Sunday, July 30, 2017

Nach einer Pentagon-Studie droht dem US-Imperium der "Kollaps"


Nach einer Pentagon-Studie droht dem US-Imperium der "Kollaps"

Zur Sicherung des weltweiten "Zugangs zu Ressourcen" müsse der militärisch-industrielle Komplex massiv ausgeweitet werden.

Im ersten Artikel dieser Serie berichten wir über erstaunliche Beweise für den bevorstehenden Zusammenbruch der US-Vorherrschaft und den drohenden Zerfall der nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA errichteten Weltordnung, die das US-Verteidigungsministerium in einer Studie zusammentragen ließ.
Die Vorstellungen des Pentagon, wie diese Entwicklung verhindert werden könnte, sind wenig vertrauenerweckend. Wir untersuchen zunächst sowohl die Ergebnisse als auch die Fehleinschätzungen der Pentagon-Studie. In weiteren Artikeln werden wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen: Was sind die eigentlichen Gründe für den Untergang des US-Imperiums? Wie könnten nach dieser exakten Diagnose die zu erwartenden Probleme tatsächlich gelöst werden?
Eine außergewöhnliche, neue Pentagon-Studie mit dem Titel "At Our Own Peril: DOD-Risk Assessment in a Post Primacy World" ("Die uns drohende Gefahr: Risikoeinschätzung des Verteidigungsministeriums für eine Welt ohne US-Vorrangstellung") ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete, von den USA dominierte Weltordnung "zerfallen" und sogar "zusammenbrechen" könnte, wodurch die USA ihre globale "Vorrangstellung" verlieren würden. 
Die zur Erhaltung der "US-Vorrangstellung" vorgeschlagene Lösung bringt nichts Neues: Empfohlen werden noch mehr Überwachung, noch mehr Propaganda durch die "strategische Manipulation von Wahrnehmungen" und eine nochmals ausgeweitete militärische Expansionspolitik. 
In dem Dokument wird festgestellt, dass die Welt in eine völlig neue Phase der Transformation eingetreten ist, in der die Macht der USA schwindet, die Weltordnung zerfällt und die Autorität der Regierungen überall zerbröckelt. 
Die USA hätten ihre bisherige "Vorrangstellung" verloren und müssten sich jetzt in einer unsicher gewordenen Welt, die durch den "Widerstand gegen jede Art von Autorität" geprägt sei, neu behaupten. 
Gefahr gehe nicht nur von rivalisierenden Großmächten wie Russland und China aus, die beide eine wachsende Bedrohung für die Durchsetzung von US-Interessen darstellten, sondern auch von Aufständen in der Art des "Arabischen Frühlings". Diese könnten in absehbarer Zukunft nicht nur im Mittleren Osten, sondern überall auf der Welt ausbrechen und das Vertrauen in amtierende Regierungen untergraben. 
Die Studie beruht auf einem jahrelangen intensiven Forschungsprozess, in den wichtige Pentagon-Abteilungen und die U.S. Army einbezogen waren; die US-Regierung wird darin aufgefordert, ihre Überwachungsprogramme auszuweiten, ihre Propaganda durch eine "strategische Manipulation der öffentlichen Meinung" zu intensivieren und mehr Geld in die US-Streitkräfte zu investieren, um ihre Flexibilität zu erhöhen. 
Sie wurde im Juni vom Institut für Strategische Studien des U.S. Army War College veröffentlicht und nimmt eine Einschätzung künftiger Risiken vor, die auf allen Planungsebenen des Pentagon zu berücksichtigen sind. Die Studie wurde unterstützt und finanziert von der Abteilung Strategische Planungen und Politik / J 5 der U.S. Army, von der Abteilung J 5 des US-Generalstabes, vom Büro des Pentagon-Staatsekretärs für Strategie und Entwicklung der Streitkräfte und vom Management-Büro des Army Study Program'. 

Drohender Kollaps

"Die USA bleiben zwar ein global agierender, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Riese, ihre Position ist für Mitbewerber aber nicht mehr unangreifbar", wird in der Studie beklagt: 
"Kurz gesagt, der bisher bestehende Zustand, den US-Strategen nach dem Zweiten Weltkrieg herbeigeführt und seither erhalten haben und der jahrzehntelang "tonangebend" für das Pentagon war, droht nicht nur zu 'zerfallen', es könnte auch zum 'Kollaps' kommen." 
Die Studie beschreibt im Wesentlichen den imperialen Charakter der bisherigen Weltordnung, die durch die Überlegenheit der von ihren Verbündeten unterstützten USA geprägt ist, die anderen Staaten die zur Durchsetzung der US-Interessen notwendigen Bedingungen "diktieren" können: 
"Diese Ordnung und ihre konstituierenden Teile haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet; sie wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ein unipolares System umgewandelt und werden seither von den USA und ihren asiatischen und westlichen Verbündeten dominiert. Bisher konnten die USA mit Unterstützung ihrer Verbündeten die Bedingungen zur Erhaltung der internationalen Sicherheit diktieren und die Entstehung rivalisierender Machtzentren verhindern." 
Aber das Zeitalter, in dem die USA mit Hilfe ihrer Verbündeten durchsetzen konnten, was immer sie wollten, ist nun vorbei. Die US-Regierung möchte natürlich ihre globale Führungsposition erhalten. Nach Erkenntnissen der Studie ist "die seit sieben Jahrzehnten nach US-Regeln funktionierende Weltordnung aber ins Wanken geraten". 
Die Studie zeigt sehr detailliert auf, wie das Pentagon deren Zerfall verschlafen hat und von globalen Veränderungen überrascht wurde. Sie warnt davor, "dass globale Entwicklungen derzeit vom Pentagon nicht rechtzeitig wahrgenommen werden, und dass die unangreifbare Position der Überlegenheit, welche die USA bis 20 Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion halten konnten", deshalb gefährdet ist. 
Die USA seien schon so geschwächt, dass sie kaum noch in der Lage seien, bei lokalen Konflikten automatisch mit militärischer Überlegenheit zu reagieren. 
Nach Feststellungen des U.S. Army War College hat aber nicht nur die Macht der USA stark abgenommen: 
"Alle Staaten und traditionellen politischen Machtstrukturen stehen unter zunehmendem Druck endogener (innerstaatlicher), und exogener (von außen einwirkender) Kräfte. … Der Zerfall der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Weltordnung wird (in vielen Ländern) vom Zerfall der politischen, sozialen und wirtschaftlichen innerstaatlichen Ordnung begleitet."
Die Verfasser sehen ihre Studie nicht als Dokument der Entmutigung, sondern als "Weckruf" an. Wenn nicht umgehend gegengesteuert werde, bestehe die Gefahr, dass die gegenwärtige Strategie des Pentagon und die bereits geplanten Veränderungen von aktuellen Entwicklungen überholt und entwertet werden könnten. 

