Sunday, July 10, 2016

Sahra Wagenknecht kritisierte die geplante Aufrüstung IM BT/WIRTSCHAFTSNACHRICHTREN

Wagenknecht rechnet mit Merkel ab: „Was ist denn das für ein Irrsinn!“ 

Sahra Wagenknecht von der Links-Partei hat ihre Rede zur Nato im Bundestag für eine Generalabrechnung mit Bundeskanzlerin Merkel genutzt: Sie kritisierte die geplante Aufrüstung, weil Steuergelder für Rüstung verwendet würden, wärend die Finanzierung der Renten nicht gesichert sei. Sie rief Merkel auf, Volksabstimmungen nicht als Bedrohung zu empfinden, sondern als Ausdruck der Demokratie zu respektieren. Die Rede im Wortlaut (mit Zwischenrufen). 
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Sahra Wagenknecht bei ihrer Nato-Rede am Donnerstag im Bundestag. (Foto: dpa)
Sahra Wagenknecht bei ihrer Nato-Rede am Donnerstag im Bundestag. (Foto: dpa)
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Bundeskanzlerin, Geschichte wiederholt sich nicht, aber es gibt Phasen, in denen die politischen Uhren rückwärts zu gehen scheinen, unerbittlich zurück in eine Zeit, die sich eigentlich niemand zurückwünschen kann. Wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt, der wird das beklemmende Gefühl nicht los, dass wir heute in genau so einer Phase leben, und ich möchte mir nicht ausmalen, wie das enden kann.
75 Jahre nach Beginn des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion finden in unmittelbarer Nähe der russischen Grenze wieder martialische Kriegsübungen unter deutscher Beteiligung statt.
(Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): An der Grenze zum Baltikum auch!)
Die US-Atomwaffen in Deutschland werden modernisiert ‑ nicht abgebaut, Frau Merkel: modernisiert – und Raketenbasen in ganz Europa aufgebaut. Angeblich geht es immer nur um Abschreckung, darum, Putin davon abzuhalten, ins Baltikum einzumarschieren. Es würde mich wirklich interessieren, ob diejenigen, die uns diesen Schwachsinn erzählen, auch nur eine Sekunde selber daran glauben.
(Beifall bei der LINKEN – Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Warum macht er denn dann ein großes Manöver?)
Wer hat denn seine Grenzen in den letzten zwei Jahrzehnten immer weiter nach vorne geschoben?
(Gunther Krichbaum (CDU/CSU): Russland!)
Russland in Richtung NATO, oder war es nicht eher umgekehrt?
(Beifall bei der LINKEN – Gunther Krichbaum (CDU/CSU): Russland über die Ukraine! So wird ein Schuh draus!)
Die USA haben 5 Milliarden Dollar in einen Regime-Change in der Ukraine investiert. Das Ergebnis ist ein zerrissenes Land mit marodierenden faschistischen Banden und, ja, die russische Annexion der Krim, die immer als Beweis für die Aggressivität der russischen Außenpolitik herhalten muss.
(Gunther Krichbaum (CDU/CSU): Für die Friedfertigkeit bestimmt nicht!)
Auch die neue Aufrüstungsspirale dient angeblich immer nur dazu, den russischen Bären im Zaum zu halten. Eine dümmere Begründung kann man sich wirklich nicht ausdenken.
(Beifall bei der LINKEN)
Aktuell liegen die Militärausgaben der NATO beim etwa 13-Fachen der russischen. Und jetzt brauchen wir noch mehr Aufrüstung, um die Sicherheit in Europa zu gewährleisten? Was ist denn das für ein Irrsinn!
(Beifall bei der LINKEN)
Trotzdem gehörten Sie, Frau Bundeskanzlerin, wieder einmal zu den ersten, die die Umsetzung des 2-Prozent-Ziels angekündigt haben. 2 Prozent, das bedeutet 25 Milliarden Euro jedes Jahr mehr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät, aber für gute Renten fehlt uns angeblich das Geld, und für bessere Bildung erst recht. Was sind denn das für absurde politische Prioritäten, die Sie hier setzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Der große Außenpolitiker George F. Kennan hat die NATO-Osterweiterung schon Ende der Neunziger als den verhängnisvollsten Fehler der US-Politik seit der Ära des Kalten Krieges bezeichnet, eben weil die Einkreisung Russlands den Weltfrieden nicht sichert, sondern gefährdet. Und trotzdem wird sie immer weiter vorangetrieben, auch mit Ihrer Unterstützung, Frau Merkel. Wir finden das unverantwortlich.
