Monday, July 17, 2017

Wieso dieser Hass auf die G20?

Andreas Wehr
Bis zum Hamburger Gipfeltreffen war die Gruppe der G20-Staaten in Deutschland so gut wie unbekannt. Dabei gibt es sie auf der Ebene der Regierungschefs bereits seit 2009, und elf Gipfel fanden seitdem statt. Ganz anders als in Deutschland ist die Sicht auf die Gruppe hingegen in Ländern wie China, Indien, Russland oder Japan, wo sie als wichtiger Schritt hin zu einer multipolaren Weltordnung verstanden und gewürdigt wird. Die Japanische Kommunistische Partei sieht in ihrer Etablierung sogar einen Beitrag zur „Demokratisierung der Weltwirtschaft“ [1]
Die Legenden über die G20
In Deutschland wird die G20 fälschlich oft als eine bloße „Erweiterung“ der G7 angesehen, also jenes seit Mitte der 70er Jahre existierenden Zusammenschlusses der imperialistischen Kernländer USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada .[2] In Wahrheit sind aber die G7 weiter eigenständig und sehr lebendig, erst Ende Mai hielten sie im sizilianischen Taormina ihr Gipfeltreffen ab. Diese Gleichsetzung von G7, bzw. der kurzzeitig um Russland auf G8 erweiterten Gruppe, und der G20 aber ist gewollt: Damit soll eine Kontinuität zwischen den Demonstrationen gegen die Treffen der G7/G8 und dem Gipfel der G20 in Hamburg hergestellt werden. Die Proteste gegen die G7/G8 von Seattle 1999, Genua 2001, Heiligendamm 2007 und 2015 auf Schloss Elmau werden zu diesem Zweck in Erinnerung gerufen. An sie sollte in Hamburg angeknüpft werden.
Selbst über die Zusammensetzung der G20 herrscht in Deutschland oft Unklarheit. So spricht Attac fortwährend von der G20 als der Versammlung der „reichsten Staaten“ der Welt.[3] Die Reihe „der Reichsten“ wird aber von Katar angeführt, gefolgt von Luxemburg, Macao, Singapur, Brunei Daressalam, Kuwait, Irland und Norwegen. Nebenbei bemerkt: Es ist mehr als eine bittere Ironie, ausgerechnet das G20-Land Indien zu den reichsten Ländern zu zählen! Der Gruppe der Zwanzig gehören tatsächlich folgende 19 Staaten sowie die Europäische Union an: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, die Türkei und die USA. Anders als bei der G7 ist also der Westen hier nicht unter sich. Mit am Tisch sitzen auch seine größten Kontrahenten Russland und China sowie weitere Schwellenländer.[4] Die G20 sind daher keine „Erweiterung“ der G7. Ihre Etablierung ist auch kein Geschenk des Westens an die übrige Welt. Sie entstand vielmehr aus der Not in der Weltwirtschaftskrise 2008, die man ohne Hilfe Chinas und anderer Schwellenländer alleine nicht mehr bewältigen konnte. Mit der Etablierung der G20 sind die globalen Verhältnisse aber natürlich nicht umgestürzt worden. Wie sollte das auch möglich sein? Aber es wurde ein wichtiger Schritt in Richtung einer multipolaren Weltordnung getan.
Der G20 wird vorgeworfen, eine „Weltregierung“ etabliert zu haben.[5] Dieser Vorwurf ist substanzlos, hatten sich doch in der Hansestadt Regierungschefs mit solch gegensätzlichen Interessen versammelt, wie sie schärfer in der Welt kaum vorstellbar sind. Man denke nur an das durch westliche Sanktionen bestrafte Russland oder an China, das militärisch durch die USA mit Hilfe seiner Verbündeten Australien, Japan, Südkorea und Taiwan immer stärker unter Druck gesetzt wird.
Den G20-Staaten wird weiter vorgehalten, sie seien ein „illegitimer Zusammenschluss exklusiver Staaten“, sie hätten sich selbst ernannt.[6]Übersehen wird dabei, dass Staaten souverän sind, d.h. ihre Regierungschefs können sich in welcher Zusammensetzung auch immer völlig frei treffen, dafür benötigen sie keine Genehmigung und schon gar keine Belehrung aus Deutschland.
Schließlich wird verlangt, die G20 hätte sich der UN unter- bzw. in sie einzuordnen. Doch der damit verbundene Vorwurf, nicht repräsentativ für die Staaten der Welt zu sein und etwa aus Afrika mit Südafrika nur ein Land in den Reihen zu haben, trifft auf die UN erst recht zu. Unter den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats, also des Gremiums das dort einzig zählt, ist weder ein afrikanisches noch ein südamerikanisches Land. Japan, das ökonomisch drittstärkste Land der Welt, fehlt dort ebenso wie der bald bevölkerungsreichste Staat Indien. Die Zusammensetzung der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder spiegelt die längst überkommene Weltordnung von 1945 wider. So richtig es wäre, die G20 mit den Strukturen der UN zu verknüpfen, so wichtig ist es gleichzeitig, die UN grundlegend zu reformieren. Im Übrigen gibt es längst eine Zusammenarbeit der G20 mit Organisationen der UN, etwa im Bereich der Agrar- Umwelt- und Gesundheitspolitik. Diese Kooperation zu vertiefen bzw. auf weitere Felder zu erweitern, hätte eine konstruktive Forderung an die in Hamburg versammelten Regierungschefs sein können.
Und was den Vorwurf mangelnder Repräsentation in der G20 angeht, so stimmt es, dass in ihr solch bevölkerungsstarke Länder wie Vietnam, Bangladesch, Ägypten oder Iran fehlen. Vor allem der afrikanische Kontinent ist unterrepräsentiert. Man muss aber wissen, dass es die USA waren, die darauf drängten, stattdessen Saudi-Arabien, Kanada und Australien zu Mitgliedern zu machen. Die europäischen Staaten wiederum bestanden auf der Teilnahme der EU. Der Vorwurf sollte daher an die dafür wirklich Verantwortlichen gerichtet werden, also an die USA und die EU-Mitgliedsländer.
Harmloser Protest und Zerstörungswut
Die Demonstrationen und Proteste in Hamburg richteten sich unterschiedslos gegen alle eingeladenen Staatschefs. Ohne jede Differenzierung wurden sie mal als „Mächtige“, mal als „Oligarchen“, dann wieder als „Herrschende“ oder auch „Autokraten“ bezeichnet, die gleichermaßen für Hunger, Armut, Hochrüstung, ja Krieg verantwortlich seien. Täter und Opfer der westlichen imperialistischen Politik wurden unterschiedslos auf eine Stufe gestellt. Was sie auch immer sonst trennte, in dieser undifferenzierten Kritik unterschieden sich die harmlosen Jugendlichen vom Event „Lieber Tanz ich als G20“ nicht von den ganz und gar nicht harmlosen Gewalttätern des Schwarzen Blocks der "Welcome to Hell"-Demonstration.
Das Versagen der parteipolitisch organisierten Linken, nicht über die wirklichen Verhältnisse in der Welt aufgeklärt und damit nicht bewusstseinsbildend auf die in Hamburg Anwesenden eingewirkt zu haben, stellt ihr ein beispielloses Armutszeugnis aus. Ihre Sprache unterschied sich nicht vom üblichen Gerede von den „Machthabern“, die man nicht in der Stadt sehen wolle. Auch hier wurde alles zusammengerührt, war am Ende „alles eine Soße in der Weltpolitik.“[7] So hieß es im Aufruf der Partei DIE LINKE: „Mitten in der Hamburger Innenstadt will Angela Merkel Trump, Putin, Erdogan den roten Teppich ausrollen. Gemeinsam wollen sich Neoliberale und Autokraten dort als Problemlöser inszenieren. Dabei ist es ihre Politik der letzten Jahre, die viele der drängendsten Probleme erst hervorgerufen hat.“[8] Die Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE Ulla Jelpke setzte Erdogan direkt mit Putin gleich: „Wenn es um Erdogan den Kurdenmörder geht, oder wenn es um Putin geht, der überall seine Bomben einsetzt und einsetzen will, dann werden hier die tollsten Hotels angemietet und sie werden geschützt. Aber die friedlichen Demonstranten, die werden hier geprügelt und angegriffen."[9] Der Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE, Bernd Riexinger, begrüßte die Demonstration „Für grenzenlose Solidarität“ vom 8. Juli als eine „gegen die Politik der Trumps, Erdogans, Putins und Merkels, die diese Welt sozial und ökologisch an den Rand der Existenz bringt und deren Kriege Hunger, Not und Flucht verursachen“. Der DKP-Parteivorstand erklärte aus Anlass des Events: „Lasst uns der Politik der Herrschenden der Welt, ihrer Kriegs- und Ausbeutungspolitik, unsere grenzenlose Solidarität entgegensetzen.“[10] Der Parteivorsitzende der DKP, Patrik Köbele, hatte schon Monate zuvor verkündet, dass es sich beim Gipfel schlicht um eine „undemokratische Zusammenrottung“ handele.[11]