Die Verteidigung des "Status quo"

An der Spitze der Liste der Kräfte, welche die Vereinigten Staaten aus ihrer "globalen Vorrangstellung" verdrängt haben, stehen nach der Studie nicht nur konkurrierende Großmächte wie Russland und China, sondern auch kleinere Mitspieler wie der Iran und Nordkorea. 
Diese kleineren Mitspieler werden nicht wegen ihrer militärischen Stärke als Bedrohung für die Sicherheit der USA angesehen, sondern weil sie sich in Verfolgung eigener legitimer Interessen den dominanten USA widersetzen. 
Russland und China werden als "revisionistische Mächte" beschrieben, die von der US-dominierten Weltordnung profitiert haben, es nun aber wagen, eine Neuaufteilung der Macht zu fordern und als legitime Rivalen die Vorherrschaft der USA infrage stellen. Nach Meinung der Analysten legen es Russland und China bewusst darauf an, den USA die Grenzen ihrer Macht, ihres Einflusses und ihres Durchsetzungsvermögens aufzuzeigen. 
Voraussetzung für diese Einschätzung ist, dass der "Status quo", das heißt die gegenwärtige Weltordnung, erhalten werden muss, weil sie "vorteilhaft" für die Wahrung der Interessen der USA und ihrer Verbündeten ist. Jeder Versuch, die Weltordnung so zu ändern, dass auch andere Staaten "Vorteile" daraus ziehen könnten, wird automatisch als Bedrohung für die Vormachtstellung der USA und die Durchsetzung von US-Interessen angesehen. 
Wenn sich Russland und China darum bemühen, "ihre Position beim gegenwärtigen Status quo auch nur minimal auszubauen, um ihre Ziele besser verfolgen zu können", ist das eigentlich verständlich. Für die Autoren der Studie "geht aber jeder noch so kleine Vorteil für andere Staaten zu Lasten der USA und ihrer asiatischen und westlichen Verbündeten".
Es fällt auf, dass in der Studie kaum Konkretes über die angeblich von Russland und China ausgehende Bedrohung für die Sicherheit der USA ausgesagt wird. 
Beiden Staaten wird der Hauptvorwurf gemacht, dass sie "den gegenwärtigen Status quo durch den Einsatz von "Grauzonen-Techniken" verändern wollen, "die nahe an die Provokation von Konflikten heranreichen". 
Diese "versteckte staatliche Aggression" (gegnerischer Mächte), die ohne jegliche Gewaltanwendung stattfindet, wird in der Studie verurteilt; dann geben deren Autoren aber sofort ihren hohen moralischen Anspruch auf, weil sie der US-Regierung empfehlen, selbst Grauzonen-Techniken anzuwenden, um ihren Einfluss zu sichern. 
Die Studie enthüllt auch die wahren Gründe dafür, dass die US-Regierung "revolutionäre Mächte" wie den Iran und Nordkorea als Feinde betrachtet: Diesie stellen wesentliche Hindernisse für die Ausweitung des imperialen Einflusses der USA in bestimmten Weltregionen dar, denn sie 
"… unterwerfen sich weder der gegenwärtigen Weltordnung, noch erkennen sie diese Ordnung an. … Sie maßen sich sogar an, den Einfluss der USA in ihren eigenen Einflussbereichen einzudämmen, und wollen ihn dort durch eigene Regeln ersetzen."
Die Autoren der Studie werfen dem Iran und Nordkorea – im Gegensatz zur US-Regierung – weder das Streben nach noch den Besitz von Atomwaffen und die davon ausgehende atomare Bedrohung vor. Sie betrachten beide Staaten nur als "Hindernisse bei der Durchsetzung der von den USA dominierten Weltordnung". 

Der Propaganda-Krieg dürfe nicht verloren werden

In der Pentagon-Studie wird betont, dass es neben der Herausforderung durch konkurrierende Mächte auch noch die Bedrohung durch nichtstaatliche Kräfte gibt, welche die von den USA dominierte Weltordnung auf andere Weise und zwar vor allem durch Gegeninformation untergraben. 
Die "weltweite Vernetzung und der Einsatz von Nachrichten als Waffe zur Desinformation und Stimmungsmache" ermöglicht nach Meinung der Autoren der Studie die unkontrollierte Verbreitung von Informationen. Das führe dazu, dass "die vom Pentagon gewünschte Geheimhaltung und operative Sicherheit nicht mehr gewährleistet" sei: 
"Der weitgehend unkontrollierte Zugang zu neuer Technologie, die selbstverständlich auch genutzt wird, macht es unmöglich, heikle, geheime oder verdeckte Absichten, Aktionen oder Operationen unentdeckt zu verfolgen und durchzuführen. … Die Militärführung muss sich darauf einstellen, dass alle mit der Verteidigung zusammenhängenden Aktivitäten – von kleineren taktischen Maßnahmen bis zu größeren Truppenbewegungen – künftig sofort bekannt werden."
Diese nicht mehr einzudämmende Informationsflut bewirke einen "umfassenden Zerfall traditioneller Autoritätsstrukturen, … und die weltweite Vernetzung fördere und beschleunige den offensichtlichen Niedergang der nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Weltordnung." 

Zivile Unruhen

Die Studie hebt auch die Bedeutung von Gruppierungen wie dem ISIS und der Al-Qaida hervor; ihr Eingreifen habe zum Beispiel im Arabischen Frühling "führerlose Instabilität und eine umfassende Erosion oder sogar Auflösung traditioneller Autoritätsstrukturen bewirkt". 
Das Dokument deutet an, dass solche populistischen zivilen Unruhen auch in westlichen Staaten und sogar in den USA selbst ausbrechen könnten. 
"Bisher haben sich die US-Strategen nur auf diese, im Mittleren Osten zu beobachtende Entwicklung konzentriert. Ähnlich destruktive Kräfte versuchen aber weltweit, die Autorität von Regierungen zu zersetzen. … Deshalb wäre es töricht, nicht zu erkennen, dass sie sich ständig verändern, Metastasen bilden und in ganz unterschiedlichen Formen auftreten."
Die USA selbst werden als besonders anfällig für Angriffe auf "traditionelle Autoritätsstrukturen" angesehen: 
"Die Sicherheit der USA und ihrer Bevölkerung wird zunehmend von vernetzten Einzelpersonen und kleinen Gruppen motivierter Akteure bedroht, die unter Ausnutzung vorhandener Ängste und der bereits bestehenden größeren Beeinflussbarkeit Verwirrung stiften und Verunsicherung säen und das Zusammenleben erschweren. Diese sehr desorientierende Form von physischem und über das Internet verbreitetem psychologischem Widerstand gegen die Autorität des Staates kann schnell und unerwartet tiefgreifende negative Auswirkungen haben."
In der Studie wird allerdings nicht untersucht, wie die Politik der US-Regierung zur Entstehung der weit verbreiteten Verunsicherung in der US-Bevölkerung beigetragen hat. 

