Monday, November 6, 2017

Washington will Niederlage in Syrien nicht akzeptieren

Destabilisierung um jeden Preis: Washington will Niederlage in Syrien nicht akzeptieren

Destabilisierung um jeden Preis: Washington will Niederlage in Syrien nicht akzeptieren
Symbolbild - US-Truppen erwarten Nachschublieferung
Die Schreibtischtäter bei CIA und Pentagon wollen sich in Syrien nicht geschlagen geben. Der Plan zum gewaltsamen Regimewechsel wurde noch nicht aufgegeben. Dafür haben sie neue, perfide Strategien ausgearbeitet, um Syrien zu teilen und die Bedrohung durch Terrorbanden aufrechtzuerhalten.
von Rainer Rupp
Die Kriegstreiber in Washington, die für geostrategische, politische oder finanzielle Vorteile über die Leichen ganzer Völker gehen, haben sich in Syrien - dank des entschlossenen Eingreifens von Russland auf Seiten der rechtmäßigen Assad-Regierung - mit ihrem verbrecherischen Abenteuer gründlich verrechnet. Ihre als unbesiegbar dargestellte und mit modernsten westlichen Waffen ausgerüstete Speerspitze gegen Präsident Assad, nämlich die mit mittelalterlicher Brutalität gegen alle Ungläubigen und sonstigen Gegner kämpfende ISIS-Terrorarmee, ist inzwischen weitgehend aufgerieben und hält sich nur noch in kleinen Häufchen in isolierten territorialen Taschen.
Bildquelle: Hayat Tahrir Sham
Auch die US-Versuche, die von allen Nachbarländern isolierten und von der Türkei sogar bekämpften YPG-Kurden als neue US-Stoßtruppe gegen die Assad-Regierung einzusetzen, ist bereits weitgehend gescheitert und damit auch Washingtons Plan, die öl- und gasfördernde Region im Osten Syriens von der Zentralregierung in Damaskus abzuspalten. Damit wollte Washington zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Assad-Regierung sollte ihrer dringend benötigten Energie-Ressourcen beraubt werden, und die YPG-Kurden sollten dadurch die finanziellen Mittel für die Gründung ihres eigenen Staates bekommen.
Abgesehen davon, dass ein unabhängiger YPG-Kurdenstaat nach allen Seiten von nicht gerade freundlichen Nachbarn umzingelt wäre, gibt es noch viele weitere, gute Gründe, weshalb Washingtons Plan für dauerhafte US-Militärbasen auf dem Boden eines unabhängigen YPG-Kurdenstaates nicht aufgehen wird.
Einer davon ist, dass die Syrisch-Arabische Armee für die territoriale Integrität Syriens kämpfen wird. Zweitens ist die öl- und gasfördernde Region, welche die YPG-Kurden ihrem traditionellen Territorium einverleiben wollen, hauptsächlich von syrischen Arabern bewohnt. Das heißt, dass die YPG-Kurden mit ihrer ganz anderen Kultur in der lokalen arabischen Bevölkerung keine Unterstützung für ihre Pläne finden werden.
Ein weiterer Grund ist, dass die YPG-Kurden allein schon zahlenmäßig nicht in der Lage sind, in dieser arabischen Region für Sicherheit zu sorgen und die öffentliche Verwaltung und Versorgung zu sichern, geschweige denn den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen. Das gilt erst Recht für Raqqa, die total zerstörte Großstadt der Region. Diese konnte erst vor kurzem nur mit massiver US-Luftunterstützung durch YPG-Truppen von SIS-Terroristen gesäubert werden. 
Vermummte amerikanische Soldaten zusammen mit kurdischen Kämpfern der YPG in Darbasiya, nahe der türkischen Grenze, 29. April 2017.
Zudem ist die Glaubwürdigkeit der USA bei allen Kurden auf einen Tiefstand gefallen. Ganz ohne diplomatische Vorarbeit oder Vorwarnung hatte Washington nämlich vor wenigen Wochen die Barzani-Kurden im Nordirak unmittelbar nach deren Unabhängigkeitserklärung von Irak wie einen heißen Apfel fallen gelassen. Das hat sicherlich die Moral der YKG-Truppen für US-Ziele in der Region zu kämpfen und zu sterben nicht gerade angehoben.