Doch wer ist für die Kriege, für Not und Flucht in der Welt wirklich verantwortlich? Wer hat den Irak gleich zweimal angegriffen, wer Libyen überfallen und wer führt heute Krieg gegen den Jemen? Wer destabilisiert seit Jahren Syrien und interveniert ungeniert militärisch gleich in mehreren Staaten Afrikas, und wer droht jetzt Nordkorea offen mit Krieg? Wer hat gestattet, dass in Kiew Rechtsradikale mithalfen, die rechtmäßige ukrainische Regierung zu stürzen? Wer lässt es schließlich zu, dass Israel Palästina faktisch okkupiert? Und wer heizt den Konflikt in Venezuela von außen an? Diese Liste ließe sich weiter verlängern. In jedem Konflikt sind es die westlichen NATO-Staaten, zusammen mit ihren jeweiligen Verbündeten, die die Verantwortung dafür tragen. Ihnen gegenüber stehen die gleichfalls in der G20 vertretenen Staaten Russland, China, Indien, Südafrika, Brasilien, Mexiko sowie weitere, die immer wieder versuchen, zwischenstaatliche Konflikte friedlich beizulegen, militärische Auseinandersetzungen zu vermeiden und die internationale Politik auf diese Weise zu demokratisieren. Bei den Demonstranten zählte aber all das nicht. Es zählte auch nicht, dass das moderne China Hunderte von Millionen Menschen aus bitterster Armut befreit hat und das Land heute im Kampf gegen den Klimawandel weltweit zum Hoffnungsträger geworden ist. Für die G20-Gegner sind in der Nacht alle Katzen grau! Es ist eine einzige „reaktionäre Masse“, der sie sich gegenübersehen. Gegen eine solche Weltsicht, die keine Unterschiede kennt, polemisierten schon Karl Marx und Friedrich Engels gegen Ferdinand Lassalle bzw. Michail Aleksandrovič Bakunin. In der heutigen theorielosen Zeit kehren solche, überwunden geglaubten primitiven, da undialektischen Denkweisen zurück.
Man weigert sich aber nicht nur, irgendwelche Unterschiede zur Kenntnis zu nehmen. Man vermeidet auch, die wirklich Herrschenden mit Hilfe einer konkreten Analyse der konkreten Situation bei ihrem Namen und ihren Taten zu nennen. Sieht man sich nur die offiziellen Forderungen der vom Bundestagsabgeordneten der Partei DIE LINKE, Jan van Aken, angemeldeten Demonstration „Für grenzenlose Solidarität“ an, so erkennt man wie harmlos in Wirklichkeit der Protest der geschätzten 60. 000 war. Nirgendwo ist darin von der NATO die Rede. Zynisch verharmlosend heißt es unter der Überschrift „Es läuft etwas gehörig falsch auf der Welt“: „Kriege und bewaffnete Konflikte wie in Syrien, in Kurdistan, im Irak oder der Ukraine scheinen kein Ende zu nehmen.“ Ja, warum wohl? Lediglich der Bürgerkrieg im Südosten der Türkei wird erwähnt, und hieran Deutschland eine gewisse Mitschuld gegeben: „Die deutsche Regierung paktiert sogar mit Diktatoren wie Erdogan und unterstützt dessen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung, um eigene Interessen in der Region zu verfolgen und damit die Türkei flüchtenden Menschen den Weg nach Europa versperrt.“ [12] Als wenn das militärische Vorgehen der Türkei gegen die Kurden das einzige Problem in der Welt wäre. Vor allem aber: Gegenüber dem eh schon international isolierten Erdogan traute man sich, ihn als Verantwortlichen für einen Krieg anzuklagen. Gegenüber den übrigen Vertretern der NATO-Staaten aber schwieg man. Wenn das nicht Opportunismus ist!
Die zentrale Botschaft des Demonstrationsaufrufs lautete: „Unsere Kritik richtet sich nicht nur gegen einzelne Personen und Repräsentanten, sondern gegen die Verhältnisse und Strukturen, die diese hervorbringen. Wir werden unsere Ablehnung der kalten und grausamen Welt des globalen Kapitalismus deutlich machen, wie sie von den G20 repräsentiert und organisiert wird. Wir werden unsere Solidarität mit all jenen zum Ausdruck bringen, die weltweit durch Proteste, Streiks oder Aufstände der Politik der G20 entgegentreten. Unser Verlangen nach einer Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität wird unüberhörbar sein.“[13] Allgemeiner und unverbindlicher hätte man es nicht formulieren können. Stolz wurde verkündet, dass dieser Aufruf von nicht weniger als 174 Organisation unterstützt wurde, von der Reitschule Bern bis zum MLPD Landesverband Nord. Ein solcher Text hätte aber jedem Kirchentag zur Zierde gereicht und auch Papst Franziskus, womöglich sogar der Dalai Lama, hätten ihn unterzeichnen können. Die in Hamburg anwesenden Repräsentanten des Westens bzw. der NATO hatten daher von solchen Protesten und dem abstrakten Verlangen nach einer „Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität“ nichts zu befürchten. Zwar gab es in der Demonstration, vor allem von Aktivisten der Friedensbewegung vorgetragen, auch Forderungen, die sich eindeutig gegen die NATO und gegen die Politik der Bundesregierung richteten, doch diese Stimmen gingen in dem Einheitsbrei „Alle sind gleichermaßen schuld“ unter.
Zu den Ergebnissen des Hamburger Gipfels
Was bleibt vom Hamburger Gipfel? Natürlich zunächst einmal die nicht endende Auseinandersetzung um die anarchistische Gewalt, die die Stadt heimgesucht hat. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Bilder brennender Autos und geplünderter Läden bald überall in Deutschland im Straßenbild auftauchten, etwa im Bundestagswahlkampf auf Plakatwänden der AfD und womöglich auch der CDU/CSU. Die Gewalttäter dürfen sich schon jetzt über den zu erwartenden Rechtsruck bei den Wahlen freuen.
Es gab aber auch andere Ergebnisse, die ihre Wirkung entfalten werden. Der Westen präsentierte sich in Hamburg tief gespalten. Der gastgebenden deutschen Bundesregierung und denen der anderen EU-Staaten blieb nichts anderes übrig, als auf China und sogar auf Russland zuzugehen, um mit ihnen ein Bündnis gegen die unter Trump abseits stehenden USA zu schmieden, so in der Klimapolitik, so in der Handelspolitik. Moskau und Peking verschafft dies Bewegungsspielraum, und die wenigen verbliebenen Kritiker des Imperialismus im Westen werden ermutigt. Vor allem China steht nach Hamburg international so gut da wie wohl noch nie. Das musste zähneknirschend sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung einräumen: „Es ist einerseits der weltpolitischen Realität, andererseits aber auch dem Problem namens Donald Trump geschuldet, dass sich die Bundeskanzlerin bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme in zunehmendem Maße auf China stützt.“ Und man ahnt in der FAZ-Redaktion bereits, dass man einen Preis für Chinas Unterstützung, etwa in der Nordkoreapolitik, zu zahlen haben wird: “Eine weitere Verschärfung der Sanktionen, die nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas wieder einmal auf der Tagesordnung der Weltpolitik steht, könnte China davon abhängig machen, dass man seinen maßlosen Gebietsansprüchen im Südchinesischen Meer mit mehr ῾Verständnis῾ begegnet. Fazit: China ist ein unentbehrlicher, aber mit großer Vorsicht zu genießender Partner für Deutschland und die Welt.“[14] Die pünktlich zum Gipfel gestartete Medienkampagne um die Haftentlassung des seinerzeit schwerkranken und inzwischen verstorbenen, vom Westen zum Menschenrechtler geadelten Liu Xiaobo verfing denn diesmal auch nicht so recht. 