(Beifall bei der LINKEN)
Sie haben auf Artikel 5 des NATO-Vertrages hingewiesen. Leider haben Sie Artikel 1 nicht erwähnt, der die NATO-Mitglieder verpflichtet, sich jeglicher Drohung oder Gewaltanwendung zu enthalten. Ich glaube, es liegt auf der Hand, dass die NATO und allen voran die USA mit ihren völkerrechtswidrigen Kriegen und ihren Drohnenmorden ihren eigenen Vertrag tagtäglich mit Füßen treten. Dazu hätte ich von Ihnen auch ein Wort erwartet.
(Beifall bei der LINKEN – Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Es lebe die völkerrechtliche Verlässlichkeit der Russinnen und Russen!)
Ich muss schon sagen: Über die Destabilisierung des Nahen Ostens zu reden, wie Sie es eben getan haben, aber die Hauptverantwortung von NATO-Staaten und den Irakkrieg noch nicht einmal zu erwähnen, das zeugt nun wirklich von bemerkenswerter Einäugigkeit.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Manöver in Osteuropa, die Hochrüstung, die Raketenbasen, die Truppenstationierung: Was kann Moskau darin denn anderes sehen als Kriegsvorbereitung? Auf jeden Fall wird so die Wahrscheinlichkeit und die Möglichkeit einer militärischen Eskalation mit der Atommacht Russland beträchtlich erhöht. Der Ernstfall, für den Sie in Osteuropa so lässig proben und von dem neuerdings in Militärkreisen wieder geredet wird, als wäre er ein kalkulierbares Ereignis – – Frau Merkel, ich finde es ja interessant, dass Sie sich mit Herrn Hofreiter unterhalten; aber ich würde es doch gut finden, wenn Sie meiner Rede wenigstens etwas Gehör verleihen würden. –
(Beifall bei der LINKEN – Sabine Weiss (Wesel I) (CDU/CSU): Vielleicht sollten Sie ihr einmal zuhören! – Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Das liegt natürlich auch ein bisschen an Ihrer Rede! – Gunther Krichbaum (CDU/CSU): Wir wollen lieber den Bartsch hören!)
Nach einem solchen Ernstfall, für den Sie in Osteuropa so lässig proben und von dem neuerdings in Militärkreisen wieder geredet wird, als wäre er ein kalkulierbares Ereignis, würde es Europa mit seinen über 700 Millionen Einwohnern vielleicht nicht mehr geben.
Das Urteil Willy Brandts, dass ein Krieg mit Russland nicht die Ultima Ratio, sondern die Ultima Irratio ist, das gilt doch heute nicht weniger als in den 70er-Jahren. Deshalb ist es dringend an der Zeit für eine eigenständige europäische Außenpolitik in der Tradition der Entspannungspolitik und natürlich auch für die Ersetzung der US-dominierten NATO durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Einschluss Russlands.
(Beifall bei der LINKEN)
Schon Helmut Schmidt war der Meinung, dass heute mehr Gefahr von den USA als von Russland ausgeht. Das dürfte nach den nächsten US-Präsidentschaftswahlen, wenn im Weißen Haus entweder ein Halbverrückter oder eine Marionette der US-Rüstungslobby regiert, nicht viel anders werden.
(Gunther Krichbaum (CDU/CSU): Oh je, jetzt wird es vom Niveau her langsam unerträglich!)
Aber das Verhältnis zu Russland und die Kriegsgefahr sind leider nicht die einzigen Punkte, bei denen die politischen Uhren rückwärts laufen. Ich muss schon sagen: Ich finde es ebenso bezeichnend wie traurig, dass Ihre Regierungserklärung zu den Ergebnissen des Europäischen Rates letzte Woche mal eben von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Wegschweigen, aussitzen, bloß nicht über Veränderungen reden – das können doch nicht ernsthaft Ihre Schlussfolgerungen aus der aktuellen Krise sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Der französische Ökonom Piketty hat doch recht, wenn er Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, eine wesentliche Mitverantwortung für den Brexit und den zunehmenden Nationalismus andernorts gibt.
(Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Das ist doch lächerlich!)
Ihre ständigen Alleingänge haben den europäischen Zusammenhalt ebenso wenig gestärkt wie die Besserwisserei, mit der die deutsche Regierung versucht, ganz Europa auf die Linie der deutschen Wirtschaftspolitik zu bringen. Halten Sie doch endlich einmal inne, und überdenken Sie Ihre Politik, bevor es wirklich zu spät ist.