Und dann wäre da noch die Syrisch-Arabische Armee. Die ist heute so stark wie noch nie. Sie wurde in den viele Jahre langen Kämpfen gestählt; sie ist mit modernen Waffen ausgerüstet, und sie wird vom russischen Militär unterstützt, nicht nur von der Luftwaffe bei den Kämpfen, sondern auch bei deren Vorbereitung, z. B. durch militärische Berater, durch die Feindaufklärung und auch durch logistische Versorgung. Dem haben die YPG-Kurden als Unterstützer nichts anderes als die unzuverlässigen Amerikaner entgegenzusetzen.
Nicht zuletzt bietet Damaskus den syrischen Kurden einen verbesserten, noch über das frühere Niveau hinausgehenden Autonomiestatus an.
Allein schon die oben aufgezählten Argumente machen deutlich, dass – bei rationaler Abwägung – die Zukunft der syrischen Kurden nur auf der Seite von Assad und Damaskus liegen kann, denn - egal wie groß die Versprechungen der Amis sind - die Alternative für die YPG-Kurden wäre, sich als jederzeit opferbare Figuren des unberechenbaren US-Imperiums auf dem Schachbrett des Mittleren Ostens wiederzufinden.
Links Saudi-Minister Thamer al-Sabhan und in der Mitte Brett McGurk. (Bildquelle: Twitter
Vor dem oben geschilderten Hintergrund dürfte auch die letzte US-Dumpfbacke inzwischen begriffen haben, dass die „unbesiegbare“ und „unverzichtbare“ US-Supermacht mit ihrem kriminellen Syrien-Abenteuer diesmal ihren Karren richtig tief in den Dreck gefahren hat. Dennoch denken viele in Washington in ihrem Allmachtwahn gar nicht daran, sich ihr Scheitern einzugestehen und den Plan zum gewaltsamen Regimewechsel in Syrien aufzugeben. Stattdessen versuchen diese Schreibtischverbrecher nun die Dschiadisten-Einheiten der Terror-Organisation „Al-Kaida in Syrien“ aus dem Abseits in der Provinz Idlib hervorzuholen.
„Al-Kaida in Syrien“ ist hierzulande vor allem unter dem Namen „al-Nusra“ bekannt. Al-Nusra steht ganz oben auf der Terrorliste der Vereinten Nationen. Allerdings wurde al-Nusra nach dem Auftauchen des „Islamischen Staats“ in Irak und Syrien (ISIS) nach vielen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen auf den zweiten Platz hinter ISIS zurückgedrängt. Aber jetzt, nachdem ISIS weitgehend zerschlagen ist, existiert al-Kaida immer noch, vor allem in Idlib, der nordöstlichen Provinz Syriens. In dieser an die Türkei grenzenden Region operieren weiterhin noch Dutzende kleinerer Terrorgruppen in den unterschiedlichsten Provinzen, allerdings meist in Koalition mit al-Kaida, die das Sagen hat. Und diese Situation wollen die Falken in Washington ausnutzen, um das Feuer des Kriegs in Syrien am Brennen zu halten.
Zwar weiß man auch in Washington, dass von Idlib so schnell keine neue militärische Offensive gegen Damaskus oder Aleppo gestartet werden kann, aber als neue Hochburg des dschihadistischen Terrorismus könnte die Provinz als Basis für verheerende Attacken gegen zivile und militärische Ziele im befreiten Syrien dienen. Zugleich könnte mit Hilfe von Terroranschlägen unter „falscher Flagge“ die dringend notwendige politische Stabilisierung in Syrien nach dem Ende des Krieges verhindert werden.
Russische Armee: US-Außenamt räumt erstmals Al-Nusras Nutzung von Chemiewaffen in Idlib ein (Symbolbild)
Neue US-Waffenhilfe würde al-Kaida in Idlib befähigen, auf Jahre hinaus die Provinz in eine schärende Terrorwunde im Fleisch der Assad-Regierung zu machen und womöglich den Grundstein für einen neuen Versuch des Regimewechsels zu legen, so zumindest die derzeitigen Überlegungen in Washington.
Um diese Strategie in die Tat umzusetzen, darf Washington angesichts des Zusammenbruchs von ISIS keine Zeit verlieren und muss möglichst schnell der führenden Terrorgruppe in Idlib unter die Arme greifen, bevor sich die Syrisch-Arabische Armee Assads mit Unterstützung durch Russland, den Iran und der Hisbollah für die Befreiung von Idlib umformiert hat.