Beunruhigende Fakten

Nach der Studie gehören verschiedene Kategorien von "Fakten" zu den gefährlichsten Auslösern von Unruhen und Destabilisierungstendenzen; neben offensichtlichen "Gerüchten, die nicht auf Fakten beruhen" und nur die "objektive Wahrheit" verdrängen sollen, könnten auch "zutreffende Fakten" den globalen Ruf der USA schädigen. 
Informationen über "ungünstige Fakten" – zum Beispiel Enthüllungen über korrupte oder unfähige Politiker und undemokratische Verhaltensweisen – "könnten die Autorität der Regierung schwächen und das Verhältnis zwischen der Regierung und den Regierten belasten". 
Informationen über "gefährliche Fakten" – die Enthüllung von Staatsgeheimnissen durch Whistleblower wie Edward Snowden oder Bradley Manning – „könnten sehr nachteilige taktische, operative oder strategische Folgen haben". 
Informationen über "vergiftete Fakten" – die aus dem Zusammenhang gerissen wurden – „könnten wichtige politische Gespräche vergiften". 
Informationen über solche Fakten gehören nach der Studie zu den gefährlichsten Auslösern ziviler Unruhen, weil 
"sie grundlegende nationale Sicherheitsinteressen auf internationaler, nationaler, regionaler oder persönlicher Ebene gefährden. Besonders 'vergiftete Fakten' können wie Viren oder Bakterien den Zusammenhalt der eigenen Bevölkerung oder die Beziehungen zwischen Völkern stören".
Kurz gesagt, die Autoren der Studie des U.S. Army War College glauben, dass vor allem die "Verbreitung von Fakten" die Existenz des US-Imperiums gefährdet und seinen Niedergang beschleunigt und nicht sein reales Verhalten, dass durch diese Fakten belegt wird. 

Massenüberwachung und psychologische Kriegsführung

Die Pentagon-Studie empfiehlt deshalb zwei Maßnahmen zu Abwehr der von Informationen ausgehenden Bedrohung. 
Zunächst soll die US-Regierung ihre geheimdienstlichen Fähigkeiten zur massenhaften Überwachung, die als "die am weitesten reichenden und am besten entwickelten der Welt anzusehen sind, effektiver nutzen". Weil sich die USA "besser und schneller als ihre Konkurrenten Erkenntnisse aus Überwachungsmaßnahmen verschaffen können, sollten sie das auch tun". Zusätzlich gestützt auf ihre "weit vorgeschobene Militärpräsenz und ihre militärische Überlegenheit“, befänden sich die USA in "einer beneidenswerten Position der Stärke". 
Ein Problem wird vor allem darin gesehen, dass die USA keinen vollen Gebrauch von ihrer verfügbaren Stärke machen: 
"Diese Stärke ist jedoch nur dann etwas wert, wenn die USA auch dazu bereit sind, sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. Wenn die US-Streitkräfte zeigen, dass sie bereit sind, zu führen, werden ihnen andere folgen."
In der Studie wird kritisiert, dass sich die USA zu sehr darauf konzentrierten, ausländische Bemühungen zur Lahmlegung der US-Geheimdienste abzuwehren, anstatt ihrerseits "ihren geheimdienstlichen Apparat zur strategischen Manipulation von Wahrnehmungen und zur Beeinflussung sicherheitsrelevanter Entscheidungen zu nutzen". 
Das Pentagon müsse einfach hinnehmen, 
"dass es auch Versuche gibt, einzelne US-Bürger und die öffentliche Meinung in den USA von außen zu beeinflussen."

Militärische Überlegenheit

Nach Ansicht der Autoren der Studie kann der Verlust der Vorrangstellung der USA nur durch eine weitere Verstärkung der US-Streitkräfte rückgängig gemacht werden. 
Dass die beiden großen Parteien überlegene US-Streitkräfte wollen, genügt den Autoren nicht. Die Studie fordert den Aufbau einer US-Militärmacht, die "maximale Handlungsfreiheit" ermöglicht und "jedem Gegner die Bedingungen zur Beendigung eines Konfliktes diktieren kann". 
Klarer als nachfolgend kann man die von der U.S. Army verfolgten imperialen Absichten kaum formulieren: 
"Unabhängig davon, dass es den Führungen der beiden großen politischen Parteien der USA genügt, wenn die US-Streitkräfte den Streitkräften potenzieller Gegner überlegen sind, brauchen wir nach dem Verlust unserer Vorrangstellung flexiblere Streitkräfte, die für alle denkbaren militärischen Aufgaben gerüstet sind. Sie müssen der politischen Führung der USA uneingeschränkte Handlungsfreiheit garantieren können. … Die US-Entscheidungsträger müssen in der Lage sein, die Bedingungen zur Lösung internationaler Konflikte zu diktieren und sie mit militärischen Mitteln durchzusetzen, falls sie vom Gegner nicht akzeptiert werden."
Militärische Macht wird damit zum wichtigsten Werkzeug der US-Regierung, wenn sanfter Druck oder offene Drohungen nicht ausreichen, um US-Interessen gegen andere Staaten durchzusetzen. 
Es geht also überhaupt nicht um "Verteidigung", sondern nur um den Einsatz weit überlegener Militärmacht zur gewaltsamen Durchsetzung von US-Interessen – was bei Widerstand nur durch einen "Angriff" möglich ist. 