(Beifall bei der LINKEN)
Das geeinte Europa, Verständigung und Zusammenarbeit zwischen jahrhundertelang verfeindeten Völkern, ein europäisches Sozialmodell als Alternative zum entfesselten Kapitalismus, das war einmal ein großes, ich würde sagen, ein großartiges Projekt. Es geht längst nicht mehr darum, ob dieses Projekt eine Zukunft hat. Es geht darum, ob es wieder eine Gegenwart bekommt; denn die europäische Integration hat sich doch längst ins Gegenteil verkehrt, in ein Projekt zur Entfesselung der Märkte und zur Aushebelung der Demokratie, in ein Projekt, das europaweit die Prekarisierung der Arbeit und den Abbau sozialer Leistungen vorantreibt. Die Wachstumsraten sind heute in den meisten EU-Staaten niedriger und die Arbeitslosigkeit höher als vor Einführung des Binnenmarktes. Ländern, in denen jeder zweite Jugendliche keinen Job und keine Perspektive hat, werden mit kaltem Ehrgeiz Kürzungsprogramme diktiert. Dieser Ehrgeiz verlässt die EU aber sofort, wenn es zum Beispiel darum geht, den Steuertricks von Apple, Google & Co. endlich die Grundlage zu entziehen. Dabei tragen sie weiß Gott mehr Verantwortung für die öffentlichen Defizite als angeblich generöse Sozialprogramme.
(Beifall bei der LINKEN)
Überall in Europa wächst die Ungleichheit. Zwischen scharmlosem Reichtum am oberen und hoffnungsloser Armut am unteren Ende lebt eine schrumpfende, abstiegsgefährdete Mittelschicht, die sich politisch im Stich gelassen fühlt. Die Zustimmung zur EU geht doch nicht deshalb zurück, weil irgendwelche Nationalisten Stimmungen schüren. Die Zustimmung geht zurück, weil die Mehrheit schlicht keinen Grund hat, sich für eine EU zu begeistern, die ihren Wohlstand verringert und ihre demokratischen Rechte aushebelt.
(Beifall bei der LINKEN – Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Dann müssen sie in den Mitgliedstaaten mal die richtige Politik machen! Nicht immer nur Schulden machen, sondern eine bessere Politik! Das wäre der richtige Weg! – Max Straubinger (CDU/CSU): Dann müssen die sozialistisch regierten Länder mal eine bessere Politik machen!)
Die agilsten Gegner Europas sitzen heute in Brüssel. Es ist nicht bekannt, ob Marine Le Pen Herrn Juncker inzwischen für ihre Frexit-Kampagne als Mitarbeiter verpflichtet hat; aber er ist definitiv ihr bester Mann. Die Stimmen in Großbritannien waren kaum ausgezählt, als Herr Juncker noch einmal bekräftigte, dass das Handelsabkommen CETA ohne Zustimmung der Mitgliedstaaten in Kraft gesetzt werden soll. Inzwischen hat die Kommission den Mitgliedstaaten zwar großzügig das Recht zur Ratifizierung eingeräumt; allerdings ist das wieder nur ein Täuschungsmanöver, weil sie das Abkommen vorläufig in Kraft setzen will. Ich hätte von der Bundesregierung schon gerne gehört, wie sie zu dieser erneuten Unverschämtheit unserer Brüsseler Antidemokraten steht.
(Beifall bei der LINKEN)
Das ist ja nicht alles. Wenige Tage nach dem Brexit entschied die EU-Kommission, das mutmaßlich krebserregende Pflanzengift Glyphosat für weitere anderthalb Jahre zuzulassen. Das Defizitverfahren gegen Portugal und Spanien soll trotz Krise verschärft werden. Ignoranz gegenüber demokratischen Rechten, Einknicken gegenüber der Wirtschaftslobby und Gleichgültigkeit
(Max Straubinger (CDU/CSU): Sie wenden sich gegen Arbeitsplätze, Frau Wagenknecht, gegen die Wirtschaft!)
gegenüber einer perspektivlosen jungen Generation: Deutlicher als mit diesen drei Entscheidungen konnte man in der kurzen Zeit seit dem Brexit wirklich nicht all das demonstrieren, was die Menschen an der EU abstößt.
(Beifall bei der LINKEN)
Wer nicht will, dass Europa endgültig zerfällt, der muss doch spätestens jetzt auf einen sozialen und demokratischen Neubeginn setzen, auf ein Europa, das die Menschen wieder begeistern kann und in dem Referenden nicht als Bedrohung, sondern als normaler Bestandteil der Demokratie empfunden werden.
(Beifall bei der LINKEN)
So ein Europa wollen zumindest wir als Linke, gerade weil wir nicht wollen, dass die Geister der Vergangenheit über unsere Zukunft bestimmen.