Aber da gibt es ein Problem. Al-Nusra/al-Kaida steht immer noch auf der internationalen Terrorliste der UNO und der USA. Bevor man aber offen gegen die eigenen Regeln verstößt, muss die Wahrnehmung von den al-Nusra-Terroristen als Köpfe abschneidende Monster verbessert werden. Der bereits bei RT Deutsch vorgestellte Artikel "Das moderate Gesicht von al-Kaida“, der jüngst in der international renommierten US-Zeitschrift „Foreign Affairs“ erschienen ist, dürfte ein erster, aber wichtiger Schritt in Richtung der Legitimierung einer neuen Welle von US-Waffenhilfe an die in Syrien noch übrig geblieben, islamistischen Gewaltextremisten sein. Der Verfasser der Artikels, Colin P. Clarke, arbeitet als Terrorismusexperte in der RAND-Denkfabrik der US-Airforce. Mit seiner gefährlichen Verharmlosung der al-Kaida/al-Nusra-Terrorbanden weiß er sich jedoch in bester Gesellschaft.
Kein geringerer als General a.D. David Petraeus, ehemaliger Oberkommandeur der US-Streitkräfte im Irak, der in dieser Position für die US-Konzerne das irakische Volk von seinen Naturschätzen befreien wollte und später unter Präsident Obama als Chef der US-Terror- und Folteragentur CIA die „westliche Unwertegemeinschaft“ global abgesichert hat, also dieser General Petraeus hatte schon Ende August 2015 allen Ernstes öffentlich gefordert, mit den US-Waffenlieferungen an die Terroristen in Syrien nicht länger Versteck zu spielen, sondern al- Nusra auf direktem Weg offen mit US-Waffen, Ausbildung und Militäraufklärung im Kampf gegen Assad und damit auch gegen die Russen und Iraner zu unterstützen. Die offene US-Hilfe an al-Nusra rechtfertigte Petraeus mit dem Argument, dass diese Bande von Kopfabschneidern gemäßigter seien als ISIS und sich mit direkter US-Waffenhilfe besser gegen den „Islamischen Staat“ zur Wehr setzen könnten.
Ein C-17-Frachter der amerikanischen Luftwaffe auf dem Stützpunkt Ramstein, Juni, 2015.
Da aber Washington über die arabischen US-Verbündeten am Golf auch ISIS indirekt unterstützt hat, dürfte der wahre Grund für den Petraeus-Vorschlag darin gelegen haben, mit der Stärkung von al-Kaida in Syrien neben ISIS ein zweite, schlagkräftige Front gegen die syrische Regierungsarmee zu schaffen und damit die mit russischer Hilfe gemachten Fortschritte der syrischen Regierungsarmee zurückzurollen. Denn den USA ging es in Syrien nie um die Bekämpfung des Terrorismus. Das ist durch zahllose offizielle Stellungnahmen aus Washington belegt. Selbst US-Präsident Obama bestätigte, dass der Sturz Assads und der seiner Regierung Vorrang vor der Bekämpfung von ISIS habe. Der Kampf gegen die Terroristen wurde für die Öffentlichkeit in den meisten Fällen nur simuliert, mit wenigen Ausnahmen. Nur in den seltenen Fällen, bei denen ISIS direkt US-Interessen angegriffen hatte, wurde der „Islamische Staat“ von US-Streitkräften empfindlich bestraft.
Zwar stehen die Chancen der US-Kriegstreiber in Washington und deren Pläne, Idlib als Hochburg des Terrors zu erhalten besser als bei der Umsetzung ihrer Vorstellungen für die Region der syrischen YPG-Kurden im Osten des Landes. Aber wenn es Russland und dem Iran mit diplomatischer Unterstützung und ökonomischer Zusammenarbeit gelingt, die Türkei davon zu überzeugen, die Grenze zu Idlib auch für al-Kaida/al-Nusra dicht zu machen, und die von Ankara unterstützten turkmenischen Rebellen in die kasachische Hauptstadt Astana an den Verhandlungstisch mit der syrischen Regierung zu bringen, dann kann al-Nusra in Idlib nicht überleben. Dann wären Washingtons Pläne für eine neue Terrorhochburg in Idlib zum Scheitern verurteilt. Dann hätten die USA, zusammen mit ihren Verbündeten in den Golfstaaten, den Krieg um Syrien endgültig verloren.
Trends: # Krieg in Syrien

Friday, November 3, 2017

IS vor dem Aus - Syrischer Politologe: „USA haben Ersatz schon parat

IS vor dem Aus - Syrischer Politologe: „USA haben Ersatz schon parat“

© REUTERS/ Rodi Said
POLITIK
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Nach der Niederlage in Deir ez-Zor sind die Tage des Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) in Syrien gezählt, sagt Muhammed Kheir al-Akkam von der Universität Damaskus. Der Politologe ist überzeugt: Die berüchtigte Terrormiliz ist ein Instrument Amerikas, das sich schon einen anderen Akteur ausgesucht hat, um den Krieg weiter toben zu lassen.
„Die USA wollen den Syrien-Krieg nicht enden lassen, solange sie ihre eigenen Ziele nicht erreicht haben. Und ihr Hauptkriegsinstrument in Syrien namens Daesh erlebt seine letzten Tage“, sagte al-Akkam in einem Gespräch mit Sputnik. 
Nach seiner Einschätzung wenden sich die Amerikaner jetzt verstärkt dem oppositionellen Militärbündnis, den Demokratischen Kräften Syriens (DKS), zu. „Diese sollen jetzt das vollbringen, was dem Daesh nicht gelang. Die USA wollen den Krieg möglichst lange hinauszögern, um ihre Pläne in der Region doch noch umzusetzen“, ist der Experte überzeugt.
„Das, was wir in Rakka beobachten, ist ein Ersatz des Daesh durch die DKS. Beide Organisationen agieren im US-Interesse.“
https://de.sputniknews.com/politik/20171103318155893-experte-usa-booten-is-durch-dks-aus/

balfour-special-british-jews RT "Going Underground"


Balfour Special: British Jews board of deputies president (E539)

 
In this episode, we speak to Jonathan Arkush, president of the Board of Deputies of British Jews and David Cronin, associate editor of the Electronic Intifada, about the legacy of the Balfour Declaration. Plus, we review this week’s headlines!
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Thursday, November 2, 2017


Putins Rache: Petro-Yuan beendet die Ära des Petrodollars

Putins Rache: Petro-Yuan beendet die Ära des Petrodollars
Der Schlüssel zum kommenden Petro-Yuan liegt in Moskau. Und sollte es der chinesischen Währung schließlich tatsächlich gelingen, die Funktion des langjährigen Petrodollars an sich zu reißen, wird Washington selbst daran schuld sein.
von Bryan MacDonald
Die Nachricht, dass China plant, bis Ende dieses Jahres einen auf Yuan lautenden Ölterminkontrakt auf den Markt zu bringen, überrascht viele Analysten. Russland-Experten sind jedoch nicht im Geringsten darüber verwundert. Vielmehr hatte sich dieser Schritt ankündigt, seit Moskau nach der Ukraine-Krise im Jahr 2014 seinen zuvor über ein Vierteljahrhundert andauernden Versuch aufgegeben hat, sich in den Westen zu integrieren. Eine Katastrophe, die, wie der Kreml den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union vorwirft, als Teil dessen entstanden ist, was er als Versuch betrachtet, den russischen Einfluss in dessen "nahem Ausland" zu verringern.
Quelle: Ruptly
Pekings ambitionierter Plan zielt darauf ab, den Handel mit dem "schwarzen Gold" vom bislang auf dem Weltmarkt unangefochtenen Petrodollar auf den nun auf die Tagesordnung gelangten Petro-Yuan zu verlagern. Davon profitiert China, indem es seine Währung international attraktiver macht und für mehr Energiesicherheit sorgt. Die größten Gewinner werden aber wohl in Moskau sein. Denn jede Verschlechterung des Dollar-Status im globalen Maßstab schmälert Washingtons Fähigkeit erheblich, über Sanktionen einen Wirtschaftskrieg gegen Russland zu führen.