Der zweite Gewinner des Gipfels heißt Russland. In Hamburg kam es zur ersten Begegnung von Trump und Putin überhaupt. Allein diese Tatsache und der Umstand, dass das Gespräch deutlich länger als geplant andauerte und –wie gemeldet wurde – in entspannter Atmosphäre verlief, ist bereits ein Erfolg. Die dabei verabredete Waffenruhe im Südwesten Syriens kann die Gefahr einer militärischen Konfrontation zwischen den beiden Mächten im gegenwärtig wohl gefährlichsten Konflikt der Welt verringern. Interessant auch, dass man sich darauf einigte, die Frage der angeblichen russischen Einmischung in den US-Wahlkampf zur Seite zu legen. Und hätte die Absprache über die Schaffung eines gemeinsamen Vorgehens in Sachen Cyberkriminalität in Washington Bestand gehabt, so wäre dies ein enormer Erfolg gewesen.
Interessant sind aber auch die Ergebnisse des Gipfels in den verschiedenen politischen Feldern, von Digitalisierung bis Gesundheit. Hier hatten Arbeitsgruppen unter Leitung der Fachminister der G20-Staaten in den letzten Monaten umfangreiche Dossiers und Aktionsprogramme erarbeitet. Die taz hat eine erste Übersicht der Ergebnisse veröffentlicht.[15] Neben Negativem, etwa in der Strategie zur Entwicklung Afrikas, mit der vor allem der westlichen Industrie der Teppich ausgerollt werden soll, gibt es durchaus auch Positives zu registrieren, so in den Vereinbarungen zur Gesundheitspolitik. Dort verständigte man sich auf einen koordinierten Kampf gegen die zunehmenden Antibiotikaresistenzen und auf die Ausrottung bzw. Zurückdrängung von Kinderlähmung und Tuberkulose. All das soll übrigens in enger Koordination mit der zur UN gehörenden Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschehen. Nichtregierungsorganisationen wie „Oxfam“ und „Ärzte ohne Grenzen“ konstatierten bei aller verbliebenen Kritik denn auch viel Fortschrittliches.[16]
Es ist bedauerlich, dass sich die Demonstranten für diese, bereits vor dem Gipfel vorgelegten Ergebnisse so gut wie gar nicht interessierten. Doch unterhalb der Einforderung einer „Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität“[17], und das nach Möglichkeit sofort, macht man es eben nicht.
Warum nur dieser Hass?
Man fragt sich, woher dieser Hass auf die G20 stammt, der sich in den Straßen Hamburgs sowohl friedlich artikulierte als auch gewalttätig austobte. Worin liegt der tiefere Grund für die unbestreitbare Breite der Ablehnung des Gipfels, selbst unter sonst unpolitischen Menschen? Diese prinzipielle Gegnerschaft steht im Gegensatz zu den mageren Mobilisierungserfolgen bei Ereignissen, die allemal Proteste verdienen. Zwar wurde auch gegen den Nato-Gipfel vor wenigen Wochen protestiert, doch in Brüssel kamen weit weniger als jetzt in Hamburg zusammen, und auch für Randale sah niemand eine Notwendigkeit. Selbst die Ratsgipfel der EU, auf denen die weitere Drangsalisierung Griechenlands beschlossen wird, laufen regelmäßig ohne Proteste ab, ganz zu schweigen von den Friedensdemonstrationen, die gegenwärtig nur wenig Zulauf haben.
Die Organisatoren der Hamburger Proteste täuschen sich, sollten sie glauben, es wäre ihre Agitation und Propaganda gewesen, die zu dieser Mobilisierung geführt hat. Dafür sind ihre Organisationen und Medien viel zu einflusslos. Der Schub wurde vielmehr von der breiten liberalen bzw. linksliberalen Öffentlichkeit, von Medien wie Zeit, Spiegel, Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Rundschau, Freitag, taz, Stern, Neue Zürcher Zeitung und auch von einigen öffentlich-rechtlichen Medien erzeugt. Dort fand man bereits vor Monaten die heute so aktuellen Vorwürfe gegen die G20: Sie handele selbstherrlich, geriere sich als Weltregierung, missachte die UN, sei schlicht illegitim. Vorwürfe, die man dort niemals gegenüber der G7 erheben würde. Es ist ganz offensichtlich, dass diesen Medien die ganze Richtung nicht passt. Es ist die Institution G20 als solche, die stört, weil in ihr mit Russland und China und anderen Schwellenländern Mächte an Einfluss gewonnen haben, die auch der deutsche Imperialismus unbedingt in seine Schranken zurückverweisen will. Ganz konkret stört Russland die unter deutscher Führung stehende Expansionsstrategie der EU in der Ukraine, Georgien und auf dem Westbalkan. Und was China angeht, so soll dem wachsenden ökonomischen Einfluss des Landes in Afrika Einhalt geboten werden.
Beispiele für diese Medienkampagnen gibt es unzählige. Hier seien lediglich zwei zitiert: Spiegel-Online schrieb Anfang Juli unter der Überschrift „Gipfel in Hamburg – eine Farce“: „Da die USA unter Donald Trump als stabiler Partner offensichtlich verloren sind, setzt sie (gemeint ist Angela Merkel, A.W.) nun ihre Hoffnung auf den chinesischen Staatschef Xi als Gegengewicht. Gemeinsam hat man bereits in schönster Einvernehmlichkeit ein Pandagehege in Berlin eröffnet. Es mag schon sein, dass der Chinese im Vergleich zu Trump eine wohltuende Vernunft ausstrahlt. Doch es ist eine höchst zweifelhafte Partnerschaft, die Merkel hier eingeht. Man könnte auf den Hinrichtungsrekord der Volksrepublik verweisen, oder etwa auf den Umgang mit dem Friedensnobelpreisträger und Regimekritiker Liu Xiaobo, der erst aus der Haft entlassen wurde, als klar war, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Aber eigentlich reicht schon der Satz, mit dem Lukas Podolski jüngst begründete, mehrere Angebote ausgeschlagen zu haben, künftig in China Bälle zu treten: ῾Was da hinter den Kulissen passiert, das hat nichts mit Fußball zu tun.῾ Und das gilt im Grunde für diesen G20-Gipfel insgesamt. Man kann den Zorn verstehen, mit dem die Demonstranten in Hamburg gegen dieses Treffen der Mächtigen aufbegehren.“[18]
Und in der taz vom 10. Juli 2017 konnte man in der Rubrik „Der G-Kacken-Report“ der langjährigen taz-Reporterin Silke Burmester unter der Überschrift „Die Stadt stinkt noch immer nach muffigen Despoten“ lesen: „So hokuspokusmäßig hätte man mit Räucherstäbchen übers Gelände schleichen sollen, irgendwelche Indianer- oder Mönchsgesänge ertönen lassen und die Atmosphäre von den Trumps, Putins und Erdogans mit ihrer Aura des Gestanks von Käsefüßen gereinigt. Angesichts der Knappheit an Räucherstäbchen wäre auch Raumspray gegangen.“ Ein Bild daneben zeigt die Autorin einsatzbereit, bewaffnet mit Smartphone und Bauarbeiterhelm auf dem Kopf. So wird Stimmung gemacht.
Man sieht: Die Proteste der Zehntausende in Hamburg lagen ganz im liberalen Mainstream. Der ehemalige Diplomat und heutige Journalist Klaus von Raussendorff hat diese neudeutsche Protestkultur scharf, polemisch und treffend beschrieben: „In Hamburg haben wir erneut, aber so drastisch wie nie zuvor gesehen, was dabei herauskommt, wenn wohlmeinende Aktivisten so genannter sozialer Bewegungen in unmittelbarer Auseinandersetzung mit einer diplomatischen Staatenkonferenz ῾auf Weltebene῾ erreichen wollen, was sie in direkter Konfrontation mit den ῾Eliten῾ im eigenen Land zu erkämpfen zu mutlos, zu feige, zu bequem oder zu denkfaul sind. So kam zum G20-Treffen in Hamburg als Protest nur ein ῾Event῾ heraus, und zwar je nach Geschmack in zwei Versionen, einerseits in Form von musikalisch umrahmter harmlos-aktivistischer Selbstinszenierung, andererseits in Form blanker Zerstörungswut, sowohl ideologisch von Seiten der raffinierten Provokateure vom ῾Zentrum für politische Schönheit῾ als Stichwortgeber als auch organisiert martialisch auf der Straße vom ῾Schwarzen Block῾. So bot Hamburg ein lehrreiches Bild der derzeit in Deutschland grassierenden ῾Protestkultur῾: Regierung und Volk vereint gegen die ῾Diktatoren῾ dieser Welt, ein original faschistisches Konzept von ῾Volksgemeinschaft῾, allerdings bis zur Unerkennbarkeit neu drapiert als ῾Wertegemeinschaft῾ zur Verteidigung ῾unserer῾ Zivilisation.“[19]