Friday, July 8, 2016

Willy Wimmer zum NATO Gipfel in Warschau

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Kanzlerin Merkel macht in ihrer Regierungserklärung zum Nato-Gipfel Moskau verantwortlich für die Vertrauenskrise. Willy Wimmer, ehemaliger Staatsminister für Verteidigung und Vizepräsident der OSZE, findet es unerhört, dass im 75. Jahr nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion wieder aggressive Töne gegenüber Russland angeschlagen werden.

Herr Wimmer, was erwarten Sie vom Nato-Gipfel in Warschau?
Das ist ja quasi eine Art Nato-Festveranstaltung aus Anlass des 75. Jahrestages des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion.
Das wird vor allem an einem Punkt deutlich: jetzt stehen unsere Panzer wieder an der Stadtgrenze von Leningrad bzw. St. Petersburg. Die ganze Entwicklung, die damals Schrecken, Elend und Not über Europa gebracht hat, ist jetzt durch die Nato wieder herbeigeführt worden. Wenn ich nun die Regierungserklärung der Bundeskanzlerin höre, ist das sowas von geschichtsvergessen, um nicht zu sagen widerlich, was man im Deutschen Bundestag dazu gesagt hat, dass man nur empört sein kann.
Gibt es denn im Moment überhaupt einen Austausch zwischen der Nato und Russland? 
Wir befinden uns ja in dieser verhängnisvollen Situation, weil die Nato seit 25 Jahren, seit 1992 ihre Politik geändert hat. Das, was wir heute sehen, auch die Situation in der Ukraine und die Entwicklung um die Krim, dazu muss man ja ganz nüchtern sagen: der Westen, die Nato und die Europäische Union haben sich verzockt und die Ukraine zahlt den Preis dafür. Das kann man doch nicht Russland anlasten.
Damals vor 75 Jahren ging es um den Lebensraum im Osten. Heute will sich die Nato die russischen Ressourcen unter den Nagel reißen.
Vieles in der Nato passiert auf Druck aus Polen und dem Baltikum. Meinen Sie, dass die Gefahr besteht, dass Russland diese Territorien angreift? 
Das haben wir ja jetzt wieder bei den jüngsten Äußerungen der litauischen Staatspräsidentin hören können. Polen und das Baltikum versuchen, Deutschland und das deutsche Volk in Stellung zu bringen gegen Russland, was von beiden Völkern nicht gewollt wird. Wir wären doch mit dem Klammersack gepudert, wenn wir auf diese Sirenenklänge aus dem Baltikum und Polen hören würden. Das ist der Versuch, in Abstimmung mit der amerikanischen Politik, eine neue Mauer quer durch Europa zu bauen, diesmal von den baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer, um Russland zu isolieren.
Außenminister Steinmeier sprach von Säbelrasseln und wurde dafür heftig kritisiert. Nun wurde bekannt, dass auch große Internetportale wie Spiegel Online oder Faz ihre Kommentarfunktion ausschalten, wenn es um das Thema Nato und Russland geht. Darf man die Nato nicht kritisieren? 
Das ist jedenfalls die Absicht der hier noch Regierenden, alles zu tun, um den Konfrontations-, um nicht zu sagen, Kriegsvorbereitungen gegenüber der Russischen Föderation eine Legitimation zu geben.