Arabische Ölländer als entscheidender Faktor für die Zeitenwende hin zum Yuan

Als größter Erdölproduzent der Welt ist Russland für das Projekt in Peking von entscheidender Bedeutung. Und andersherum ist China als größter Rohölimporteur der Welt und - gemessen an der Kaufkraftparität – das Land mit der größten Wirtschaft das einzige Land, das genug Gewicht hat, um die amerikanische Finanzhegemonie herauszufordern.
Natürlich können Wladimir Putin und Xi Jinping ihre Ziele nicht allein erreichen. Denn wenn der Petro-Yuan Erfolg haben soll, müssen andere führende Ölförderländer ebenfalls mit an Bord kommen. Und während Iran, Indonesien und Venezuela ihr Interesse an dem Projekt bereits bekundet haben, liegt der Schlüssel zum weiteren Durchbruch jetzt darin, auch die arabischen Staaten zum Handel in Yuan zu bewegen. Und das bedeutet im Wesentlichen, dass die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien dafür maßgeblich ist.
Schließlich wurde der Petrodollar 1974 in Dschidda geboren, als der damalige US-Finanzminister William Simon die Saudis davon überzeugte, dass Amerika der sicherste Ort sei, um ihre Öleinnahmen zu parken. Und dieser Cashflow hat es den USA jahrzehntelang erlaubt, über ihre Verhältnisse zu leben. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Beziehungen verschlechtert, da Washington seine eigene Frackingindustrie unterstützt, die die Erdölpreise in den Keller treibt und den Saudis schwere fiskalische Schmerzen bereitet hat. Der Hauptgrund für die sich zeitgleich entwickelnde Entspannung zwischen Riad und Russland ist demgegenüber ein gegenseitiges Bestreben gewesen, einen weiteren Rückgang der Energieerträge zu verhindern. Als Ergebnis dessen besuchte König Salman Anfang dieses Monats Moskau, wo sicherlich auch der Yuan-Plan auf der Tagesordnung stand.

Die Plage der Linken


Nachdruck aus junge Welt : Ausgabe vom 28.10.2017, Seite 10 / Feuilleton

Eine Nachbemerkung zu »40 Jahre Deutscher Herbst«
Von Christian Klar
Christian Klar war Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Dafür saß er von 1982 bis 2008 in Haft