[1] Auf dem 25. Parteitag der KPJ im Januar 2010 erklärte die Parteivorsitzende Shii Kazuoa zur Rolle der G20: „Emerging and developing countries in pursuit of economic development with their different approaches carry significant weight in the G20, and first ever enunciation of such a position in a G20 document is worthy of attention.” In: Achieving a Major Advance in the 2010s, Japanese Communist Party 25th Congress, January 13-16 2010, Atami, Japan Press Service Tokyo, July 2010, page 43. Eine Dokumentation der Beschlüsse der KPJ zur G20 findet sich unter: http://www.andreas-wehr.eu/eine-andere-sicht-auf-die-g20.html
[2] Lucas Zeise, Kurze Geschichte der G 20. Was die Mächtigen seit 40 Jahren auf den Weltwirtschaftsgipfeln verabreden, Marxistische Blätter 2_2017, S. 28
[3] Die G20 kommen nach Hamburg! Kommst Du auch? In: http://www.g20-protest.de/index.php?id=75267
[4] Zur Geschichte und Politik der G20 siehe auch: Andreas Wehr, Wer demonstriert da gegen wen?, in: Marxistische Blätter Nr. 17, Mai 2017, http://www.andreas-wehr.eu/wer-demonstriert-da-gegen-wen.html
[5] Die Großen spielen Weltregierung, in: Neue Zürcher Zeitung, https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-grossen-spielen-weltregierung-ld.1304831
[7] Arnold Schölzel, Propagandastreifen des Tages. Animationsfilm, in: Junge Welt vom 26.05.2017
[11] Auszüge aus dem Referat von Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, auf der 8. Tagung des Parteivorstandes am 25./26. März 2017 in: http://news.dkp.suhail.uberspace.de/kategorie/nachrichten/
[12] Aufruf „Für grenzenlose Solidarität statt G20“, http://g20-demo.de/de/aufruf/
[13] Ebenda
[14] Partner China, in FAZ vom 06.07.2017
[15] G20-Ergebnisse: Vieles sehr vage und unkonkret, in: TAZ vom 10.07.2017
[16] Ebenda
[17] Aufruf „Für grenzenlose Solidarität statt G20“ a.a.O.