Das Imperium des Kapitals

Dementsprechend ist ein Hauptziel der militärischen US-Expansion "die Sicherung des uneingeschränkten Zugangs der USA und ihrer internationalen Partner zum Luftraum, zu allen Meeren, zum Weltraum, zum Internet und zu allen elektronischen Kommunikationsmitteln, weil nur dadurch die Sicherheit und der Wohlstand der USA garantiert werden können". 
Das bedeutet auch, dass die USA die Möglichkeit behalten müssen, auf jede Region der Welt zugreifen zu können, wann immer sie es wollen: 
"Wenn den USA der Zutritt zu Schlüsselregionen der Welt verwehrt oder ihr Agieren darin eingeschränkt wird, untergräbt das sowohl die Sicherheit der USA als auch die ihrer Verbündeten."
Die USA müssten deshalb bestrebt sein, jeder "vorsätzlichen, böswilligen oder unbeabsichtigten Unterbrechung des Zugangs zur offenen See, zu wichtigen Regionen oder Märkten sofort entgegenzutreten". 
Ohne den "Kapitalismus" jemals direkt zu erwähnen, lässt die Studie keinen Zweifel daran, wie das Pentagon das neue Zeitalter des "endlosen Konflikts 2.0" sieht: 
"Einige bekämpfen die Globalisierung, und die Globalisierungsbefürworter setzen sich aktiv zur Wehr. Diesen Kämpfen fallen die Sicherheit und bisher stabile Regierungen zum Opfer, auf die Staaten angewiesen sind, wenn sie überleben wollen."
Es wird also ein Krieg zur Durchsetzung der kapitalistischen Globalisierung geführt – zwischen den USA, die sie wollen, und allen anderen, die sie ablehnen. 
Damit dieser Krieg gewonnen werden kann, empfiehlt die Studie eine Kombination von Strategien: Die US-Geheimdienste sollen verstärkt und effektiver eingesetzt werden, die Überwachung soll ausgeweitet und die Propaganda wirksamer gemacht werden, damit die öffentliche Meinung noch stärker manipuliert werden kann. Das globale Netz von US-Militärbasen soll ausgebaut werden, um den Zugang zu "strategisch wichtigen Regionen, Märkten und Ressourcen zu sichern". 
Das übergeordnete Ziel lautet – etwas bescheidener formuliert: Der weitere Zerfall der von den USA dominierten Weltordnung muss aufgehalten werden: 
"Weil der die USA begünstigende Status quo unter großen inneren und äußeren Druck geraten ist, muss er mit Hilfe der gestärkten Macht der USA wenigstens in den wichtigsten Regionen gestützt und wieder stabilisiert werden."
Die Autoren der Studie hoffen, dass es die USA schaffen werden, "in einer umgebauten Weltordnung ihre internationale Vorrangstellung wieder erringen zu können". 

Narzissmus

Wie in allen bisherigen Veröffentlichungen des U.S. Army War College wird auch in der neuen Studie betont, dass sie weder die offizielle Position der U.S. Army noch die des Pentagon wiedergibt. Diese Einschränkung bedeutet aber nur, dass ihre Ergebnisse noch nicht offiziell von der US-Regierung anerkannt sind. Gleichzeitig wird aber darauf hingewiesen, dass in der Studie die Kenntnisse und Erfahrungen zahlreicher Behörden der US-Regierung zusammengeflossen sind. 
Deshalb ist die Studie ein äußerst aufschlussreiches Dokument über den (Un-)Geist, der im Pentagon herrscht. Sie gibt auch Aufschluss darüber, wie peinlich gering die dort verfügbaren intellektuellen Kapazitäten sind. 
Sie belegt nicht nur, dass die Überlegungen des Pentagon alles noch schlimmer machen würden, sie schreit geradezu nach Vorschlägen für alternative Lösungen. 
Die Arbeit an der Studie hat im Juni 2016 begonnen und wurde im April 2017 abgeschlossen. Daran waren Vertreter verschiedener Abteilungen des Pentagon beteiligt. Sie kamen vom US-Generalstab, aus dem Büro des Verteidigungsministers, vom US-CENTCOM, vom US-PACOM, vom US-NORTHCOM, vom US-SOCOM (und sicher auch aus dem US-EUCOM), von den US-Streitkräften in Japan / USFJ, vom Geheimdienst des Pentagon / DIA, vom Rat aller US-Geheimdienste, vom US-STRATCOM und von der U.S. Army und der U.S. Navy im Pazifik. 
Zu dem Team, das die Studie erstellt hat, gehörten auch Vertreter einiger neokonservativer US-Thinktanks, u. a. vom American Enterprise Institute, vom Center for Strategic and International Studies / CSIS, von der RAND Corporation und vom Institute for the Study of War. 
Deshalb kann es auch nicht verwundern, dass die zusammengetragenen "Erkenntnisse" so dürftig sind. 
Warum sollte man auch Besseres von einem Forschungsprozess erwarten, der so narzisstisch wie ein Selbstgespräch ist? Klingen die angebotenen Lösungen nicht wie ein Echo der bisherigen Politik, die zum Verfall der Macht der USA geführt hat? 
Man hat es geschafft, die wichtigsten Gründe für den Verlust der US-Vorrangstellung systematisch zu ignorieren: die biophysikalischen Prozesse des Klimawandels und die Energie- und Nahrungsmittelknappheit, die den Arabischen Frühling mitverursacht haben, das Zusammenspiel zwischen militärischer Gewalt, dem Interesse an fossilen Brennstoffen und geopolitischen Allianzen beim Aufstieg des ISIS sowie die Gründe für den Vertrauensverlust der Regierungen in der Finanzkrise 2008 und im von der neokonservativen Wirtschaftspolitik verursachten, immer noch andauernden wirtschaftlichen Niedergang. 
Ein (der Studie beigefügter) großer Datenblock belegt, dass der andauernde US-Machtverlust nicht von außen angestoßen wurde, sondern im Umgang der USA mit ihrer eigenen Macht begründet liegt. Der Zusammenbruch der von den USA dominierten Weltordnung ist aus dieser Perspektive eine direkte Folge schwerwiegender Mängel in der Struktur dieser Ordnung und der fragwürdigen Wertvorstellungen und Visionen, mit denen sie begründet wurde. 
In diesem Kontext gelten die in der Studie gezogenen Schlussfolgerungen auch weniger für den tatsächlichen Zustand der Welt als vielmehr für die Vorstellung, die das Pentagon von der Welt hat. 
Bezeichnend ist auch, dass sich die Studie völlig über die Rolle ausschweigt, die das Pentagon in den letzten Jahrzehnten bei der Erzeugung der Instabilität gespielt hat, die es jetzt wieder beseitigen möchte. 
Das Pentagon tut so, als habe es nichts mit dem von Hobbes (dem englischen Philosophen und Staatstheoretiker entlehnten Herrschaftsanspruch zu tun, den es auf unsere heutige Welt projizieren will. Es versucht jede Verantwortung für die negativen Folgen, die sein Handeln für die Welt hat, von sich abzuwälzen. 
In diesem Sinn ist die Studie auch ein wichtiger Beleg für den Misserfolg, der sich meistens einstellt, wenn man versucht, eigene Fehlleistungen objektiv einzuschätzen. Nötig wäre stattdessen eine unabhängige wissenschaftliche Auswertung der Aktivitäten und Operationen des Pentagon und eine sorgfältige Analyse ihrer Folgen. 
Mit dieser Methode würden ganz sicher andere Erkenntnisse als mit der Studie gewonnen; das Pentagon wäre dann auch gezwungen, in den Spiegel zu schauen. Das könnte den Pentagon-Planern die Chance eröffnen, neue Strategien zu entwickeln, statt erneut auf die erfolglosen alten zu setzen. 
Es wäre keine Überraschung, wenn das Pentagon dann sogar seine These vom Machtverlust der USA revidieren müsste. 
Nach Meinung des Analysten Dr. Sean Starrs vom Zentrum für Internationale Studien des Massachusetts Institute of Technology / MIT kann die Stärke der USA nicht nur nach nationalen Kriterien beurteilt, es müssen dazu auch internationale Vergleiche gezogen werden.
Starrs zeigt auf, dass die international agierenden Konzerne der USA immer noch mächtiger als die ihrer stärksten Konkurrenten sind. Seine Untersuchungen belegen, dass die Wirtschaftskraft der USA so groß wie nie zuvor ist und sogar die des Wirtschaftsriesen China übertrifft. 
Das muss nicht der Behauptung des Pentagon widersprechen, dass die imperiale Macht der USA in einem Niedergang begriffen ist, der sich noch beschleunigen könnte. 
Es bedeutet aber, dass die Vorstellung des Pentagon von der globalen US-Vorrangstellung mit der Fähigkeit zur globalen Verbreitung des US-Kapitalismus gleichgesetzt wird. 
Da sich geopolitische Rivalen gegen die aggressive US-Wirtschaftspolitik zur Wehr setzen und neue Bewegungen den "ungehinderten Zugriff" der USA auf globale Ressourcen und Märkte zu verhindern versuchen, sieht das Pentagon alles, was die Ausbreitung des US-Kapitalismus behindert, als Bedrohung an. 
Trotzdem wird nichts, was in der Studie vorgebracht wird, den Niedergang der Macht der USA tatsächlich verlangsamen können. 
Denn in der Studie des Pentagon wird nur eine verstärkte Fortsetzung der bisherigen imperialen US-Politik empfohlen, die nach Meinung des Zukunftsforschers Professor Johan Galtung, der schon den Zerfall der Sowjetunion vorhergesagt hatte, zum "Kollaps des US-Imperiums" kurz vor oder nach dem Jahr 2020 führen wird. 
Je mehr wir uns dem Ende der US-Vorherrschaft nähern, desto dringlicher wird für uns alle, für zivile Gesellschaften, Regierungen und für die Industrie, die Beantwortung der Frage: Was kommt dann, wenn das mit dem Tod ringende US-Imperium untergegangen ist? 

