Gedanken zum Reformationstag 2015
Grundlegende Umgestaltung dringend geboten und möglich !
Ganz entgegen den Unkenrufen existiert die Arbeiterklasse und sie allein hat grundsätzlich die Kraft zur Umgestaltung unserer Ordnung hin zu einem friedvollen und kooperativen Zusammenleben.
Herzlichen Dank für die Gelegenheit, Stellung zu nehmen zu basialen Fragen konstruktiver und dringend gebotener gesellschaftlicher Re-formatio, das heißt Umgestaltung. Vorausetzung für eine solche ist angemessene theoretische Fundierung. Das Dokument der "TKP", auf das ich mich in meinem kürzlichen „Offenen Brief an die TKP“ beziehe, ist beigefügt ebenso der von diesen abgelehnte, durchaus vernünftige Brief der 100 Akademiker an Merkel anlässlich ihres Besuches bei Erdogan.
Mich beschäftigt in meiner Replik auf dieses ansonsten unwürdige Papier von - in meinen Augen - Pseudokommunisten vor allem die völlig unsinnige und durch nichts gerechtfertigte Gleichsetzung Frau Merkels, Präsident Obamas und des russischen Staatspräsidenten Putin gleich zu Beginn des erwähnten Schreibens.
Aber zu den von euch aufgeworfenen Fragen zu meiner Replik.
Es gibt die Arbeiterklasse noch
Die moderne Soziologie geht in die Irre, wenn sie den Marxschen Begriff „Arbeiterklasse“ zu den Akten legt und durch die modernen technologischen Enwicklungen für überholt erklärt. Weder Marcuse noch die Frankfurter Schule, aus der er hervorgeht, noch ihre nur vermeintlich „Kritische Theorie“ haben irgendetwas Wegweisendes, das über den „Postimperialismus“ hinausweist, anzubieten. Der „Imperialismus“ ist - laut Lenin - "Das höchste Stadium des Kapitalismus". Es handelt sich um einen wissenschaftlich ausgewiesenen Begriff, den noch keiner widerlegen konnte, auch nicht der 'Renegat' Kautsky oder seine Anhänger unter den sozialdemokratischen Linken. Der Begriff, nur selten noch verwendet, wird höchstens verflacht und seines eigentlichen Sinnes beraubt, benutzt.
... ebenso den "Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus"
Ich verwende hier den Begriff „Postimperialismus“, um anzudeuten, dass es sozusagen ein Hyperstadium des Imperialismus in seiner Endphase des Niedergangs gibt. Diese Periode durchleben wir derzeit. Sie ist kennzeichnet von Dekadenz, Fäulnis, Niedergang, Krieg und einer fast unbeschreiblich brutal agierenden Barbarei. Letztere kennzeichnet aber sein Todes-Röcheln und weist über sich selbst hinaus. In dieser Phase, die nach der Zerstörung der schon erkämpften ersten sozialistischen Staaten einsetzte, ist der Imperialismus existenziell bedrohlich geworden für die gesamte Menschheit, also auch für seine Protagonisten. Das Präfix 'Post-' soll darauf hinweisen, dass das Gesellschaftsmodell, das ihn und sein heute zerstörerisches Wirken hervorgebracht hat, völlig überholt und damit reif dafür ist, abgelöst zu werden. An seine Stelle muss eine von Grund auf „reformierte“ Gesellschaftsordnung treten, die die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung planerisch ins Auge fasst und deren oberstes Motiv nicht das Profitstreben sein darf.
Der globale Süden weist den Weg
Im Ansatz haben wir eine solche mehr am Menschen orientierte Ordnung etwa in China, auf Cuba, in Resten auch noch in Russland, wo eine mutige, weitsichtige und tatkräftige Führungsmannschaft einen neuen Kurs vorgibt im Bunde mit allen fortschrittlichen Nationen der Welt. Ehemals vom Imperialismus Kolonisierte geben da den Ton vor. Rudimentär ist das Alternativmodell schon in Lateinamerika vorhandenen und überall dort, wo dem „Neoliberalismus“ Grenzen gesteckt werden, wo staatliche Vorgaben noch Politik gestalten. Der Grund übrigens warum Syrien ein "Regime-Wechsel "aufoktroiert werden soll. "Regime Change" meint Re-Formatio im Sinne des Imperialismus und dieser verweist auf keine Zukunft, sondern will zurück in eine Zeit seiner schrankenlosen Herrschaft. Diese Zeiten aber sind vorbei.
Selbstbewusste Arbeiterklasse Totengräber überkommener Ordnung
Wie aber kann das weltweit noch vorherrschende, verhängnisreiche Gesellschaftssystem des Imperialismus nun zukunftsweisend re-formiert und schließlich überwunden werden? Ganz gewiss nicht durch Studenten- oder Bürgerbewegungen, die sich allesamt als ephemer erweisen mussten, da solche Formierungen zwangsläufig labil und leicht zu unterwandern sind, was die Entwicklung ja zur Genüge gezeigt hat.
Es muss die Umgestaltung der Gesellschaft durch eine Kraft geschehen, die Hebelwirkung besitzt und das ist nun mal einzig die Arbeiterklasse. Angeblich soll diese Kraft nun in der „postmodernen Industriegesellschaft“ nicht mehr existieren, womit Marx und seine Adepten des Grund-Irrtums überführt wären und dem Kapital sein Paradies beschert wäre. Vorübergehend haben die Ideologen des „Imperialismus“ scheinbar gute Arbeit geleistet, indem sie die Existenz der einzig zur Abschaffung des Kapitalismus begabten Kraft einfach wegdefiniert haben. Aber Kapital ohne Arbeiterklasse? Des Kapitals Problem lässt sich so nicht lösen. Die Kapitalisten sitzen tiefer in ihren Exkrementen denn je zu vor. Auf Probleme wie den tendenziellen Fall der Profitrate, der nun mal ein Gesetz ist, das mit abnehmendem Einsatz von lebendiger Arbeit einhergeht und mit vermehrtem Einatz teurer Technologie, will ich hier nicht eingehen. Was ist und bleibt: Nur lebendige Arbeit vermag Mehrwert zu erzeugen. Die lebendige Arbeit, das sind aber all die fleißigen Hände und Hirne die die Maschinen bauen, ihren Umgang beherrschen, sie warten und sie weiterentwickeln. Zur lebendigen Arbeit gehören auch all jene, die die Arbeitskraft schulen und reproduzieren, sie im Krankheitsfall gesund päppeln etc. Auch die Verwaltung und der Warenumschlag, die gesamte Administration, die von Menschen zur Aufrechterhaltung einer Infrastruktur erbracht werden muss, benötigt lebendige Arbeit, trotz aller Computerisierung. Alle abhängig Beschäftigten zusammengenommen bilden die Arbeiterklasse in all ihren Schattierungen.
Lebendige Arbeitskraft nach wie vor Schöpfer aller Werte
Natürlich hat die lebendige Arbeit, die Arbeiterklasse soziologisch gesprochen, seit dem 19. Jahrhundert, seit der Entstehung der großen KAPITAL-Analysen von Marx und Engels ihr Erscheinungsbild und ihre Zusammensetzung erheblich verändert. Teilweise sind auch ihre sozialen Existenzbedingungen gänzlich andere, obwohl das von Nation zu Nation sehr stark variiert. Nicht verändert aber hat sich ihr Verhältnis zm Kapital, ihre Stellung im Produktionsprozess! Letzteres ist aber die maßgebliche Definitionsgröße.
Zur Arbeiterklasse gehören in diesem Sinne alle lohnabhängig Beschäftigten und jene, die wie Hausfrauen etwa von ihnen abhängen und zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft beitragen!
Das heißt, dass auch Geistesarbeiter, Computerfachleute, Elektroniker, Lehrer, Jounalisten, Ärzte etc. selbstverständlich Arbeiterklasse im Marxschen Sinne sind, insofern sie lohnabhängig beschäftigt und nicht selbständige Krauter sind. Der gesamte Dienstleistungssektor gehört also – sofern lohnabhängig oder auch gehaltsabhängig dazu. Wer nicht Rentier ist und von den Zinsen seines Kapitals, seiner Grundstücke, seiner Aktien, seiner 'Mitarbeiter' lebt, wer immer vom Verkauf seiner Ware Arbeitskraft abhängt, ist zur Arbeiterklasse gehörig. Das ist objektiv durch die Stellung und Funktion im Produktionsprozess oder durch den Rauswurf aus demselben bedingt und zwar ganz unabhängig vom jeweiligen Bewusstsein und von der oft sehr verschiedenen sozialen Lage. Nicht in allen Ländern werden Arbeitslos gewordene durch so etwas wie Hartz IV abgefangen. Alle Arbeitskräfte aber tragen tragen überall auf der Welt dazu bei, das Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften und den Unternehmern ihren Profit zu sichern bzw. solchen zu realisieren. Es sind noch immer – wie zu Marx Zeiten – die Arbeitskräfte, die vom Lohn abhängigen Menschen, die dem, der sie beschäftigen kann, Gewinn bringen, Profite sichern, sonst würde er sie garantiert nicht bezahlen. Arbeitskräfte können noch so spitzenmäßig qualifiziert sein, sie müssen einen Arbeit-'Geber' finden, der nach Marx ein Arbeit-'Nehmer' ist, denn er nimmt ja die Arbeitskraft und Leistung in Empfang. Der vermeintliche 'Arbeitgeber' also erwirtschaftet mittels menschlicher Arbeitskraft einen Mehrwert, der ihm am Ende nach Abzug aller seiner Kosten bleibt. Dieser Mehrwert (nach Abzug von Steuern und Sozialleistungen und sämtliche Unkosten, die ein Unternehmer so hat, dürfte nicht ungeteilt in den Taschen dieser Leute landen. Der erwirtschaftete Mehrwert müsste gesellschaftlich verwaltet und ausgegegeben werden. Das ist der elementare Sinn von 'Sozialismus', einer Gesellschaftsordnung, die an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder und nicht am Maximal-Profit orientiert ist, der aus den Menschen herauszuquetschen ist. Das ist noch kein Paradies auf Erden, sondern eine reformierte Gesellschaft.
Dieser soziale Sinn und die enorme Bedeutung der Arbeiterklasse und ihrer objektiven historischen Mission aber bleibt heute noch unbegriffen, weil der Marxismus und alle seine Folge-Schriften von den Ideologen des Imperiums (für Lohnarbeit) entsorgt wurde. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie zu Beginn der 80iger Jahre Marx und „das Kapital“ für obsolet erklärt wurden, quasi per Dekret. Die Lohnschreiber haben alle nachgebetet, was ihnen vorgegeben wurde. Eben weil sie sie Lohnschreiber sind, abhängig vom Verkauf ihrer Ware Schreibkraft, Kopfarbeiter halt... siehe oben.
Die heutige Arbeiterklasse ist sich dementsprechend weder ihrer Zusammensetzung bewusst, die ein Problem ist, klar doch, weil so heterogen zusammengesetzt und weil es eine Arbeiteraristokratie gibt klar doch, mit enormen Privilegien ausgestattet. Die Bewusstlosigkeit der eigenen Möglichkeiten wird hier vom psychologischen zum gesellschaftlichen Problem ersten Ranges. Denn nur, wer seine Lage erkannt hat und wer sich seiner kollektiven Kraft auch bewusst ist, kann diese im Sinne seiner eigenen Möglichkeiten einsetzen.
Bewusstheit geeinter Stärke befreit
Die Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts hatte demgegenüber ein enormes Bewusstsein erlangt. Dies war erreicht worden mit Hilfe kluger Köpfe, mit Hilfe einer aus der Bourgeoisie, dem niederen Feudaladel etc. stammenden Intelligenz, die sich selbstlos aus Vernunftgründen (!), aus Liebe zur Wahrheit und zum Menschengeschlecht ganz in den Dienst der Arbeiter stellte. Diese Intelligenzler waren bereit dafür in demütiger Armut zu leben. Die besten unter ihnen waren für korrupte Unterwanderung unzugänglich. Die Buchdrucker nahmen eine wichtige Vermittlerrolle ein. Mit Hilfe lern- und wissbegieriger arbeitender Menschen entstanden die guten Organisation der Arbeiterklasse. Gewerkvereine, Schulungseinrichtungen der Sozialdemokratie, Arbeiter-Sport- und Kulturvereine in denen Menschen wie Rosa Luxemburg führend wirkten. Sie übernahmen die
wichtige Aufgabe zur Stärkung des Selbstbewusstseins einer unterprivilegierten Klasse. Gebildete, viele großartige Frauen wie die Lehrerin Clara Zetkin oder die spanische Arbeiterführerin Dolores
Ibarruri genannt La Passionaria, besonders viele jüdische Menschen, allesamt auch international rührig, viele Sprachen beherrschend, begriffen sich als natürliche Bündispartner der Arbeiter.