G20 – was lief falsch bei den Protesten? Interview mit Andreas Wehr
Weltnetz TV

https://www.youtube.com/watch?

Eine andere Sicht auf die G20
Die Position der Japanischen Kommunistischen Partei (JCP
)
http://www.andreas-wehr.eu/eine-andere-sicht-auf-die-g20.html
von Andreas Wehr

Globalisierungsgegner, die Friedensbewegung und linke Parteien machen gemeinsam mobil gegen den Gipfel der Gruppe G20 Anfang Juli in Hamburg. In den Aufrufen wird sie  pauschal verantwortlich für die Kriege in der Welt, für Armut und Unterentwicklung gemacht. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die G20 – im Unterschied zur G7 - auch aus Schwellenländern wie Russland und China besteht. Es wird daher nicht zwischen Opfern und Tätern unterschrieden, demonstriert wird gegen beide.

Ganz anders die Haltung der Japanischen Kommunistischen Partei (JCP). Sie sieht in der Etablierung der G20 einen wichtigen Schritt hin zur Demokratisierung der globalen ökonomischen Beziehungen. Auf ihren Parteitagen 2010 und 2014 hat die JCP ihre Haltung gegenüber der G20 beschrieben. Die entsprechenden Passagen werden im Folgenden auf Englisch dokumentiert.

Die JCP ist die größte kommunistische Partei in einem nichtsozialistischen Land. Sie hat mehr als 300. 000 Mitglieder, bei Wahlen ist sie regelmäßig die zweitstärkste Partei des Landes und ihre Parteizeitung Akahata (Rote Fahne) erreicht an Wochenenden eine Auflage von 1.3 Millionen Exemplare.

