Monday, May 4, 2015

Symposion: „Frau Macht Staat -100 Jahre IFFF“ Frau Macht Staat

PRESSEINFORMATION
Freitag, 19. Juni 201517.30 Uhr, Alter Rathaussaal München
Festakt: „Frau Macht Staat“ – 100 Jahre IFFF
Vorträge von Dr. Sabine Schiffer und Barbara Lochbihler Samstag, 20. Juni 2015, 10.00 – 16.30 Uhr, Gasteig, München
Symposion: „Frau Macht Staat -100 Jahre IFFF“ Frau Macht Staat
100 Jahre Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit / IFFF
(München, Mai 2015) Die älteste Frauen-Friedensorganisation der Welt IFFF hatte mit Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und weiteren Mitstreiter- innen in München eine wichtige Keimzelle, die heute in der vierten Generation weiterlebt. Seit ihrer Gründung mitten im ersten Weltkrieg, 1915 in Den Haag, richtet sich die IFFF – Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - gegen alle Formen von Krieg und Gewalt. Sie hat bereits 1915 "Grundsätze für einen dauerhaften Frieden" erstellt, die bis heute von hoher Aktualität sind. Lautstark und unerschrocken hat die IFFF vor hundert Jahren für die Gründ- ung einer internationalen Schiedsgerichtsinstitution und eines neutralen Völkerbundes plädiert. Beide Anliegen wurden sehr viel später mit dem Inter- nationalen Gerichtshof und den Vereinten Nationen verwirklicht. Am 19. und 20. Juni 2015 feiert die IFFF in München ihren 100. Geburtstag mit einem Fest- akt, einem Symposion und zwei Ausstellungen im Gasteig.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, setzten sich einige Münchnerinnen – die bekanntesten sind die erste promovierte deutsche Juristin Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann - an die Spitze der deutschen pazifistischen Frauen-Bewegung. Als Augspurg und Heymann am 1. August 1914 die Nachricht von der Mobilmachung erhielten, nahmen sie sofort Kontakt zu Pazifistinnen aus anderen Ländern auf, z. B. zu den amerikanischen Sozialreformerinnen Jane Addams und Emily Greene Balch sowie zu der niederländischen Frauenrechtlerin Aletta Jacobs, um eine internationale Frauenbewegung gegen den Wahnsinn des Krieges zu mobilisieren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs kamen 1915 in Den Haag über 1100 Frauen aus 12 kriegsführenden und neutralen Staaten gegen den Widerstand ihrer Regierungen zusammen, um gegen die Annahme, Krieg sei der einzige Weg, interrnationale Konflikte auszutragen, zu protestieren. Zu ihnen gehörten 28 deutsche Frauen. Geleitet wurde die Versammlung von der amerikanischen Sozialreformerin Jane Addams, die 1931 den Friedensnobelpreis erhielt. Aus diesem Friedens- kongress gingen die WILPF - Women's International League for Peace and Free- dom bzw. die deutsche IFFF hervor.
www.wilpf.de | Vorsitzende: Irmgard Hofer | Regionalgruppe München: Brigitte Obermayer | Medienbetreuung 100 Jahre IFFF / München: Pfau PR, Tel. 089 / 48 920 970, info@pfau-pr.de, www.pfau-pr.de
In den folgenden Kriegsjahren wurden die meisten Friedensaktivistinnen als Verräterinnen diffamiert, unterdrückt und verfolgt. In München unterlagen Anita Augspurg, Gertrud Baer, Margarete Quidde, Lucy Hoesch-Ernst, Marie Zehetmaier u.a. der Postzensur und Telefonüberwachung; Margarethe Selenka wurde der Pass entzogen und damit erheblich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten als Anthropologin und Paläontologin eingeschränkt, Lida. G. Heymann wurde aus Bayern ausge- wiesen und lebte meist illegal in München oder in ihrem Haus im Isartal. Während die Frauen um die Jahrhundertwende nach München gezogen waren, weil sie Bayern als relativ liberal und freigeistig erlebten, spürten sie im Krieg und besonders gleich nach der Niederlage, wie München ein Zentrum demokratiefeindlicher und reaktionärer