Ein gescheiterter Aufstand hinterlässt eine uneingelöste Verheißung. Was ist damit gemeint? Die Oktoberrevolution, der Spartakusbund, die Republikaner und Internationalen Brigaden in Spanien gegen Franco, Patrice Lumumba, Che Guevara, die RAF, die portugiesische Nelkenrevolution und Thomas Sankara? Tatsächlich von allem etwas, auch wenn dies im Denken der europäischen Linken kaum vorkommt, wo jede Dekade die eigenen Wurzeln verworfen werden, weil die Obrigkeit es so erwartet.
Heute haben nicht mehr viele eine lebendige Erinnerung daran, wie sperrangelweit in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts Türen im geschichtlichen Prozess offenstanden. Vor allem die Entkolonialisierung in Afrika, Asien und in der arabischen Welt, die sozialrevolutionären Kämpfe in Lateinamerika, der siegreiche Befreiungskampf der Vietnamesen gegen die USA und das Ost-West-Patt hatten Möglichkeiten eröffnet. Sie boten jede Menge Inspiration für die Entscheidung, Brücken zu überschreiten, diese hinter sich zu verbrennen und konzeptionell alles auf eine Karte zu setzen. Vor dem Hintergrund der Restauration in der kapitalistischen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dafür stärkere Gründe als für ein Einrichten in der Ausbeuterordnung. Dazu kam die Besonderheit in Westdeutschland, wo Gerechtigkeit nach den Verbrechen des Faschismus ausgeblieben war.
Eine solche Ausweitung des Bereichs des Möglichen ist in der Geschichte selten. Aber dass dieser Moment heute schwer nachvollziehbar ist, hängt auch damit zusammen, dass die Zeitgenossen in den vergangenen zwei Jahrzehnten verinnerlicht haben zu denken, dass politische Ziele an die Zwänge der Kapitalverwertung gekoppelt sind und nicht an einer gesellschaftlichen Entwicklung ausgerichtet werden sollen. Man kann nicht das fortdauernde »There is no alternative« ertragen, ohne dass es abfärbt. Politiker handeln als Angestellte der großen Kapitalgruppen, das Primat der Politik wird nicht einmal mehr postuliert. Das hatte eine Sogkraft. Am Anfang dieser Entsorgung von Demokratie und gesellschaftlichem Denken stand Margaret Thatchers verbrecherische Maxime, wonach es keine Gesellschaft, sondern nur einzelne gebe.
Gleichzeitig tappt die europäische Linke immer wieder in die alte Falle, Europa für den Nabel der Welt zu halten. Demokratie und Sozialismus müssen aussehen wie einst in ihre Köpfe gegossen. Und wenn sich in Europa nichts bewegt, bewegt sich nichts auf der Welt. Dabei begann ziemlich genau mit dem »Fall der Mauer«, der bei der Linken auf dem alten Kontinent zu Verzagtheit und Selbstaufgabe führte, ein spektakuläres Beispiel für die Ungleichzeitigkeiten globaler politischer Prozesse. Im Moment der Auflösung des sozialistischen Lagers erlebte Lateinamerika den »Caracazo« in Venezuela, den Schlüsselaufstand gegen die neoliberale Ordnung in der Region und darüber hinaus. Die Folge war ein schöpferischer Prozess, der anhält und mit dem Optimismus einer viel jüngeren Altersstruktur gesellschaftliche Entwicklung, solidarische Ökonomie und Demokratie buchstabiert.
Die politische Kultur der europäischen Linken ist von der Plage heimgesucht, dass ihre Debatten darauf aus sind, immer wieder das Rad neu zu erfinden. Und in ihnen wird der grundsätzliche Unterschied zwischen Kritik und Distanzierung missachtet. Diese zwei Fragen hängen eng zusammen, und ihre Unaufgelöstheit verhindert, dass geschichtlich so etwas wie die Akkumulation von politischen Erfahrungen und Selbstvertrauen stattfindet, die die organisierten Kräfte für eine Überwindung der Ordnung der Ausbeutung und der räuberischen Kriege wachsen lässt.
Die 70er Jahre brachten einen Vorrang der Praxis hervor, die von einer revolutionären Massenbasis absehen musste, wollte sie nicht ins Abwarten auf »günstigere Zeiten« verfallen. Das Handeln ermöglichte das Lernen. Die Analysen wurden sorgfältig ausgearbeitet, die Konsequenzen daraus begründet und vielfältig dokumentiert. Dieses damalige Merkmal reizt zu einem Blick auf die Gegenwart. Nach dem Jahr 2008, der internationalen Bankenkrise, geriet erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg das grundlegende kapitalistische Prinzip, die Profite aus der Wirtschaftstätigkeit zu privatisieren, die Verluste aber zu vergesellschaften, wieder in ein breiteres gesellschaftliches Bewusstsein. Doch in diesem geschichtlichen Moment, wo sich für eine soziale und politische Veränderung eine neue Massenbasis entwickeln kann, ist eine politische Linke nicht vorhanden, die in Konzepten denkt und Vertrauen in ihre Standfestigkeit und Zielstrebigkeit auf sich zieht.
Inzwischen wird die Rückkehr des braunen Geistes, also der erfolgreichen Massenmobilisierung mit dem Mittel der Niedertracht, wortreich analysiert. Aus den Reihen der Linken wird beklagt, dass die Rechten, unter Verhältnissen, die Rebellion nahelegen, von der Bevölkerung als Rebellen angesehen werden, nicht aber die Linke. Eine der wichtigsten Ursachen, dass die Geschichte der neuen Linken eine lange Reihe von Distanzierungen von vorangegangenen Aufstandsversuchen ausmacht, negative Charakterbildung sozusagen, wird dabei verdrängt.
Die Distanzierungen von der RAF füllen inzwischen Bücher, Filme, Talkshows und massenweise andere Publikationen. Wo sie von Linken stammen, auch wenn sie intellektuell aufwendig ausgestattet wurden, schien nur zu oft die Unterwerfungsgeste durch. Später wurde die Distanzierung von der DDR, nach ihrem Scheitern, erneut zum Begründungsmoment der deutschen Linken, die teilweise im Parlament ist. Sie war, um ihre gesellschaftliche Anerkennung bangend, tatsächlich dazu bereit, sich mit den Herrschenden darüber zu verständigen, die DDR sei ein »Unrechtsstaat« gewesen. Sie verlor damit gegenüber dem hegemonialen Westdeutschland, gegenüber einer BRD des Wiederaufbaus durch ehemalige SS-Mitglieder, einer BRD der Kommunistenverfolgung, des Krisenstabs und des Jugoslawienkriegs ihre besten Argumente für eine sozialistische Politik. Sie verlor ihr Gesicht. Wer radikal und unbestechlich denken kann, müsste angesichts des Zustandes der Welt und der Strategie ihrer »kreativen Zerstörung«, die Verwüstung für die Völker zurücklässt und riesige Vermögen für wenige erschafft, anerkennen: Das aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangene sozialistische Lager ist trotz teilweise beklagenswerter bornierter Verwirklichung mit seinem Gesellschaftsmodell um eine ganze geschichtliche Epoche menschlicher Entwicklung voraus gewesen.
Zum Schluss eine Bemerkung von Sebastian Haffner (1939) zu den manchmal durchaus wohlwollenden Wissenden, dass das ja alles »scheitern musste«: »Es gibt eine Art, recht zu behalten, die blamabel ist und nur dem Gegner zu unverdienter Glorie verhilft. «