German-US-Relations - Video Documentary


american power
Investigative journalist Jurij Kofner examines the post-war relationship between the US and his native Germany, and finds that the European nation has often been a tool of an unaccountable foreign power.
Kofner believes that the unbalanced friendship persists to this day.
“Most Germans believe that USA is their savior, a protector and the best friend. That it’s the pillar of freedom and democracy. Several generations of FRG citizens maintained this mentality have clung to that same viewpoint,” says Kofner.
“I’ve met politicians from various political parties and various independent experts and journalists in an effort to understand just how independent Germany really is when it comes to decision making. Whether it acts in its own national interests or carries out someone else’s will?”
In his 26-minute documentary, titled Soft Occupation, Kofner looks back to the partition of Germany following the defeat of Hitler, and key moments, such as Germany’s rejection of the Stalin Note, offering reunification in 1952, and the burdens it bore as the frontline of the Cold War.
Kofner – who was born in Munich, before moving to the UK, then Russia – believes that the 1990 reunification of Germany presented an opportunity for Berlin to chart its independent course – instead it remains in hock to Washington.
From the war in Yugoslavia, to Afghanistan and Iraq, even when Berlin disagreed with the White House, it has offered its broad support – and its own troops, often wearing NATO patches.

‘US doesn’t need our permission to launch its rockets from our territory’

The recent wave of concern about Germany’s autonomy has been sparked by Edward Snowden’s 2013 leaks that revealed that Chancellor Angela Merkel’s phone was likely tapped by the NSA, while the US embassy in Berlin was used as a listening station.
The US also maintains dozens of military facilities across the country, which it uses for surveillance, and military operations, such as launching drone attacks thousands of miles away.
Kofner travelled to the largest and most notorious of these, the Ramstein Air Base, near Kaiserslautern in the south-west of the country, to meet with independent journalist Norbert Fleischer.
“In Ramstein the Americans have deployed an ABM – a missile defence shield. Officially, the command post for all the rockets is controlled under the all-NATO framework, but in fact there’s a backup American control point, near Ramstein Air Base, in Kaiserslautern and Fogel. 
From that control point, they are able to activate the anti-missile shield without engaging NATO,” says Fleischer, formerly of Bild Zeitung.
“Even the German government?” asks Kofner.
“Of course. The US doesn’t need anyone’s permission. It can launch rockets anytime it likes,” replies Fleischer.
Kofner then asks Fleischer where “US sovereignty in Germany ends.” Fleischer replies, less than half-jokingly, “Probably… in Frau Merkel’s bedroom.”

‘NATO has become a political tool’

While the Grand Coalition between Merkel’s center-right CDU and the center-left SPD has endorsed Germany’s central role in NATO, the rising fringe parties have questioned whether the country should remain the military alliance’s launching pad.
“What we’re dealing with is lending our territory to the US, enabling them to commit illegal mass murders and advance towards the Russian border, that’s for sure,” says Alexander Neu, of the Die Linke, the biggest leftist opposition party in the Bundestag.
The upstart right-wing AfD, expected to break into the Bundestag in the upcoming election in September, also wants a scaled-back, more responsive NATO.
“We definitely support NATO. Quitting it would be absurd, we don’t want to, the media says the opposite but that’s wrong,” says Hugh Bronson, a member of the AfD’s Berlin state parliament. “NATO has become more politicised. It had a defence function and used to play more of a military role. Now it’s become more of a political tool.”
“We should discuss to what extent NATO can act as a political alliance, which serves mostly as means to pursue American interests. We must go back to all NATO members being equal partners again,” says Andreas Kalbitz, who leads the party in the eastern state of Brandenburg.

Kofner believes that Germany’s complex historical legacy has deprived it of national confidence, but says that the establishment is also failing to speak up for ordinary Germans.
“We entrusted everything to the politicians and the press. No one asked German citizens whether they are willing to sponsor millions of immigrants and refugees. Whether they are willing to host nuclear weapons on their land,” Kofner said in his closing remarks.
“Germany has a great wonderful culture and rich history. But after WWII, we still find it incredibly hard to talk about our national pride. I guess all that Germans really want is peace, unity, justice and freedom,” he added.  Go here for the incorporated video documentary, highly insightful: https://www.rt.com/news/396492-germany-us-relationship-documentary/Quelle:

Während Trump spricht, stellt das Pentagon sich quer von Finian Cunningham

Während Trump spricht, stellt das Pentagon sich quer 
Am selben Tag, an dem sich US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin auf dem G20-Gipfel in Deutschland historisch die Hände reichten, veranstaltete das Pentagon ein Treffen um den Krieg mit Moskau zu planen. 
von Finian Cunningham
Als die Veranstaltung im US-Militärhauptquartier in der Nähe von Washington DC veröffentlicht wurde, berichteten westlichen Medien kaum darüber. Die beiden Hauptakteure waren Verteidigungsminister James Mattis und sein britischer Amtskollege Michael Fallon.
Auszüge: 
(...) Als Trump am vergangenen Wochenende endlich sein russisches Pendant traf, fast sieben Monate nach seinem Amtsantritt im Weißen Haus, lief das Treffen mit einem willkommenen Maß an Freundschaft und Respekt ab. So sehr, dass es erste Berichte über einen Neustart in den Beziehungen zwischen den USA und Russland gab. Beziehungen, die durch ständige und herabwertende amerikanische Medienspekulationen in den vergangenen sieben Monaten darüber, dass Moskau sich in die Wahlen im November eingemischt habe, ausgeweidet geworden sind.
Um Trump gegenüber fair zu sein: Er schien sich über diese giftige Russophobie in den US-Medien gestellt zu haben und begrüßte Putin in Hamburg als potentiellen Partner, um an einer Reihe internationaler Herausforderungen zu arbeiten.
Anstatt die Wiederherstellung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Atommächten, hat Trumps wichtiges Treffen mit Putin noch mehr Russophobie und Anschuldigungen in den USA entfesselt.
US-Medien und das Washingtoner Establishment verloren keine Zeit, um sich wegen seiner scheinbaren Annäherungsversuche Putin gegenüber, auf Trump zu stürzen. Trump wurde beschuldigt, von Putin ausgetrickst worden zu sein und sogar amerikanische Interessen verraten zu haben. Der ehemalige Pentagon-Chef Ashton Carter sagte, dass Trumps Diskussionen in Hamburg gleichwertig seien mit einem Gespräch mit „einem Einbrecher, der Ihr Haus beraubt hat“.
Die New York Times, Washington Post, CNN und andere haben verschiedene Geschichten verbreitet, in denen behauptet wird, dass Trump's ältester Sohn Donald Jr. für angeblich mit Kreml-Personen konspiriert hätte, dass russische Hacker angeblich amerikanische Atomkraftwerke ins Visier genommenhätten – und der Kreml hat angeblich im Geheimen Umweltaktivisten gesponsert, um die US-Öl- und Gas-Fracking-Industrien zu untergraben. All das in einer Woche, seit Trump und Putin sich getroffen haben.
Kein Wunder, dass Trump schnell zu seinen früheren (scheinbaren) Beziehungen mit Putin zurückgekehrt ist. Er hat zum Beispiel Berichte abgeleugnet, er sei bereit, mit Russland an der Cyber-Sicherheit zu arbeiten, nachdem ihn Kongressmitglieder und Experten, die einen harten Politischen Kurs verfolgen, unter Beschuss nahmen.
(…)
Dieses größere Bild der unerbittlichen Russophobie, der willkürlichen anti-russischen Propaganda in den US-Medien und dem anhaltenden rücksichtslosen Vormarsch der NATO-Streitkräfte an die Grenzen Russlands ist ein angemessener Blickwinkel, mit dem die Bedeutung des Trump-Putin-Treffens am vergangenen Wochenende beurteilt werden kann.
Ja, in der Tat war es gut zu sehen, dass Trump über genug Eigenwilligkeit und persönlichem Anstand verfügt, um Putin mit Respekt zu begrüßen.
Aber Tatsache bleibt: Während Trump sprach, blockierte das Pentagon. Und nicht nur das Pentagon. Praktisch, das gesamte politische und mediale Establishment der USA. Unglücklicherweise scheint das amerikanische politische System und seine Militärmaschinerie auf nur einem Gang zu operieren: Vorwärts mit Russophobie und Aggression.