Von solchem Niveau sind wir leider heute weit entfernt. Der Faschismus, der sich als nationaler Sozialismus ausgab, weil nämlich der damals äußerst popular war, hat ganze Arbeit geleistet. Sein verheerendes Wirken ist bis heute auf vielen Ebenen sprübar. Trotz Internet und elektronischer Vernetzung ist die Arbeiterklasse heute weniger international verbunden als zur Entstehungszeit des Sozialismus. Obwohl Intellektuelle auch heute ihre Arbeitskraft zu unwürdigen Bedingungen verkaufen müssen, haben sie überwiegend keinen Schimmer mehr von ihrer sozialen Lage, ihrer Stellung im Produktionsprozess oder gar von ihren Handlungsmöglichkeiten über Gewerkvereine oder andere notwendige Zusammenschlüsse. Organisation gilt postmodern als verpönt. Wir sind alle Individualisten.
Kein Wunder, denn das Imperium, die oberste Repräsentanz des Postimperialismus wusste alle Register zu ziehen, um Organisationen und um Widerstand zu unterminieren. Es ist in Anbetracht der Veröffentlichungen von Wikileaks keine Verschwörungstheorie mehr, zu behaupten, dassUnterwanderung, ja selbst Infitration von ausgebildeten Terroristen ein wesentliches Mittel zur Zerstörung und Vermeidung von effektivem Widerstand auf allen Ebenen ist. Selbst Verlautbarungen führender Mainstream-Medien lassen solches ab und zu durchblicken.
Dem Gegner auf die Schliche kommen und diese vereiteln
Uns dieses alles bewusst zu machen, also dem Gegner auf die Schliche zu kommen, halte ich für unsere zentrale Aufgabe. Unter den Menschen, die sich keinesfalls zur Arbeiterklasse zählen, gibt hervorragende Verbündete, die vieles begriffen haben und die sehr vieles erkennen. Zu nennen wären da etwa allen voran Intellektuelle wie der Schweizer Historiker Daniele Ganser mit seiner Publikation zu den Geheimarmeen der NATO, ebenso der engagierte und kenntisreiche CDU-Politiker Willi Wimmer und der Journalist Ken Jebsen, der guten Leuten und Kennern immer wieder ein publikumsträchtiges Forum bietet. Natürlich sprechen, diese klugen Köpfe nicht über die 'Arbeiterklasse', sondern sie referieren über scheinbar oder wirklich brennendere Themen. Sie sind besorgt über den Bestand der Menschheit in Anbetracht der Ausweitung der Kriegszonen. Sie sprechen sachkundiger und engagierter in meinen Augen als die traditionelle LINKE inklusive der Kommunisten, eben weil letztere durch Unterwanderung der Gehirnerweichung in besonderem Maße unterliegen. Ich bitte um Verzeihung für die krasse Vokabel, aber anders sind manche „linke“ Positionierungen nicht zu erklären, insbesondere nicht, warum Experten wie Ken Jebsen ausgegrenzt und andere wie Daniele Gansrer marginalisiert werden.
Wider die Gehirnwäsche Einsatz kollektiver Vernunft
Wir müssen uns also wirklich mit dem Umfang der Gehirnwäsche befassen, der wir arbeitenden Menschen seit Jahrzehnten zunächst soft und jetzt mit aller Härte ausgeliefert worden sind.
Es gibt letzlich nur einen wirklichen Ausweg aus der bedrohlichen Misere, in die das Imperium in seinem postimperialistischen Stadium uns geführt hat. Die organisierte, zu Bewusstsein gelangte Kraft der arbeitenden Menschen, der Arbeiterklasse also, wird die Gesellschaft zum Besseren von oben bis unten umgestalten müssen. Der Weg führt zunächst über eine multipolare Weltordnung in der Platz für verschiedene Gesellschaftsmodelle ist. Das Bessere wird sich im friedlichen Wettbewerb am Ende durchsetzen. Bis dahin ist noch ein langer Weg. Packen wir das nächstliegende an und schaffen wir Klarheit in den Köpfen. Eine andere Welt ist möglich.
Das meint Irene Eckert