Bild

Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Pentagon study declares American empire is ‘collapsing’“ auf der Webseite von INSURGE intelligence. Er wurde von Wolfgang Jung übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Lektoratsteam lektoriert.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.
Creative Commons Lizenzvertrag

Saturday, July 29, 2017

Max Keiser
Max Keiser, the host of RT's ‘Keiser Report,’ is a former stockbroker, the inventor of virtual specialist technology and co-founder of the Hollywood Stock Exchange.
‘New anti-Russia sanctions is economic suicide for America’ – Max Keiser
Additional sanctions on Russia may make the American economy suffer greatly, says Max Keiser, host of RT's 'Keiser Report.' Germany is not going to go along with the sanctions; they are just pushing Germany into the arms of Russia, he adds.
The EU has voiced alarm over the latest anti-Russia sanctions bill, passed by the US House of Representatives on Tuesday. The President of the European Commission Jean-Claude Juncker warned the new measures could harm energy security on the continent.
The trade restrictions against Russia were included in a bill, which also counters so-called aggression from Iran and North Korea.
If President Donald Trump approves the US sanctions, they will punish companies with ties to Russia's energy sector.
For example, they would disrupt the major Nord Stream-2 pipeline project. The list of companies that could be hit by the sanctions includes some of the biggest players in the energy sector. Among them, Anglo-Dutch Shell, France's ENGIE, the UK's BP, and Germany's Wintershall.
Max Keiser, compared this US sanctions policy to Brexit.
“These types of sanctions in position is economic suicide for America. They are pushing Germany into the arms of Russia. Germany is the center piece of NATO, and NATO will disintegrate... ,” he said.
“This is stupid. It’s is the policy of morons. Why? Because the deep state in America wants to keep feathering their nests by warring all over the world, killing innocent civilians. Donald Trump hopefully will stand up to this, veto this ridiculous initiative and we can talk about something a little bit more constructive. This is the last gasp of the neocons in America. Hopefully they will be squashed; otherwise, I really feel that the American economy will suffer greatly.”
In Keiser’s view, America cannot impose sanctions on other countries outside the framework of the UN.
“The post-WWII order of the US dollar hegemony run out Washington DC, the so-called Washington consensus – is disintegrating, it is falling apart. The US doesn’t seem to want to take on reality – they want to live in the past, and they want to believe they are the policeman of the world, and they are going to impose sanctions,” he said.
“Germany is not going to go along with American sanctions quite obviously. They are just pushing Germany into the arms of Russia. Then you’ve got an enormous axis of power to Germany, Russia, and China, and they are going to get out of the US dollar. So then gasoline in America suddenly goes to $10, 11, 12 a gallon. How is that going to help the American economy if the US dollar loses its position as a reserve currency?”
The statements, views and opinions expressed in this column are solely those of the author and do not necessarily represent those of RT.

Thursday, July 27, 2017

Brief eines türkischstämmigen Menschen in Deutschland an Außenminister Gabriel von Von Yavuz Özoguz


Ich distanziere mich – auf dass wahre Menschlichkeit in Ihr Herz einziehen möge

Sehr geehrter Herr Gabriel, mit Datum 22.7.2017 haben Sie einen offenen Brief unter anderem an meine Wenigkeit verfasst [1]. Als praktizierender Muslim und integrierter Bürger fühle ich mich verpflichtet sowohl die islamische Höflichkeit als auch die deutsche Tugend aufrecht zu erhalten und antworte Ihnen daher im Folgenden. Da Sie sich im Namen der gesamten Bundesregierung an mich gewandt haben, gilt meine Antwort auch der gesamten Bundesregierung. Allerdings verfüge ich über kein Mandat von anderen, sondern antworte Ihnen als einzelne Privatperson.

Sie schreiben, dass ich die großen Schwierigkeiten spüren würde, denen unser Verhältnis zur Türkei derzeit ausgesetzt sei. Mir ist nicht ganz klar, wen Sie mit „unser“ meinen, denn mein Verhältnis zur Türkei ist vergleichsweise entspannt. Ich fliege 4–5 Mal im Jahr in die Türkei, sehe ein unabhängiges aufstrebendes Land, und war erst vor wenigen Wochen dort. Wie Sie an diesem Brief erkennen können, bin ich heil und gesund wieder nach Deutschland zurückgereist. So muss ich Ihr „unser“ daher als einen Ausschluss meiner Wenigkeit deuten, was mich nicht sehr erfreut, aber die Realität trifft. Denn zu der Politik, die Leute wie Sie vertreten, gehöre ich wirklich nicht! Auch glaube ich nicht, dass das „Verhältnis“ irgendwelchen Schwierigkeiten „ausgesetzt“ ist, wie Sie es sehr diplomatisch äußern. Vielmehr gehen die Schwierigkeiten auf konkrete Taten von Politikern zurück und ganz sicher nicht nur von türkischen Politikern.