Sunday, July 16, 2017

The US Deep State: Sabotaging Putin-Trump Ceasefire Agreement in Syria

The US Deep State: Sabotaging Putin-Trump Ceasefire Agreement in Syria

The meeting between Trump and Putin at the G20 in Hamburg injects new hope into the complicated relationship between the United States and Russia. Only time can confirm whether...
In Syrien wird gerade getestet, ob sich Trump und Putin wirklich näher gekommen sind
Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Friedenspolitik, Medienkritik, Militäreinsätze/Kriege
Ray McGovern
Die Mainstream-Medien der USA bleiben besessen von der angeblichen „Einmischung Russlands“ in die US-Wahlen im Herbst 2016, ob es aber trotzdem zu einer Annäherung zwischen den USA und Russland und zu partieller bilateraler Zusammenarbeit kommt, wird mit der vereinbarten Waffenruhe in Syrien getestet, schreibt der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern[*].
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. http://www.nachdenkseiten.de/?p=39160
Die Aussicht auf eine sofortige Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Russland hängt jetzt von etwas wirklich Greifbarem ab: Wird es den Neokonservativen und den liberalen Interventionisten, die immer noch von einem „Regimewechsel in Syrien“ träumen und schon alle bisher vereinbarten Waffenruhen sabotiert haben, auch diesmal wieder gelingen, eine Annäherung (zwischen Trump und Putin) zu verhindern?
Oder wird Präsident Trump schaffen, was Präsident Obama nicht geschafft hat – das Militär und die Geheimdienste der USA zur Einhaltung der Waffenruhe zu bewegen und zu verhindern, dass sie dem Präsidenten erneut den Gehorsam verweigern? 
Das sind Fragen, die nicht nur entscheidend für das Überleben des syrischen Volkes, sondern auch für die künftige Entwicklung Europas sind, das immer noch von Flüchtlingen überschwemmt und destabilisiert wird, die vor dem schrecklichen Stellvertreterkrieg in Syrien fliehen, der nun schon im sechsten Jahr tobt. 
Diese wichtigen Fragen sind in den Schlagzeilen auf den Titelseiten der Samstagausgaben der Mainstream-Medien der USA allerdings nicht aufgetaucht. Darin ging es immer noch um die inzwischen zur Obsession gewordene nebensächliche Frage, ob der russische Präsident Wladimir Putin die „sündhafte Einmischung“ in die US-Wahl im Jahr 2016 zugegeben und bereut hat. 
Die Titelschlagzeile der Washington Post lautete: „Trump, Putin talk election interfence“ (Trump und Putin haben über die Einmischung in die Wahl gesprochen), und die New York Times titelte: „Trump Asks Putin About Meddling During Election“ (Trump fragt Putin nach der Einmischung in die Wahl). Und die Kommentatoren der TV-Sender CNN und MSNBC glaubten Putin angeifern zu müssen, weil er jede russische Einmischung in die US-Wahl bestritten hat. Sowohl in den großen Zeitungen als auch in den TV-Shows spielte die für Sonntag vereinbarte Waffenruhe im Südwesten Syriens allenfalls die zweite Geige. 
Entscheidend für das künftige Verhältnis zwischen Putin und Trump wird sein, ob der US-Präsident stark genug ist, die zwischen den Beiden vereinbarte Waffenruhe auch durchzusetzen. Putin weiß sehr wohl, dass sich Trump dazu mit den Kräften des „Tiefen Staates“ anlegen muss, die ähnliche Vereinbarungen bisher immer hintertrieben haben. Mit anderen Worten, die Aussichten für diese Waffenruhe sind nicht besonders gut; wenn sie länger eingehalten würde, wäre das fast ein Wunder. 
Außenminister Rex Tillerson wird sowohl im Pentagon als auch bei der CIA mit hartem Widerstand rechnen müssen. Tillerson hofft wahrscheinlich, dass Verteidigungsminister James „Mad Dog“ Mattis und der CIA-Direktor Mike Pompeo ihren in Syrien eingesetzten Soldaten und Agenten befehlen werden, die von den USA unterstützten „gemäßigten Rebellen“ zurückzuhalten. 
Es bleibt aber abzuwarten, ob Mattis und Pompeo die Kräfte überhaupt noch kontrollieren können, die ihre Vorgänger in Syrien entfesselt haben. Die jüngere Geschichte hat uns doch gelehrt, dass jederzeit mit einem weiteren „unbeabsichtigten US-Bombardement“ auf Truppen der syrischen Regierung, einem „Giftgasangriff“ oder einem anderen inszenierten „Kriegsverbrechen“ gerechnet werden muss, das in den soziale Netzwerken und von den Mainstream-Medien sofort wieder dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad angelastet würde. 
Bittere Erfahrungen
Um die im Herbst 2016 kurzzeitig geltende begrenzte Waffenruhe in Syrien auszuhandeln, hatten der damalige US-Außenminister John Kerry und der russische Außenminister Sergei Lawrow 11 Monate gebraucht; obwohl sie von Obama und Putin unterstützt wurde, hielt sie aber nur 5 Tage – vom 12. bis 17. September, weil die US-geführte Koalition „Luftangriffe auf ihr bekannte Stellungen der syrischen Armee“ geflogen hat, durch die 64 bis 84 syrische Soldaten getötet und rund 100 weitere verwundet wurden. 
In öffentlichen Stellungnahmen hatten sich führende Pentagon-Mitarbeiter schon einige Tage vor den Luftangriffen am 17. September sehr skeptisch über einige Teilaspekte der von Kerry und Lawrow ausgehandelten Vereinbarung geäußert. Vor allem lehnten sie den Austausch geheimdienstlicher Erkenntnisse ab, auf den sich Obama und Putin verständigt hatten. 
Bezug nehmend auf den Widerstand des Pentagons und die „versehentliche“ Bombardierung syrischer Truppen hat sich der russische Außenminister Lawrow am 26. September ungewöhnlich barsch im russischen Fernsehen geäußert: „Mein guter Freund John Kerry … ist unter heftige Kritik der US-Militärmaschinerie geraten. Bei seinen Verhandlungen mit mir wurde er zwar vom US-Oberbefehlshaber, dem Präsidenten Barack Obama, unterstützt, … aber die US-Militärs scheinen ihrem Oberbefehlshaber nicht mehr zu gehorchen.“ 
Lawrow kritisierte speziell den Chef des US-Generalstabes, General Joseph Dunford, weil der vor dem Kongress ausgesagt hatte, er sei „gegen den von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem US-Präsidenten Barack Obama vereinbarten Austausch von geheimdienstlichen Erkenntnissen“. Unter Hinweis auf den Widerstand der US-Militärbürokratie stellte Lawrow fest: „Es ist schwierig, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten.“
Auch Putin ging in der Rede, die er am 27. Oktober auf der Waldai-Konferenz gehalten hat, auf das Thema Gehorsamsverweigerung ein: „Meine persönlichen Vereinbarungen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten haben nicht zu Ergebnissen geführt. … Es gibt offensichtlich Leute in Washington, die alles Mögliche tun, um zu verhindern, dass Vereinbarungen praktisch umgesetzt werden.“ 
Auf Syrien bezogen beklagte Putin, „dass auch nach so langen Verhandlungen, enormen Anstrengungen und schwierigen Kompromissen wieder keine gemeinsame Front gegen den Terrorismus zustande gekommen “ sei.
Die Sprecherin des russischen Außenministers Lawrow hat sogar Verständnis für Kerrys vergebliche, an Don Quichotte erinnernde Bemühungen gezeigt und ihm die Bestnote dafür gegeben; aber der damalige US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat die von Kerry und Lawrow fast ein ganzes Jahr lang mit großer Sorgfalt ausgehandelte Waffenruhe mit seinen Bombern blitzschnell wieder zunichte gemacht. Kerry, der Außenminister des „einzigen unersetzlichen Staates der Welt“, drückte sein Bedauern aus – mit Worten, die seine glücklose Selbstüberschätzung widerspiegeln; er habe es „leider nicht geschafft, alle an dem Spiel Beteiligten hinter sich zu bringen“. 
Als die Waffenruhe gescheitert war, hat sich Kerry am 29. September 2016 öffentlich beklagt: „Syrien ist komplizierter als alles, was ich bisher erlebt habe; dort laufen vermutlich sechs unterschiedliche Kriege gleichzeitig ab – Kurden gegen Kurden, Kurden gegen die Türkei, Saudi-Arabien und den Iran, Sunniten gegen Schiiten, alle gegen den ISIS und das syrische Volk gegen Assad und Al-Nusra, den Al-Qaida-Ableger in Syrien. Dieses Gewirr von Kriegen hat Aspekte eines Glaubens- und Bürgerkrieges, eines Stellvertreterkrieges und eines geostrategischen Krieges; deshalb ist es auch so schwierig, alle an einen Tisch zu bringen.“ 
Die Einmischung des Tiefen Staates
Nur einmal – in einem Interview mit Matt Viser vom Boston Globe im Dezember 2016 – hat Kerry zugegeben, dass seine Bemühungen um eine Verständigung mit den Russen vom damaligen Verteidigungsminister Ashton Carter und den Kräften durchkreuzt wurden, die er „nicht hinter sich bringen konnte“. [Das Interview ist hier nachzulesen.] „Leider gab es in unseren eigenen Reihen so große Meinungsverschiedenheiten, dass wir die vereinbarte Waffenruhe nicht durchsetzen konnten,“ gestand Kerry. „Sie hätte funktionieren können, … wir hatten uns ja auf ein Abkommen mit Russland geeinigt.“ 
„Es gab aber Leute in der US-Regierung, die strikt dagegen waren,“ fügte er hinzu. „Ich bedauere das und halte es für einen Fehler. Ich denke, die Lage in Syrien hätte sich vermutlich entspannt, wenn die Waffenruhe eingehalten worden wäre.“ Interviewer Viser hielt Kerry für ziemlich frustriert. Es war sicher hart für ihn, nach fast 34 Jahren im öffentlichen Dienst so zu scheitern. 
Nach dem Gespräch, das am Freitag zwischen Trump und Putin stattgefunden hat, werden sich alle Augen im Kreml sicher auf US-Außenminister Tillerson richten, um herauszufinden, ob er sich besser gegen den heutigen US-Verteidigungsminister James „Mad Dog“ Mattis durchsetzen kann als Kerry gegen Ashton Carter und ob er auch den neu ernannten CIA-Direktor Pompeo auf Trump-Linie bringen kann.
Da der zwischen den USA und Russland vereinbarte neue Waffenstillstand am Sonntag in Kraft getreten ist, wird Putin sehr gespannt sein, ob Trump die Waffenruhe in Syrien auch tatsächlich durchsetzen kann, oder ob er wie sein Vorgänger Obama hinnehmen muss, dass auch die neue Waffenruhe wieder vom Tiefen Staat sabotiert wird.
Wir werden schon bald wissen, wie es ausgeht. Nach den gemachten Erfahrungen wird Putin kaum damit rechnen, dass die vereinbarte Waffenruhe diesmal eingehalten wird. 