Was ist aus den freien Ländern des Westens geworden? Wir haben den Pluralismus in den Medien beseitigt und beseitigen den Pluralismus in der politischen Diskussion. Und in Deutschland wird das in weiten Teilen auch noch goutiert.
Dieser Tage hat eine Kommission in London konstatiert, dass Großbritannien seinerzeit zu voreilig in den Irak-Krieg eingegriffen hat. Manchmal scheint man im Moment im Westen eine ähnliche Stimmungsmache gegen Russland zu spüren, wie damals vorm Irakkrieg. 
Das ist jetzt auch eine gezielte Aktivität, die von den angelsächsischen Medien vor vier Jahren ausging. Die Bilder des russischen Präsidenten, die damals auf den Coverseiten der internationalen und vor allem der amerikanischen Magazine gezeichnet wurden, das war doch das Gleiche an Propaganda, was wir gegen den deutschen Kaiser im Vorfeld des Ersten Weltkrieges aus London erlebt haben. Das ist auch jetzt systematisch vorbereitet worden.
So wie auch der völkerrechtswidrige Krieg gegen Jugoslawien, bei dem damals die Völkerrechtsordnung in Europa zusammengeschossen wurde, auch schon dem Ziel diente, letzten Endes gegen die Russische Föderation vorzugehen.
Wir haben uns doch 1990 eine ganz andere Welt vorgestellt, die die Amerikaner nicht wollten, weil sie unter allen Umständen eine Konfrontationssituation zwischen den Deutschen und den Russen etablieren wollen.
Herr Wimmer, Sie waren Vizepräsident der OSZE. Deutschland hat gerade den OSZE-Vorsitz. Irgendwie bekommt man wenig davon mit. Was erwarten Sie sich von Deutschlands OSZE-Vorsitz? 
Die OSZE hat doch seit dem Jugoslawien-Krieg von den Amerikanern, den Briten und von uns allen das Rückgrat rausoperiert bekommen. Die OSZE ist doch bei Weitem nicht mehr das wie Anfang der Neunzigerjahre. Ich habe ja das damalige politische Konzept über die Stationierung von Bundeswehr in der DDR selbst erarbeitet. Damals war noch klar, wir gehen nicht mit der Nato in diesen Raum, der sich uns am Ende des Kalten Krieges öffnete. Im Frühjahr 1992 wurden dann die Hebel umgelegt und es ging nur noch um die Nato und das amerikanische Konzept, Europa zu spalten.
Also Sie erwarten sich von Deutschlands OSZE-Vorsitz nicht viel?
Gar nichts! Die OSZE ist ein Papiertiger geworden.
Wie sollte sich also Deutschland zur Nato verhalten? 
Unser Land muss durch die Bundesregierung und hoffentlich in Zukunft durch einen verständigen Bundespräsidenten den Weg zurück finden zur Charta von Paris. Da haben sich die Staats- und Regierungschefs Europas, Kanadas und der Vereinigten Staaten in die Hand versprochen, Europa zu einem Territorium des Friedens, des Völkerrechts, der Menschenrechte und der guten Zusammenarbeit
zu machen. Und was ist daraus geworden? Das genaue Gegenteil. Wir stehen wieder vor den Grenzen eines Staates, der vor 75 Jahren 27 Millionen seiner Landsleute verloren hat. Das kann man nicht oft genug betonen. Wir müssen zurück zur Vernunft.
Interview: Armin Siebert 
Zum Thema:
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Tags:
NATO, Willy Wimmer, Schwarzes Meer, Großbritannien, Irak, Russland, Ukraine

What Is NATO – Really?



ERIC ZUESSE | 07.07.2016 | WORLD

When NATO was founded, that was done in the broader context of the US Marshall Plan, and the entire US operation to unify the developed Atlantic countries of North America and Europe, for a coming Cold War allegedly against communism, but actually against Russia – the core country not only in the USSR but also in Eastern Europe (the areas that Stalin’s forces had captured from Hitler’s forces).


NATO was founded with the North Atlantic Treaty in Washington DC on 4 April 1949, and its famous core is:
«Article 5: The Parties agree that an armed attack against one or more of them in Europe or North America shall be considered an attack against them all and consequently they agree that, if such an armed attack occurs, each of them, in exercise of the right of individual or collective self-defence recognised by Article 51 of the Charter of the United Nations, will assist the Party or Parties so attacked by taking forthwith, individually and in concert with the other Parties, such action as it deems necessary, including the use of armed force, to restore and maintain the security of the North Atlantic area».
However, widely ignored is that the Treaty’s preamble states:
«The Parties to this Treaty reaffirm their faith in the purposes and principles of the Charter of the United Nations and their desire to live in peace with all peoples and all governments. They are determined to safeguard the freedom, common heritage and civilisation of their peoples, founded on the principles of democracy, individual liberty and the rule of law. They seek to promote stability and well-being in the North Atlantic area. They are resolved to unite their efforts for collective defence and for the preservation of peace and security. They therefore agree to this North Atlantic Treaty».
Consequently, anything that would clearly be in violation of «the purposes and principles of the Charter of the United Nations and their desire to live in peace with all peoples and all governments», or of «the rule of law», would clearly be in violation of the Treaty, no matter what anyone might assert to the contrary. (As regards «the principles of democracy», that’s a practical matter which might be able to be determined, in a particular case, by means of polling the public in order to establish what the public in a given country actually wants; and, as regards «individual liberty», that is often the liberty of one faction against, and diminishing, the liberty of some other faction(s), and so is devoid of real meaning and is propagandistic, not actually substantive. Even the «rule of law» is subject to debate, but at least that debate can be held publicly within the United Nations, and so isn’t nearly as amorphous. Furthermore, as far as «individual liberty» is concerned, the Soviet Union was a founding member of the UN and of its Security Council with the veto-right which that entails, but was never based upon «individual liberty»; and, so, whatever «rule of law» the UN has ever represented, isn’t and wasn’t including «individual liberty»; therefore, by the preamble’s having subjected the entire document of the NATO Treaty to «the principles and purposes of the Charter of the United Nations», the phrase «individual liberty» in the NATO Treaty isn’t merely propagandistic – it’s actually vacuous.)
The NATO Treaty, therefore, is, from its inception, a Treaty against Russia. It is not really – and never was – a treaty against communism. The alliance’s ideological excuse doesn’t hold, and never was anything more than propaganda for a military alliance of America and its allies, against Russia and its allies. Consequently, the Warsaw Pact had to be created, on 14 May 1955, as an authentic defensive measure by Russia and its allies. This had really nothing to do with ideology. Ideology was and is only an excuse for war – in that case, for the Cold War. For example, a stunningly honest documentary managed to be broadcast in 1992 by the BBC, and showed that the US OSS-CIA had begun America’s war against «communism» even at the very moments while WW II was ending in 1945, by recruiting in Europe ‘former’ supporters of Hitler and Mussolini, who organized «false flag» (designed-to-be-blamed-against-the-enemy) terrorist attacks in their countries, which very successfully terrified Europeans against ‘communism’ (i.e., against Russia and its allies). As one of the testifiers in that video noted (at 6:45), «In 1945 the Second World War ended and the Third World War started». The ‘former’ fascists took up the cause against «communism» but actually against Russia; it wasn’t democracy-versus-communism; it was fascists continuing – but now under the ‘democratic’ banner – their war against Russia. This operation was, until as late as 1990, entirely unknown to almost all democratically elected government officials. The key mastermind behind it, the brilliant double-agent Allen Dulles, managed to become officially appointed, by US President Eisenhower in 1953, to lead the CIA. Originally, that subversive-against-democracy element within the CIA had been only a minority faction. Dulles had no qualms even about infiltrating outright Nazis into his operation, and his operation gradually took over not only the US but its allies. His key point man on that anti-democracy operation was James Angleton – a rabid hater of Russians, who was as psychopathic an agent for America’s aristocracy as was Dulles himself. But the CIA was only one of the broader operation’s many tentacles, others soon were formed such as the Bilderberg group. Then, the CIA financed the start of the European Union, which was backed strongly by the Bilderbergers. This was sold as democratic globalism, but it’s actually fascist globalism, which is dictatorial in a much more intelligent way than Hitler and Mussolini had tried to impose merely by armed force. It relies much more on the force of deception – force against the mind, instead of against the body.






Mikhail Gorbachev failed to recognize this fact about NATO (its actual non-ideological, pure conquest, orientation) in 1990, when he agreed and committed to the dismemberment and end of Russia’s established system of alliances, without there being any simultaneous mirror-image termination of America’s system of alliances – including NATO. He wasn’t at all a strategic thinker, but instead tried to respond in a decent way to the short-term demands upon him – such as for immediate democracy. He was a deeply good man, and courageous too, but unfortunately less intelligent than was his actual opponent at that key moment, in 1990, George Herbert Walker Bush, who was as psychopathic as Gorbachev was principled.
Source:http://www.strategic-culture.org/news/2016/07/07/what-is-nato-really.html

US-Geheimdienstveteranen für Vernunft und wider NATO-Kriegskurs

Veteran Intelligence Professionals For Sanity 

Bitte an Frau Merkel um mäßigende Einflussname auf Warschauer NATO-Tagung

In einem neuerlichen Memorandum an die Adresse der Bundeskanzlerin wenden sich ehemals hochrangige Geheimdienstveteranen kurz vor der Warschauer NATO-Konferenz am 8. Juli   erneut an Frau Merkel und bitten darum, sie möge mäßigend Einfluß auf die kriegerische NATO nehmen.
Vor dem Hintergrund  der angeblichen „Russischen Gefahr“ vor der NATO-GeneralsekretärJens Stoltenberg unbegreiflicher und verstörender Weise warnt, richten sie Ihren Appell an die Chefin der deutschen Regierung, die sie als mildernde Stimme einschätzen. Sie nehmen Bezug auf die jüngsten Militärmanöver der NATO an Russlands Grenzen, die die ehemaligen Geheimdienstfachleute als Kenner der Moskauer Außenpolitik geradezu mit Fassungslosigkeit aufgenommen haben. Sie erinnern daran, dass es solche Manöver seit Beginn des Hitler Unternehmens “Barbarossa” vor 75 Jahren nicht mehr gegeben habe, die immerhin  25 Millionen Sowjetbürger das Leben gekostet hätten. Sie nennen es geradezu närrisch davon auszugehen, dass der russische Präsident Putin keine adäquaten ihm geeignet erscheinenden Gegenmaßnahmen treffen werde. Sie sprechen auch davon, dass die Militärmanöver an der russischen Westgrenze insbesondere auch  in der  Ukraine unbegründete Provokationen seien.
Sie applaudieren der Mahnung Frank Walter Steinmeiers, der vor der Schaffung neuer Vorwände für die Neuauflage der alten konfrontativen Politik zu recht gewarnt habe mit der Begründung, dass militärische Drohgebärden gegenüber Russland die regionale Sicherheit nicht förderten.
Die Geheimdienstveteranen gehen noch weiter und sagen, dass es der vom Westen gesponserte Coup d’Etat in der Ukraine vom 23. 02. 2014 gewesen sei, der Russlands „Annexion“ der Krim nach sich gezogen habe. Mit diesem ‘eklatantesten aller je dagewesenen Staatsreiche’ (George Friedmann/Stratfor) sei ein Vorwand für die weitere Eskalation geschaffen worden. Sie zitieren weiter den bis vor kurzem noch Obersten NATO Kommandeur Breedlove, der es auf eine Konfrontation mit Russland entgegen der Präsidentschaft seines Landes abgesehen habe; dafür habe er den Vorwand massiver russischer Waffenlieferungen an die Ostukraine fabriziert.
Die Regierung Merkel wird explizit dafür gelobt, sich nicht am US-geführten (!) Blitzkrieg einiger NATO-Länder gegen Libyen beteiligt zu haben. Frau Merkel wird aufgefordert zu einem erneuten NEIN. Positiv wird ihre nachweisliche Bevorzugung diplomatischer Wege hervorgehoben und ihr maßgeblicher Anteil am Zustandekommen des Minsker Abkommens gewürdigt. Positiv wird erwähnt, dass sie sich in Washington auch öffentlich gegen die Lieferungen schwerer Waffen an Kiew ausgesprochen habe. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, dass es eine nüchtern-objektive Überprüfung  darüber geben werde, wer die Verantwortung dafür  trage, dass die von Merkel/Steinmeier/Hollande und Putin ausgearbeitete Vereinbarung von Minsk nicht voll umfänglich umgesetzt würde.
Beunruhigt wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der Sprecher des Kiewer Parlaments Parubiy ein offener NEONAZI sei, der zusammen mit Tyahnybok den Februarputsch den Putsch vorbereitet habe, ein Führer der extrem rechten Svoboda Partei. Diese Männer, die mit der verzerrten SS Wolfsangel ihre Symbolik gefunden haben, seien es, die Russland für die Malaise der Ukraine verantwortlich machen und die das Minsk-Abkommen von Anfang an torpediert haben.
Wer immer in Deutschland und Europa  am Frieden mit Russland interessiert ist und wer immer im NATO-Aufmarsch gen Osten eine Gefahr sieht, sollte sich das Dokument der US- Geheimdienstveteranen zu eigenen und gemeinsam mit diesen US-Bürgern Druck auf die Regierung Merkel geltend machen.
Mit freundlichen Grüßen Irene Eckert, Vorstand Arbeitskreis für Friedenspolitik-atomwaffenfreies Europa e.V.
Das  genannte Dokument zeichnen:
For the Steering Group of Veteran Intelligence Professionals for Sanity
William Binney, former Technical Director, NSA; co-founder, SIGINT Automation Research Center (ret.)
Graham E. Fuller, Vice-Chair, National Intelligence Council (ret.)
Philip Giraldi, CIA, Operations Officer (ret.)
Mike Gravel, former special agent of the Counter Intelligence Corps. former United States Senator from Alaska
Matthew Hoh, former Capt., USMC, Iraq & Foreign Service Officer, Afghanistan (associate VIPS)
Larry C Johnson, CIA & State Department (ret.)
Brady Kiesling, Foreign Service Officer, Political Counselor, Embassy Athens, (ret.) (associate VIPS)
John Kiriakou, Former CIA Counterterrorism Officer
David MacMichael, National Intelligence Council (ret.)
Ray McGovern, former US Army infantry/intelligence officer & CIA analyst (ret.)
Elizabeth Murray, Deputy National Intelligence Officer for Middle East, CIA (ret.)
Torin Nelson, Former HUMINT Officer, U.S. Department of the Army
Todd Pierce, MAJ, US Army Judge Advocate (ret.)
Scott Ritter, former Maj., USMC, former UN Weapon Inspector, Iraq
Coleen Rowley, Division Counsel & Special Agent, FBI (ret.)
Peter Van Buren, U.S. Department of State, Foreign Service Officer (ret.) (associate VIPS)
Ann Wright, U.S. Army Reserve Colonel (ret) and former U.S. Diplomat