Sie schreiben, dass meine Heimat in Deutschland liege. Ich finde es einerseits sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mir meine Heimat zugestehen, andererseits erscheint es sehr befremdlich, dass meine Heimat von einem Regierungspolitiker definiert wird. Ich gehöre nicht zu denen, die auch die Türkei als ihre Heimat ansehen. Meine Heimat ist Deutschland. Aber ich reise sehr gerne in die Heimat meiner Vorfahren, in der ich als deutscher Muslim und meine den Islam praktizierende deutsche Ehefrau seit einigen Jahren viel ehrenvoller behandelt werden als in dem Land, das durch Ihre Politik in den letzten Jahren maßgeblich geprägt wurde.

Unterstützung der westlich-kapitalistischen Regime-Change-Phantasien

Sie behaupten, dass die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken ein großer Schatz sei und dass Sie sich auch immer für gute Beziehungen zur Türkei immer eingesetzt hätten. Da habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Bei der völkerrechtlich zumindest überprüfenswerten Behauptung zum angeblichen Völkermord gegenüber Armenien haben Sie nicht das Votum einer unabhängigen Historikerkommission abwarten wollen, sondern eine Parlamentsentscheidung erzwungen, verhindern aber gleichzeitig jegliche Verurteilung der ethnischen Säuberung Palästinas. Bei der Frage der Kurden treten Sie für einen unabhängigen Kurdenstaat ein, beliefern entsprechende Gruppen sogar mit Waffen, wollen damit nicht nur die Türkei, sondern auch Syrien, Irak und Iran schwächen und erlauben seit zwei Jahrzehnten Unterstützern von kurdischen Terrororganisationen das ungehinderte Auftreten und das Verwenden der Symbole der Terrororganisation in Deutschland. Bis heute aber hat Ihre Regierung Palästina nicht anerkannt!

Gleichzeitig setzen Sie sich in Syrien für einen Angriffskrieg ein, was Ihnen eine Strafanzeige meiner Wenigkeit mit mehreren Hundert anderen Bürgern zusammen eingebracht hat [2]. Dabei haben Sie die Türkei ermutigt die westlich-kapitalistischen Regime-Change-Phantasien in Syrien zu unterstützen, was der Türkei sehr geschadet hat. Als die Türkei jene völkerrechtswidrigen Bestrebungen nicht mehr mitgetragen hat, kam es zu einem Putschversuch in der Türkei. In der Putschnacht waren Russland und Iran die ersten beiden Regierungen, die sich an die Seite der demokratisch legitimierten türkischen Regierungen gestellt haben. Sie waren möglicherweise noch im Tiefschlaf, der sehr lange angehalten hat. Bei dem Putschversuch wurden mehrere hundert Zivilisten ermordet. Zwei Putschgeneräle haben Asyl in Deutschland beantragt. Selbst wenn ich Verständnis dafür aufbringen sollte, dass Sie die beiden nicht an die Türkei ausliefern wollen, verstehe ich nicht, warum keine Ermittlungsverfahren gegen zwei Menschen eröffnet worden sind, die des Massenmordes mitschuldig sind? In einer EU, in die Länder wie Rumänien und Bulgarien aufgenommen worden sind, wurde die Türkei stets hingehalten.

Ich kann nicht erkennen, dass Sie sich immer für gute Beziehungen zur Türkei eingesetzt hätten. Ganz im Gegenteil spricht die Sprache Ihrer Politik die Sprache von Demütigung, Unterdrückung und Machtgehabe von Menschen, die es nicht gewohnt sind, dass Vertreter alternativer Denkmodelle ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Verkörperung des Niedergangs des Sozialen in der Sozialdemokratie

Etwas irritiert bzw. ernüchtert bin ich durch Ihre Aussage, dass Sie sich immer für gute Beziehungen zur Türkei deshalb eingesetzt hätten, weil Sie wissen wollen, dass ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei für mich wichtig sei. Ich danke Ihnen, dass Sie so sehr Rücksicht auf meine Wünsche diesbezüglich nehmen, vermute aber, dass Sie ansonsten keine guten Beziehungen zur Türkei anstreben würden, weil für Sie und Ihre Denkkategorien gute Beziehungen lediglich Beziehungen sind, von denen die Reichsten in Deutschland profitieren würden. Sie sind für mich die Verkörperung des Niedergangs des Sozialen in der Sozialdemokratie.

Dann behaupten Sie in Ihrem Brief an mich, dass unbescholtene deutsche Staatsbürger in der Türkei ins Gefängnis gesteckt werden. Bei allem Respekt für Ihr Wissen: Woher haben Sie die Gewissheit, dass jene Bürger keinerlei Straftaten in einem Land begangen haben, in dem der Ausnahmezustand herrscht? Wird es nicht Zeit, dass Sie einmal ihre hochdekorativen Kapitalistenschuhe ausziehen und die Welt einmal aus den Sandalen der Armen dieser Welt betrachten [3]? Ich maße mir nicht an über die Schuld oder Unschuld von Menschen zu urteilen, die ich nicht kenne. Doch viele Umstände der Festnahme lassen zumindest einen merkwürdigen Geschmack zurück. Obwohl hier offensichtlich jemand festgenommen worden ist, der nicht als Tourist in dieses Land gereist ist, haben Sie die Gelegenheit genutzt und Reisewarnungen gegenüber Touristen verschärft? Und das propagandistische Flaggschiff Ihrer Politik, die Bild-Zeitung, hat dann gleich die Festnahme von Urlaubern angedroht. Ist das verhältnismäßig? Vorgestern wurden in Jerusalem mehrere unschuldige Palästinenser erschossen, hunderte verletzt und Dutzende unbescholtene Bürger inhaftiert. Haben Sie deshalb auch die Reisewarnungen für deutsche Urlauber nach Israel verschärft? Oder richtete sich Ihre Politik ausschließlich gegen die Befreiungstheologie des Islam?

Sie schreiben, dass Sie als deutsche Bundesregierung nicht tatenlos zusehen können und unsere Staatsbürger schützen müssen. Merkwürdigerweise finde ich auf Ihren Seiten deutliche Hinweise darauf, dass Sie deutsche Staatsbürger, die nach Palästina reisen wollen, nicht schützen können und wollen, wenn sie gleichzeitig Palästinenser sind [4]. Das israelische Parlament hat am 6. März 2017 ein Gesetz verabschiedet, wonach nicht-israelischen Staatsangehörigen die Einreise nach Israel grundsätzlich verweigert wird, wenn sie öffentlich und wissentlich zum Boykott von Israel aufgerufen oder sich verpflichtet haben, sich an einem solchen Boykott zu beteiligen. Dagegen haben Sie offensichtlich keinerlei Einwände, selbst wenn es deutsche Staatsbürger betrifft! Wenn aber die türkische Regierung im Ausnahmezustand einen Deutschen festnimmt, der ganz offensichtlich als Tourist nicht für touristische Zwecke eingereist ist, ergeben Sie sich dem Druck der Springer-Presse, die gleichzeitig in der Türkei über die Hürriyet die Türken gegen Deutschland aufhetzt [5].