[«*] Ray McGovern arbeitet für den publizistischen Zweig der ökumenischen Church of the Saviour (Kirche des Erlösers) in der Innenstadt Washingtons. Wahrend seiner 27-jährigen Tätigkeit als CIA-Analyst war er für die Bewertung der sowjetischen Außenpolitik zuständig. Er hat die täglichen Informationen für den US-Präsidenten vorbereitet und die jeden Morgen stattfindende Einweisung der Sicherheitsberater des Präsidenten Reagan geleitet. Er gehört dem Lenkungsausschuss der Veteran Intelligence Professionals for Sanity / VIPS (den Ehemaligen Geheimdienst-Experten für die Vernunft) an.

Tuesday, July 11, 2017




G20: Protest gegen wen? Personenschutz wovor?

G20: Protest gegen wen? Personenschutz wovor?

Hauptsache hochgerüstet: Hamburg im Ausnahmezustand.


Meine Stadt ist Gastgeber von Spitzenpolitikern dieser Welt geworden und von protestierenden Menschen, die man (so Jan van Aken, die Linke) damit „miteingeladen“ hat, und die zum größten Teil mit friedlichen Absichten aus allen Teilen des Landes kommen. Aber auch mit Schlachtrufen wie „Welcome to hell“ (1). Prinzipiell sollte es mir, die sich jahrelang verzweifelt darum bemüht, Menschen zum Protest gegen Militarismus und globale Ausbeutung von Mensch und Natur zu bewegen, eine große Freude sein, eine derart aktive Bewegung zu erleben, die ihre demokratischen Möglichkeiten zum Protest nutzt. Doch ist mir nicht ganz klar. Wer protestiert hier gegen wen? Und gegen was?
Der Jurist und Buchautor Andreas Wehr weist auf eine dramatische Verwechslung hin, die seit Monaten in den Köpfen der meisten Menschen festzuhängen scheint. G 20 ist kein erweitertes G 7, wo die mächtigsten Industrieländer der Welt unter sich sind, um den Globus unter ihren Machtgelüsten aufzuteilen. G 20 ist im Gegenteil das diplomatische Format, an dem sogenannte Schwellenländer wie Indien, Südafrika, Brasilien und Argentinien beteiligt sind, also zumindest erst einmal offiziell eine Plattform finden, um über die globalen Grenzen von Armut und Reichtum hinweg miteinander zu reden. (2)
Auch müssen sich Friedensaktivisten in Zeiten des neuen kalten Krieges und einem erheblichen „Säbelrasseln“ von US- und NATO-Einheiten vor der russischen Grenze schon mal fragen, was sie denn konkret daran einzuwenden haben, dass Putin und Trump sich in Hamburg persönlich treffen?
Letzte Nacht sah ich eine Talkshow im Stadtsender Hamburg1, die sich Veranstalter von Protestkundgebungen eingeladen hat. Doch im Gespräch ging es so gut wie gar nicht um die Frage, wogegen oder wofür hier eigentlich demonstriert wird. Die Diskussion drehte sich ausschließlich darum, ob man die bevorstehende Gewalt von beiden Seiten richtig einschätze.
Natürlich ist es Unsinn, den Demonstranten schon im Voraus Gewaltbereitschaft zu bescheinigen, und ihnen deshalb die bereits zugesagten Zelt-Plätze zu verweigern, angeblich, damit sie gar nicht erst Kräfte für Gewaltattacken sammeln können. Als wäre das Aggressionspotential eines übernächtigten Protest-Aktivisten entscheidend niedriger als das eines ausgeruhten.
Aber natürlich haben Spitzenpolitiker zunächst einmal auch Anspruch auf erhöhten Personenschutz. 
Das Ausmaß dieses Personenschutzes wurde allerdings schon wieder wenig thematisiert.
Nur zwei Beispiele: Zur selben Zeit, als diese Diskussionen gesendet wurde, wurde eine Straßenparty in St. Pauli mit Wasserwerfern bekämpft, angeblich um eine weitere Eskalation zu verhindern. 
Ein irrsinniger Widerspruch, der sich derzeit in meiner Stadt an allen Ecken und Enden zur Norm erhebt. Am Freitag feiern Abiturienten in der ganzen Stadt ihren Abiturabschied und werden sich, um zu ihrer Schule zu kommen, durch Polizeiketten drängeln und ihre Ausweise zücken müssen, werden sich per se als „Bedrohung“ für Politiker erleben. Schon jetzt ist ziemlich klar, dass viele ihren Abiturabschied, obwohl „unschuldig“ nicht erreichen werden. 
All das findet eine ganze geistige Welt entfernt von jeglicher politischer Auseinandersetzung statt.
Der einzige, der die Diskussion bei Hamburg 1 mit einem überzeugenden Inhalt bereichern konnte, war der Vertreter des BUND, der erklärte, seine Veranstaltung richte sich an alle Vertreter der G 20, denn er wolle sie an ihre gemeinsame Verantwortung zum Schutz unseres Planeten aufrufen. Das erscheint sinnvoll. An die zerstörerische Logik des Wirtschaftswachstums kann man nun wirklich alle Regierungen dieser Welt erinnern.
Doch auch ein Vertreter der SPD, Wolfgang Rose, hat eine Demonstration organisiert, mit dem Motto „Hamburg zeigt Haltung“. Wofür denn? Und wem denn? 
Die Adressaten auf dem G 20 Gipfel könnten ja kaum unterschiedlicher sein. Welche Haltung zeigt Hamburg denn Putin gegenüber? Der russische Präsident ist in Hamburgs Partnerstadt Petersburg geboren. Welche Haltung soll der indische oder chinesische Staatschef von Hamburg sehen? Wie halten es die SPD-ler in Hamburg mit Trump, den sie für frauenfeindliche Sprüche aber offenbar nicht für die Bombardierung Syriens verurteilen. Herr Rose von der SPD konnte es gestern Abend nicht klären, er ging gar nicht darauf ein und wurde vom Moderator auch gar nicht danach gefragt.
Ich habe immer mehr das Gefühl, man ereifert sich hier über demokratische Grundwerte, ohne zu wissen, worüber man überhaupt redet, und lügt sich dabei an der eigentlichen Katastrophe vorbei. Anders als beim Protest gegen G 7 müsste Kritik am Großformat G 20 wesentlich genauer sein, als sie stattfindet. Was an politischer Zielrichtung fehlt, wird aber derzeit an sinnfreier Masse wettgemacht. Die Party-Menschen, die gestern Nacht mit Wasserwerfern attackiert wurden, hatten praktischerweise schon gar keine politische Botschaft mehr. In Hamburg trinkt man jetzt Cocktails und tanzt nach Techno-Musik „gegen G 20“. Das ist politisch inhaltsfrei wird aber von der Polizei massiv bekämpft.
Und das ist doch der eigentliche Skandal. Nicht der Protest gegen die G 20 – Staaten spaltet Hamburg, wie es der Titel der Talkshow so gern suggerieren würde. Nein, die Tatsache, dass das Treffen von Spitzenpolitikern aus aller Welt mit militärischer Gewalt im Zentrum unserer Stadt installiert wird, zudem noch von Steuergeldern bezahlt, die bei anderen Gelegenheiten (etwa der Einrichtung dringend benötigter Kitas) angeblich ständig fehlen, das sorgt für Empörung. 
Ich persönlich habe zunächst erst einmal gar nichts gegen das Treffen von Vertretern aus 20 Ländern. Das einzige, was wirklich meinen Protest erregt, ist die Tatsache, dass man von vornherein so tut, als könne man dieses Treffen nur im Kriegszustand abhalten.
Mir kommt es so vor, als ob der G 20 Gipfel vor allem organisiert wird, um an einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu arbeiten. Eine Gesellschaft, die sich immer weiter aufrüstet, hat mit einem unglaublich hochgerüsteten Apparat das protestierende Volk per se zum Feind erklärt. Und gegen diesen Feind, also das eigene Volk, wird sich nun präventiv in Stellung gebracht. Macht es unter diesen Umständen überhaupt noch Sinn zu protestieren? Lässt man sich da nicht per se in eine Rolle drängen, die man eigentlich gar nicht übernehmen will? Demokratie heißt Mitsprache-Recht und nicht vor schussbereitem Gewehrlauf tapfer die eigene Ansicht vertreten. Polizisten sind in einer Demokratie dazu da, Demonstrationen zu schützen, anstatt sie zu bekämpfen. 
Leute, die mit „Welcome to hell“ zum „Kampf“ aufrufen, folgen einer Einladung zum Tanz, und das ohne jegliche strategische Logik. Jeder echte Kämpfer würde jetzt die Frontlücke an anderen Orten nutzen, die durch die Zusammenballung der Polizei-Kräfte in Hamburg entstanden ist.
Natürlich darf auch das „Zentrum für politische Schönheit“ nicht fehlen, das ganz und gar unschön zum Mord an Spitzenpolitikern aufruft, um die Demokratie zu schützen. Wie gehabt haut das ZPS in vollkommener Verblödung auf die Aggressionsspirale ein, um sie weiter hochzupeitschen. 
Wer in einem solchen Szenario protestiert, muss sich einfach fragen, ob er die Rolle, die ihm zugeschoben wird, wirklich spielen will. 
Dabei will ich nochmal klar stellen: Ja, Protest an die Verantwortlichen von Umweltzerstörung, völkerrechtswidrigen Angriffskriegen und globalem Massenelend zu richten, ist dringend notwendig. Doch: Wird sie derzeit in Hamburg wirklich klar formuliert? Bzw. ist nicht schon von vornherein klar, welche Geschichte erzählt wird und welche nicht? Es wird zu Eskalationen kommen und die werden in den Schlagzeilen stehen. 
Wäre Hamburg dann nicht vor allem eine hervorragende Gelegenheit, um gegen die Militarisierung von Politik zu demonstrieren. Etwa, indem man die Logik von Front und Feind durchbricht? Indem man sich weigert, die Rolle des Feindes anzunehmen. 
Es gibt viele Veranstaltungen, die ich durchaus unterstützenswert finde. 
Besonders gefällt mir das Musikfestival „Get up - Stand up“, organisiert vom Stadtmagazin Oxmox, das sich vor allem vorgenommen hat, der hochgerüsteten Stimmung etwas entgegen zu setzen: „Unter dem Motto Get up – Stand up sollen interessierte Gäste und Anwohner in Hamburgs wohl berühmtesten Viertel (St. Pauli) fernab von Krawall und Randale miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam ihre Stimme erheben und in einem familiär-friedlichen Umfeld zusammen feiern.“
Musiker mit friedenspolitischen Inhalten werden der Frontenbildung auf Hamburgs Straßen entgegen wirken. Das ist meiner Meinung nach das Beste, was man machen kann, wenn Vertreter aus verfeindeten Ländern in Hamburg miteinander reden. Für gute Stimmung sorgen und utopische Gedanken teilen. 
Quellen: