Parlaments widerspricht, nur einen Spitzenkandidaten zur Europawahl zum Kommissionschef zu machen. Dagegen warnen Politiker aus der Union vor einer Handlungsunfähigkeit der EU für den Fall eines Scheiterns der Kandidatin.
Im Falle ihrer Niederlage auch durch Nein-Stimmen deutscher SPD-Abgeordneter sieht Althusmann die große Koalition in Berlin in Gefahr. Diese käme in „schwieriges Fahrwasser”, sagte Althusmann. „Ohnehin ist die Lage dieser Koalition fragil. Welches Kandidaten-Pärchen für den SPD-Vorsitz soll denn beim SPD-Parteitag im Dezember mit dem Slogan 'Zurück in die Groko' zur neuen Doppelspitze gewählt werden, wenn sich die Sozialdemokraten schon derart unsolidarisch verhalten wie in der jetzigen historischen Situation, dass eine deutsche Politikerin EU-Kommissionspräsidentin werden könnte.„

Absolute Mehrheit

Zuvor war berichtet worden, dass Ursula von der Leyen für die Wahl zur Präsidentin der EU-Kommission die absolute Mehrheit der derzeit 747 Abgeordneten im Europaparlament braucht. Also müssen bei der geheimen Abstimmung am kommenden Dienstag in Straßburg mindestens 374 Abgeordnete für sie stimmen. Falls das gelingt, tritt von der Leyen am 1. November die Nachfolge des Luxemburgers Jean-Claude Juncker an. Die Gesamtzahl der Parlamentarier kann sich noch ändern, beispielsweise weil einige Abgeordnete aus Katalonien ihr Mandat noch nicht antreten konnten. Das Haus hat insgesamt 751 Sitze.
Ob von der Leyen die absolute Mehrheit bekommt, ist unsicher. Deutlich hinter die CDU-Politikerin gestellt hat sich bislang nur die eigene Parteienfamilie EVP mit 182 Sitzen. Ihre Zustimmung offen halten sich derzeit die Liberalen mit 108 Sitzen sowie die Sozialdemokraten mit 153 Sitzen. Sie fordern weitere inhaltliche Zugeständnisse der Kandidatin.

Friday, July 12, 2019

Friedensnobelpreis für Julian Assange!



Darum verdient Assange den Friedensnobelpreis


Kampagne für den Friedensnobelpreis fuer Assange Kampagne für den Friedensnobelpreis fuer Assange

Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange ist von einer Nobelpreisträgerin für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Zu Recht!
Insgesamt 220 Kriege, militärische Interventionen und CIA-Operationen haben die USA nach eigenen Angaben in gut zweihundert Jahren bis 2004 gegen ausländische Staaten geführt.[1] Jeder kann schätzen, wieviel Gewaltakte in den letzten 15 Jahren noch hinzugekommen sind, die weiter Tod, Zerstörung und furchtbares Leid über ungezählte unschuldige Menschen gebracht haben. Niemand sonst wie Julian Assange hat durch die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten mit beispiellosem Mut mehr zur Entlarvung der Machenschaften einer gnadenlosen Herrschafts-Elite beigetragen. Daher hat ihn die nordirische Friedensaktivistin Mairead Maguire für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen.

«Die Optimierung einer Killer-Maschine»

Der Australier Julian Assange war 2006 die treibende Kraft zur Gründung der Enthüllungsplattform „WikiLeaks“ (von hawaiisch wiki „schnell“ und englisch leaks „Lecks“, „Löcher“, „undichte Stellen“),
«auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden (Whistleblowing), die durch Geheimhaltung als Verschlusssache, Vertraulichkeit, Zensur oder auf sonstige Weise in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind. WikiLeaks setzt dabei ein grundsätzliches öffentliches Interesse an den Informationen voraus.
Das Projekt gibt an, denen zur Seite stehen zu wollen, ´die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen`“.[2] 

„WikiLeaks hat mehrfach interne Dokumente von US-Armee und –Behörden veröffentlicht, unter anderem zu den Kriegen in Afghanistan und Irak. Assange droht deswegen ein Strafprozess in den USA. Einige Journalisten in den USA haben seine Hinrichtung oder gezielte Tötung durch Militär oder  Geheimdienste gefordert.»[3]
Ein Schlüsselerlebnis hatte Assange während seines Physik- und Mathematikstudiums an der Universität Melbourne. Er erfuhr, dass die mathematische Fakultät in einem Vertrag mit der US-Armee stand und Studien durchführte, wie die Funktion von militärisch eingesetzten Truppentransportern und Bulldozern verbessert werden kann. Er verließ daraufhin die Universität aus Protest gegen das, was er „die Optimierung einer Killer-Maschine“ nannte.
«2006 veröffentlichte er den Aufsatz ´Conspiracy as Governance`, in dem er seine politischen Grundüberzeugungen darlegt. Darin bezeichnet er jede autoritäre Governance als ´Verschwörung`, die zum Schaden der Bevölkerung arbeiten würde. Die ´Verteidiger von Wahrheit, Liebe, und Selbstverwirklichung` hätten diese Verschwörungen zu bekämpfen. In Zeiten vor der Alphabetisierung sei dieser Kampf mit Attentaten geführt worden, heute gehe es darum, die Kommunikationsverbindungen zwischen den einzelnen Verschwörern zu stören und sie von ihrem geheimen Informationszufluss aus der Außenwelt abzuschneiden.»[4]
Seit Juni 2012 saß Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London fest, wo er wegen eines schwedischen Haftbefehls Asyl gefunden hatte. Er konnte sie nicht verlassen, da er dann sofort wegen eines inzwischen internationalen Haftbefehls festgenommen worden wäre und seine Auslieferung in die USA befürchten musste.

Nominierung durch eine Nobelpreisträgerin

Mairead Corrigan-Maguire, geb. 27. Januar 1944 in Belfast, Nordirland, arbeitete als Sekretärin und engagierte sich seit ihrer Jugend aus tief christlichen Impulsen privat in der katholischen Laienorganisation Legio Mariae, die sich vor allem für Jugend- und Randgruppen einsetzt. Sie war Mitgründerin eines Kindergartens, gründete eine Einrichtung, die behinderten Kindern des Stadtviertels Spiel- und Erholungsmöglichkeiten bietet und arbeitete in der Gefangenenbetreuung.
Ihre weiteren Aktivitäten wurden von einem Ereignis im Nordirlandkonflikt zwischen den englisch-und schottisch-stämmigen Protestanten und den überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken bestimmt, das sie auch persönlich hart traf.
Am 10. August 1976 erschossen in Belfast Soldaten der britischen Armee einen mit seinem Auto fliehenden jungen IRA-Terroristen. Das führerlose Auto erfasste Maireads in der Nähe gehende Schwester Anne mit ihren vier Kindern. Drei der Kinder starben sofort oder wurden tödlich, die Mutter schwer verletzt. Mairead Corrigan, die gerade auf dem Rückweg aus ihrem Urlaub war, lehnte es vor den Medien ab, Schuldige zu benennen und appellierte an ein Ende der Gewaltspirale.
Auch die Augenzeugin des Unfalls, Betty Williams, richtete im Fernsehen einen spontanen Aufruf zu Frieden und Versöhnung an die Menschen in Nordirland. Tage später trafen sie und Mairead Corrigan zusammen, und beide organisierten eine Demonstration am 14. August 1976, an der rund 10.000 Männer und Frauen, Katholiken und Protestanten, teilnahmen und gegen Gewalt protestierten. Kurz darauf gründeten beide mit dem Journalisten Ciaran McKeown die Community of Peace People, die sich zur einflussreichsten Friedensbewegung Nordirlands entwickelte.
«Es folgte die so genannte Peace Rallye, in der überall in Nordirland Woche für Woche Friedensdemonstrationen stattfanden. Insgesamt konnten bis zu 500.000 Menschen zur Teilnahme motiviert werden, dies waren erheblich mehr als bei allen nordirischen Friedensbewegungen bis dahin. Die Hauptaktivisten der Community of Peace People, zu der die Woman for peace geworden war, reisten in Bussen von Stadt zu Stadt. Als Höhepunkt fand im Oktober 1976 eine Aktion auf dem Trafalgar Square in London statt, an der auch die US-amerikanische Sängerin und Friedensaktivistin Joan Baez teilnahm.… Betty Williams und Mairead Corrigan reisten durch Europa, Australien und die USA, um für ihre Ziele zu demonstrieren[5]
Im Oktober 1977 wurde Mairead Corrigan-Maguire und Betty Williams der Friedensnobelpreis rückwirkend für das Jahr 1976, in dem keiner vergeben worden war, zuerkannt. Ebenfalls 1976 haben beide auch die Carl-von-Ossietzky-Medaille erhalten, „eine undotierte Auszeichnung, die vom Berliner Verein Internationale Liga für Menschenrechte alljährlich verliehen wird und die übrigens im Jahr 2014 der NSA-Wistleblower Edward Snowden zusammen mit Laura Poitras und Glenn Greenwald erhalten hat.“[6]
Nun hat Mairead Maguire in einem Schreiben an das Nobelkreis-Komitee Julian Assange für den Friedensnobelpreis 2019 nominiert, in dem sie schreibt:
«Julian Assange und seine Kollegen von Wikileaks haben bei zahlreichen Gelegenheiten gezeigt, dass sie einer der letzten Grundpfeiler wahrer Demokratie sind. Sie arbeiten für unsere Freiheit und unsere Redefreiheit. Ihr Einsatz für einen echten Frieden, indem sie die Handlungen unserer Regierungen im In- und Ausland öffentlich bekannt machen, hat uns deren Gräueltaten, die im Namen der so genannten Demokratie in der ganzen Welt begangen wurden, enthüllt. Dies beinhaltete Bildaufnahmen von Akten von Unmenschlichkeit, die von der NATO/Militär begangen wurdendie Veröffentlichung vonE-Mail-Korrespondenz, die die Planung von Regimewechseln in den Ländern des Nahen Ostens offenlegte, sowie die Offenlegung  von persönlicher Beteiligung unserer gewählten Funktionäre an der Täuschung der Öffentlichkeit. Diese Enthüllungen seitens Wikileaks sind ein großer Schritt in unserem weltweiten Einsatz für Abrüstung und Gewaltlosigkeit.
Julian Assange hatte aus Sorge vor einer Auslieferung an die USA, um dort wegen Verrats vor Gericht gestellt zu werden, 2012 in der Botschaft von Ecuador Asyl beantragt. Selbstlos setzt er seine Arbeit von dort aus fort, was die Gefahr einer Verfolgung durch die amerikanische Regierung noch zusätzlich verstärkt. In den letzten Monaten haben die USA verstärkt Druck auf die ecuadorianische Regierung ausgeübt, damit diese ihm seine letzten noch verbliebenen Freiheiten entzieht. Ihm wird es nun verwehrt, Besucher, Telefonate und andere elektronische Mitteilungen zu empfangen. Damit wurden ihm seine grundlegenden Menschenrechte entzogen. Dies hat Julians seelische und körperliche Gesundheit stark angegriffen. Es ist unsere Pflicht als Bürger, Julians Menschenrechte und Meinungsfreiheit zu schützen, ebenso wie er auf globaler Ebene für unsere gekämpft hat.
Es ist meine große Sorge, dass Julian, ein unschuldiger Mensch, an die USA ausgeliefert wird und dort unrechtmäßig inhaftiert wird. Wir haben dies mit Chelsea (Bradley) Manning gesehen, der angeblich Wikileaks mit sensiblen Informationen aus den Nahostkriegen der NATO/USA versorgte und anschließend mehrere Jahre in Einzelhaft in einem amerikanischen Gefängnis saß. Wenn es den USA gelingt, Julian Assange ausgeliefert zu bekommen und ihn zu verurteilen, wird dies Journalisten und Whistleblower auf der ganzen Welt zum Schweigen bringen, aus Angst vor den schrecklichen Folgen.
Julian Assange erfüllt alle Kriterien für den Friedensnobelpreis. Durch seine Veröffentlichung von geheimen Informationen stehen wir den Gräueltaten der Kriege nicht mehr unwissend gegenüber, wir sind nicht länger blind gegenüber den Zusammenhängen zwischen dem Großkapital, der Ausbeutung von Ressourcen und der Verwüstung durch Kriege.
Da seine Menschenrechte und Freiheiten bedroht sind, würde der Friedensnobelpreis Julian einen größeren Schutz vor staatlicher Gewalt bieten.
In den letzten Jahren gab es Kontroversen wegen des Friedensnobelpreises bezüglich einiger derjenigen, denen er verliehen wurde. Leider, so scheint es mir, ist der Friedensnobelpreis von seinen ursprünglichen Absichten und Bedeutungen abgerückt. Alfred Nobel wollte, dass durch den Preis Einzelpersonen, die von Regierungsgewalten bedroht sind, in ihrem Kampf für Gewaltlosigkeit und Frieden unterstützt und geschützt werden, indem die Preisvergabe auf ihre prekäre Situation aufmerksam macht. Durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an Julian Assange erhält er und andere, die in ähnlicher Lage sind wie er, den Schutz, den sie wirklich verdienen.
Ich hoffe, dass wir so den wahren Sinn des Friedensnobelpreises zurückgewinnen können.
Ich fordere auch alle Menschen dazu auf, die Situation von Julian bekannt zu machen und ihn in seinem Kampf für grundlegende Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Frieden zu unterstützen.“[7]
Die Kampagne zur Verteidigung von Assange (Defend Assange Campaign) bestätigte am Montag, 18.2.2019, per Twitter, dass Assange für den diesjährigen Friedensnobelpreis nominiert sei, und bildete ihn neben einer Nobelpreis-Münze ab:
Kampagne für den Friedensnobelpreis
Kampagne für den Friedensnobelpreis
«Im Jahr 2011 hatte der norwegische Parlamentsabgeordnete Snorre Valen schon einmal den WikiLeaks-Gründer für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, kurz nachdem WikiLeaks die vom Whisteblower Bradley Edward Manning – heute Chelsea Manning – weitergegebenen Informationen veröffentlicht hatte. Snorre erklärte, dass die Veröffentlichung von Tausenden von geheimen Regierungsdokumenten dazu beigetragen hat, Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit zu fördern.“[8]
Ob das Nobelpreis- Komitee, das mit der grotesken Verleihung des Friedensnobelpreises an die Angriffskrieges Henry Kissinger und Barak Obama schon seine Verbeugung vor dem Weltimperialisten USA gemacht hat, nun deren größtem Gegner Julian Assange den Friedensnobelpreis verleihen wird, ist mehr als fraglich und käme einem Wunder gleich. Die Norweger haben ja mit insgesamt 303 weiteren Kandidaten genug Möglichkeiten, auszuweichen.

Anmerkungen
[1] Vgl. GEOLITICO „Ukraine ist Teil der US-Strategie
[2] Wikipedia – WikiLeaks
[3] Wikipedia – Julian Assange
[4] a.a.O.
[5] Wikipedia – Mairead Maguire
[6] a.a.O.
[8] worldbeyondwar.org ; deutsche Fassung mit freundlicher Genehmigung aus: „Kernpunkte“. Zeitung für Mitteleuropa, Geisteswissenschaft und Zeitgeschehen, 2/2019
https://www.geolitico.de/2019/04/18/darum-verdient-assange-den-friedensnobelpreis/