Sie wollen also aus den von Ihnen genannten Gründen die Politik der Bundesregierung gegenüber der türkischen Politik ändern, die Zusammenarbeit und vor allem die wirtschaftlichen Hilfen für die Türkei auf den Prüfstand stellen und auch in Europa für eine klare Haltung eintreten. Das klingt so, als wenn nur die Türkei von den Beziehungen profitieren würde und Deutschland als großzügiger Spender den hilfsbedürftigen Türken zur Seite stehe aus menschlichen Erwägungen heraus. Genau diese arrogante Politik von hochnäsigen Politikern ist mir derart zuwider, dass ich Ihre Ankündigung geradezu begrüße, befürchte aber, dass Sie sie nicht in die Tat umsetzen werden. Die Türkei braucht Deutschland genau so wenig, wie Russland, China, Iran oder andere aufstrebende Länder Deutschland brauchen. Jene Länder bilden neue Verbünde und bauen Handelsbeziehungen auf Augenhöhe auf. Als Deutscher schmerzt es mich mitzuerleben, wie Deutschland immer weiter an der Seite der größten Verbrecherstaaten unserer Zeit die Gelegenheit zu seiner eigenen Unabhängigkeit ungenutzt lässt.

Erhalt des verbrecherischen westlich-kapitalistischen Systems


Zum Ende des Briefes weisen Sie darauf hin, dass ich wissen soll, dass nichts von Ihren Maßnahmen sich gegen die Menschen in der Türkei und unsere Mitbürger mit türkischen Wurzeln in Deutschland richten würde. Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich – und nicht nur ich – in einer pluralistischen Gesellschaft Ihnen diese Aussage nicht glauben kann, weil Sie Ihren Taten widerspricht. Alle Ihre Maßnahmen dienen zum Erhalt des verbrecherischen westlich-kapitalistischen Systems. Sie dienen ihren Rekordwaffenverkäufen, auch an Saudi-Arabien, sie dienen den Reichen, damit sie immer reicher werden, und sie dienen vor allem der Hoffnung Ihres eigenen Machterhalts. Aber in diesem Punkt unterschätzen Sie ihre eigenen türkischstämmigen Mitbürger, die politisch nicht so leicht beeinflussbar sind durch die Medienlandschaft, der Sie sich verpflichtet fühlen. Ihnen ist es gelungen die SPD für türkischstämmige Bürger unwählbar zu machen. Alle Achtung! Das hat vor Ihnen noch kein Sozialdemokrat geschafft.

Sie schließen mit dem Hinweis, dass türkischstämmige Menschen in Deutschland zu Ihnen gehören würden. Mir ist nicht ganz klar, wen Sie mit dem von Ihnen erneut verwendeten „uns“ meinen. Wenn Sie damit die Bürger in Deutschland oder gar Deutsche meinen, dann stimmt es, dass ich nicht nur Deutscher bin, sondern mich auch als solcher betrachte und fühle. Deutschland ist meine Heimat. Aber dafür benötige ich nicht Ihre Bestätigung. Wenn Sie hingegen mit „uns“ eine Politikvertretung meinen, die Deutschland an der Seite der reichsten Reichen dieser Welt zu einer Ausbeuternation umgewandelt hat, die an so vielen Kriegen mitbeteiligt ist wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg und die so viele Waffen an so viele Mörder verteilt (teils verschenkt) wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg, so distanziere ich mich ausdrücklich von Ihrem „uns“.

Sie grüßen mich herzlich und ich grüße Sie mit dem Wunsch, dass wahre Menschlichkeit in Ihr Herz einziehen möge.

Dr. Yavuz Özoguz, einfacher Bundesbürger



PS: Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich nachweislich kein Anhänger der Politik Erdogans bin, doch Ihre Politik zwingt Leute wie mich dazu die aktuelle türkische Politik gegen die Herrenmenschenbestrebungen der Westlichen Welt zu verteidigen.


Fussnoten:

[1] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2017/170722_Brief_BM_an_t%C3%BCrkeist%C3%A4mmige_Menschen_in_DEU.html
[2] http://www.delfrieden.de/

[3] Deutschland, ziehe endlich Deine Schuhe aus um die Quelle des Unfriedens zu erkennen!
http://www.muslim-markt-forum.de/t1405f2-Deutschland-ziehe-endlich-Deine-Schuhe-aus-um-die-Quelle-des-Unfriedens-zu-erkennen.html#msg4236

[4] https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/IsraelSicherheit.html

[5] Warum nimmt die Türkei angeblich unschuldige Deutsche fest?
http://www.muslim-markt-forum.de/t1403f2-Warum-nimmt-die-Tuerkei-angeblich-unschuldige-Deutsche-fest.html


Erstveröffentlichung am 23.07.2017 bei Muslim-Markt und http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24021


Anhang:

Brief von Außenminister Sigmar Gabriel an die türkeistämmigen Menschen in Deutschland, 22.07.2017


Liebe türkische Mitbürger, ich möchte mich - auch im Namen der gesamten Bundesregierung - in dieser Form an Sie wenden. Vor allem Sie spüren die großen Schwierigkeiten, denen unser Verhältnis zur Türkei derzeit ausgesetzt ist. Ihre Heimat liegt in Deutschland – aber bei vielen von Ihnen auch in der Türkei. Wir wollen Ihnen deshalb sagen: Die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken ist ein großer Schatz. Wir haben uns für gute Beziehungen zur Türkei immer auch eingesetzt, weil wir wissen, dass ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei für Sie wichtig ist.

Jetzt aber werden unbescholtene deutsche Staatsbürger ins Gefängnis gesteckt. Als deutsche Bundesregierung können wir nicht tatenlos zusehen. Wir müssen unsere Staatsbürger schützen.

Deshalb ändert sich die Politik der Bundesregierung gegenüber der türkischen Politik. Wir werden die Zusammenarbeit und vor allem die wirtschaftlichen Hilfen für die Türkei auf den Prüfstand stellen und auch in Europa für eine klare Haltung eintreten.

Was Sie aber wissen sollen ist: Nichts davon richtet sich gegen die Menschen in der Türkei und unsere Mitbürger mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Denn: Gleichgültig wie schwierig die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind, bleibt für uns klar: Sie, die türkischstämmigen Menschen in Deutschland, gehören zu uns – ob mit oder ohne deutschen Pass.