faschistischer Kräfte wurde. Augspurgs und Heymanns Stadtwohnung in der Kaulbachstraße 12 wurde zur Organisationszentrale der pazifistischen Frauen. Trotz der Anfeindungen durch rechtsradikale Strömungen gibt es 1928 in über 80 deutschen Städten Gruppen mit etwa 2000 Liga-Mitgliedern. Jahrelang ist aufgrund des Wohnortes vieler Friedensaktivistinnen München der Mittelpunkt der deutschen Sektion und wohl auch der deutschen Frauen-Friedens-Bewegung. Zur Vorbereitung der UN-Weltabrüstungskonferenz 1932 organisiert die IFFF in der gan- zen Welt eine riesige Unterschriftsaktion mit der Losung "Der Krieg ist geächtet, also fordern wir die Ächtung der Kriegsmittel". Am Eröffnungstag werden die Listen mit über 8 Millionen Unterschriften in Genf abgeliefert.
Auch in München gab es dazu im ehemaligen Hotel Union in der Barer Straße eine Großveranstaltung unter dem dramatischen Motto "Weltabrüstung oder Weltunter- gang", an der 1200 Menschen teilnahmen. Weil die Hauptorganisatorin Constanze Hallgarten aus dem Großbürgertum stammte, saßen im Publikum nicht nur Ange- stellte und Arbeiter, sondern auch bayerischer und deutscher Adel, Universitäts- angehörige und Geistliche. Die Hauptrednerin, die französische Schriftstellerin Marcelle Capy, sprach über den internationalen Rüstungsfilz und den illegalen Waffenhandel und zitierte Anatole France: "Man glaubt, für das Vaterland zu ster- ben, aber man stirbt für die Rüstungsindustrie." Einen Tag später konnten die beteiligten Frauen in der rechtsradikalen Presse, wie z. B. im Illustrierten Beobach- ter, nachlesen, wie sie mit ihren Ideen angekommen waren: Die Vorträge waren „pazifistische Frechheiten“, die Aktivistinnen wurden u. a. als „wilde Weiber“, „degenerierte Halbwelt-Dämchen“, „Hyänen“, „Gänse“, „Schlangen“, „Furien“ und „Irrenhausanwärterinnen“ tituliert. Erika Mann, die Freundin von Constanze Hallgarten, sagt nach diesem Skandal: "Von jenem Abend an datiert mein Interesse für Politik, meine Überzeugtheit, dass man sich kümmern muss, und dass es rettungslos schiefgeht mit einer Demokratie, in der die Mehrheit der Jugend die 'Politik' den Radaumachern überlässt".
Im Februar 1933 zählt die deutsche Sektion der IFFF als Frauen- und Friedens- Bewegung zu den ersten Organisationen, die von den Nationalsozialisten verboten werden. Erst im Zuge der internationalen Frauen-Bewegungen der 60er und 70er Jahre rückten der Internationale Frauentag und die besonderen Frauenthemen, die schon in den 20er Jahren selbstverständlich zum Programm der IFFF gehörten, wieder mehr in den Mittelpunkt.
WILPF wird im April 2015 100 Jahre alt. Von 27.-29. April 2015 fand in Den Haag ein großer internationaler Kongress statt, der unter dem Motto "Women's Power to Stop War" steht. Im Zentrum der IFFF-Aktivitäten steht heute politi- sches Lobbying für Frieden und Gerechtigkeit in Zusammenarbeit mit Akti- vistinnen aus der ganzen Welt. „Die Frauen von 1915, die mit ihren Forder- ungen ihrer Zeit weit voraus waren, hinterlassen uns ein Vermächtnis; wir Frauen von 2015 betrachten es als Auftrag, weiter aktiv für Frieden, Freiheit und Frauenrechte zu streiten“, sagt Brigitte Schuchard, Mitglied der IFFF in Deutschland und eine der Organisatorinnen des Jubiläums in München.
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Programmübersicht 19./20.6.2015
Freitag, 19.6., 18.00 Uhr
FESTVERANSTALTUNG
Altes Rathaus, Marienplatz 15, München
Vorträge:
Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung, Erlangen): „Präsenz von Frauen in Medien – eine optimistische Fehleinschätzung“
Barbara Lochbihler, MdEP/IFFF: „Die Internationale Frauenliga und das Engagement für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“

Moderation: Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber (Hochschule Kleve, IFFF) _________________________________________________________
Samstag, 20.6., 10.00 Uhr – 16.30 Uhr
SYMPOSIUM
Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5, München
10.00
Deutschland 11.00
12.30 – 14.00 14.00
14.00
(Berlin, IFFF) 14.00
15.30 – 16.00 16.00 – 16.30
Begrüßung und Einführung:
Anne Ley-Schalles (Xanten, IFFF): Begrüßung und Einführung Dr. Susanne Hertrampf (Bonn, IFFF): Die Geschichte der IFFF in
„Frauen erheben ihre Stimme heute“
Podiumsgespäch mit
Prof. Dr. Eva Maria Hinterhuber (Hochschule Kleve, IFFF) Irmgard Hofer (Vorsitzende IFFF)
Barbara Lochbihler (MdEP/IFFF)
Karin Nordmeyer
Moderation: Heidi Meinzolt (München, IFFF)

Mittagspause
Workshop I:
Krieg – Zwangsheirat – Menschenhandel
Leitung: Monika Cissek Evans (Fachberatungsstelle JADWIGA Bayern)
Workshop II:
Konfliktprävention und Gerechtigkeit
Leitung: Heidi Manzolt (Europakoordinatorin IFFF) und Dr. Nina Althoff
Workshop III
Militarisierung kostet Leben
Mit Regina Hagen (Kampagnenrat Atomwaffen abschaffen, Darmstadt) und Irmgard Hofer (Vorsitzende IFFF)
Kaffeepause
Abschluss-Podium
Vorstellung der Forderungen aus den Workshops an Politik und Gesellschaft
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Begleitprogramm:
12. – 20. Juni 2015
Gasteig, Foyer vor der Bibliothek
Vernissage: 12. Juni 2015, 17.00 Uhr mit Barbara Lochbihler, MdEP

Ausstellung I
Unaufhörlich für den Frieden 
100 Jahre IFFF, 1915 – 2015
Ausstellung II
Menschenhandel
Situation, Rechte und Unterstützung in DeutschlandAusstellung des bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel e.V. / KOK
_________________________________________________________
Sonntag, 21.6.
10.30 Uhr bis 13.00 Uhr
Treffpunkt Odeonsplatz, Feldherrnhalle

Stadtrundgang
Frauenrechtlerinnen und Friedensaktivistinnen in München

Leitung: Brigitte Schuchard und Brigitte Obermayer (IFFF) _________________________________________________________
Weitere Informationen:
WILPF INTERNATIONAL: www.wilpfinternational.org
DEUTSCHE SEKTION: www.wilpf.de
Mit Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung erschien am 28.4.2015 der umfangreiche Jubiläumsband „Frauen Frieden Freiheit“. (Hg.: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit/IFFF, Brigitte Schuchard, Berlin 2015, ISBN 978-3-86386-841-3)
Der Festakt und das Symposium werden unterstützt von der Gleichstellungsstelle der Landeshauptstadt München, dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Petra Kelly Stiftung.
Die Ausstellungen werden ermöglicht durch die Rosa Luxemburg Stiftung, die Gleichstellungsstelle und das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Bezirksausschuss 3 Maxvorstadt der LH München.
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