Offener Brief an Merkel: Hochrangige ehemalige US-Beamte fordern Kursumkehr der NATO

Auch eine Ausstellung gibt es: Kriegsgerät vor dem NATO-Gipfel in Warschau
Auch eine Ausstellung gibt es: Kriegsgerät vor dem NATO-Gipfel in Warschau
Wenn sich Stimmen, die Russland nahestehen, kritisch zum kommenden NATO-Gipfel in Warschau äußern, überrascht das wenig. Spätestens aber, wenn eine Vereinigung US-amerikanischer Geheimdienst-Veteranen einen Appell an die Politiker des Westens richtet, sollte man den Worten Gehör schenken. Der ehemalige Berater des US-Präsidenten Ray McGovern und zahlreiche seiner Kollegen wenden sich in einem offenen Brief an Angela Merkel und warnen vor einer Politik der Eskalation. 
Schon im Jahr 2014 adressierten die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), eine Vereinigung ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter, einen offenen Brief an Angela Merkel. Grund war die Ukraine-Krise und das Vorgehen des Westens gegen Russland. Die von den NATO-Staaten angeführten Argumente bezeichneten die VIPS als "fragwürdig und politisch zurechtgebogen".

Auch in dem aktuellen Schreiben an die Kanzlerin steht die Russland-Strategie des Westens im Fokus. Die NATO-Osterweiterung, Truppenaufstockungen und Manöver an den Grenzen zu Russland, können – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – schnell zu einer Eskalation führen. Ein Spiel mit dem Feuer, das zu deutlichen Worten führt:
Viele von uns haben Jahrzehnte damit verbracht, Moskaus Außenpolitik zu analysieren. Ungläubig schütteln wir den Kopf, wenn wir westliche Regierungschefs sehen, die scheinbar vergessen haben, was es für Russland bedeutet, Truppenmanöver mitanzusehen, die es seit Hitlers ´Unternehmen Barbarossa´ nicht gab, das vor 75 Jahren 25 Millionen Sowjetbürgern das Leben kostete. Aus unserer Sicht ist es verantwortungslos und dumm, zu glauben, Russlands Präsident Wladimir Putin werde keine Gegenmaßnahmen ergreifen.
Unterschrieben ist der Brief unter anderem von Ex-Präsidenten-Berater Ray McGovern, dem früheren NSA-Beamten William Binney, dem ehemaligen Mitarbeiter im US-Außenministerium Daniel Ellsberg und weiteren bekannten Namen.
Die Veteranen fordern Angela Merkel auf, für vernünftige Skepsis in Warschau zu sorgen. Sollte sich die NATO nicht besinnen, drohe eine militärische Eskalation bis hin zum Atomkrieg. Ausdrücklich gelobt wird Frank-Walter Steinmeiers jüngster Vorstoß, in dem der Außenminister ungewohnt offen Säbelrasseln und Provokationen des Westens gegenüber Russland kritisiert hatte.
Trends: # NATO-Gipfel
https://deutsch.rt.com/europa/39329-offener-brief-an-merkel-hochrangige/