Herzlich
Ihr Sigmar Gabriel, Bundesaußenminister

Quelle: auswaertiges-amt.de

Online-Flyer Nr. 623  vom 26.07.2017

Wednesday, July 19, 2017


CONFIRMED: Trump ends CIA arms to Salafists in Syria

The race for Raqqa is now increasingly a two-horse race between US backed Kurdish forces and the Syrian Arab Army which relies on support from Russia, Iran and Hezbollah.

Today, two reports emerged within minutes of each other which indicate that under Donald Trump, the United States has fully shifted its policies in Syria away from arming and aiding Salafist/jihadist terrorist fighters and is now allying exclusively with Kurdish.
To a less extent, America is also politically allied with Russia in a limited capacity in south western Syria, something which is more significant due to the shift it represents rather than in terms of size or scope.
Here are the key events:
1. US media reports that Trump ends CIA arming of terrorists 
The deeply anti-Trump Washington Post has reported the following,
“President Trump has decided to end the CIA’s covert program to arm and train moderate Syrian rebels battling the government of Bashar al-Assad, a move long sought by Russia, according to U.S. officials.
The program was a central plank of a policy begun by the Obama administration in 2013 to put pressure on Assad to step aside, but even its backers have questioned its efficacy since Russia deployed forces in Syria two years later.
Officials said the phasing out of the secret program reflects Trump’s interest in finding ways to work with Russia, which saw the anti-Assad program as an assault on its interests. The shuttering of the program is also an acknowledgement of Washington’s limited leverage and desire to remove Assad from power”.
The report adds,
“Officials said Trump made the decision to scrap the CIA program nearly a month ago, after an Oval Office meeting with CIA Director Mike Pompeo and national security adviser H.R. McMaster ahead of a July 7 meeting in Germany with Russian President Vladimir Putin”.
While the Washington post calls this a win for Russia, in reality this will not directly effect Russia one way or another. It is however, a win for Syria.
By most reasonable accounts, the conflict in Syria could have ended far earlier if not for the CIA and other US actors arming, funding and training Salafist jihadist fighters in Syria (often referred to as moderate rebels by the western mainstream media).
As even the Washington Post admits, almost in a gloating fashion, arming such jihadists was a flagship policy of the United States under Barack Obama.
This will take a substantial deal of pressure off the Syrian Arab Army and their fight against remaining terrorists in Syria.
Ever since Trump took office, the general trajectory of US meddling in Syria shifted from arming jihadists to arming, funding and working in close military coordination with Kurdish forces.
Today’s revelation simply affirms what was long the apparent on the ground policy of the United States since February of 2017.
It is key to remember that even after this announcement, the US presence in Syria is still illegal according to international law.
2. FSA jihadists withdraw from front-line in Raqqa 
Almost simultaneous to the Washington Post report, Al-Masdar which is generally the most reliable source of on the ground information in Syria, reported the following,
“The Quwwat al-Nukhba sub-group of the Free Syrian Army (FSA), which fights within the US-backed Syrian Democratic Forces (SDF), has been dismissed from any and all front-line duties in the ongoing Raqqa operation.
About one week ago, word came out that the FSA-linked group was to give up its positions within Raqqa city and retreat to the SDF’s rear areas outside the urban center. However, contradictory reports then came in suggesting that a compromise was reached whereby the Arab faction could retain its positions within the city – this was supported by some photo evidence.
However, according to the latest reports, Quwwat al-Nukhba has officially withdrawn from all of its front-line positions within Raqqa city and handed them over to the Kurdish People’s Protection Units (YPG).
 Information on why the Arab militia has been booted out of the operation remains officially unclear. Nonetheless, some sources suggest that the group showed repeated incompetence during Raqqa battle, advancing quickly within the city but then withdrawing from all gains, abandoning them to ISIS, almost as soon as they were taken.
In any case, the United States – who has overall command of the SDF – represents the party that gave the order for the Arab FSA-linked faction to withdraw (perhaps at the behest of Kurdish recommendations).
This now means that the battle to capture Raqqa from ISIS has become an almost exclusively Kurdish operation”.
Raqqa is now officially a two-horse race between US backed Kurdish forces from the north and the Syrian Arab Army approaching from the west and from the south via Dier Ez-Zor, which is fast becoming a bigger hotspot of remaining ISIS fighters in Syria vis-a-vis Raqqa.
The upside of this for Syria is that the danger of a kind of semi-permanent style US funded Salafist insurgency is reduced to almost nil. This is especially true due to Syria’s strong central government vis-a-vis that of Iraq in the mid-2000s and into recent years.
With the US garrison in southern Syria located in At-Tanf now effectively cut off from the rest of the country via strong lines of control by the Syrian Arab Army and its allies, the US would have hit a logistical brick wall if it expended its resources continuing to arm increasingly encircled and materially ineffective jihadist groups like the FSA and its splinter groups and off-shoots.
This move also removes any scant Turkish influence from the race to Raqqa as the few FSA fighters participating in the surge represented the only people who are loyal to a group that is in great part, a Turkish proxy.
Thus, the American decision to force the withdrawal of the minor contingent of the FSA from front-line fighting in Raqqa is close to a de-facto admission that incorporating such jihadists into the final battle with the jihadists of ISIS would be an exercise in futility, one that Kurds themselves also likely oppose.
3. The Russia connection 
At present, there is no overt linkage to these events and Donald Trump’s meeting at the G20 summit with Vladimir Putin. One can however, infer a conclusion that in order to work more effectively with Russia, the United States has dropped the last vestiges of support for jihadists such as the FSA, knowing that it would have reached a similar conclusion based on sheer logistics, even if Russia and the US did not strike a deal to mutually enforce the current ceasefire in south-western Syria along with Jordan.
In this sense, it is wise to remember that hyperbolic linkages of items 1 and 2 with the Trump-Putin meeting are at best circumstantial rather than causal–pragmatic rather than overtly strategic.
This still does not solve the crisis of what Kurdish forces might want as a result of their participation in the race for Raqqa, assuming they partly or wholly win the race.
Furthermore, if Kurds demand further concessions from Damascus including increased autonomy or even independence, many suspect that the United States will strongly back Kurdish demands rather than play the part of a neutral party. This would of course be opposed not only by Syria, Iraq and Iran but most strongly by Turkey which is a traditional US ally, although one which hardly sees eye-to-eye with the US on major Middle Eastern issues ranging from Qatar to Syria.
In this sense, the United States has chosen to infuriate Turkey further, make life slightly less difficult for Syria in terms of battle-field logistics, vaguely placate Russia and most importantly, declare an increased measure of loyalty to Kurds at the expense of the many anti-Kurdish actors in the region, including several technical US allies, namely both Turkey and Iraq.
Source:http://theduran.com/confirmed-trump-ends-cia-arms-to-salafists-in-syria/