Tuesday, January 22, 2013

Türkischer Solidaritätsaufruf an DFR verhallte bisher ungehört

Liebe Friedensbesorgte,

 bereits am 23. November 2012 schickte der Koordinator  des türkischen Friedensvereins,  Aydemir Güler,  Mitglied im Weltfriedensrat an die Vorsitzenden des deutschen und US-Friedensrats  in Sachen  "Stationierung friedensgefährdender Patriot-Raketen"  ein  Unterstützungsgesuch, von dem die interessierte Öffentlichkeit nichts erfahren hat. Die türkischen Friedensfreunde haben darin gemeinsame Aktionen, den Austausch von Grußtelegrammen und die Beteiligung an der vom Weltfriedensrat mit unterstützten Konferenz in Antiochia, nahe der syrischen Grenze Ende September vorgeschlagen. Kein Buchstabe davon drang zu uns.
Die türkischen Patrioten haben seither nichts unversucht gelassen, um die Öffentlichkeit und  ihre demokratischen Instanzen gegen die Ankunft der unerwünschten "Patrioten" der NATO aus Deutschland zu mobilisieren. Sie  wiesen daraufhin, dass mit der Stationierung der Raketen die Kriegsgefahr in der Region steige und die Raketen jedes beliebige Land im Nahen Osten treffen könnte - Schweigen im deutschen  Friedenswald.
Aus dem unten stehenden Brief geht hervor, dass es a) keine Sprachbarriere gibt und b) keinen ersichtlichen Grund, warum wir deutschen Friedenskräfte, die türkische Hand ausschlagen sollten, die uns solidarisch gereicht wird.
Wir können uns doch nicht nur auf  die Poesie verlassen und seufzen: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht"/ Deutschland, bleiche Mutter, deine "Patrioten"  sind jetzt leider   in Iskenderun.
Wir sind alle  weiterhin aufgefordert, uns mit den kämpfenden Patrioten in der Türkei zu solidarisieren. Sie sind des Englischen mächtig. Auch auf Deutsch abgefasste Grußbotschaften werden umgehend übersetzt. Morgen wird es einen Protestmarsch zum Parlament in Ankara geben um die massenhaften Petitionen zu überreichen, in denen gefragt wird: Wer hat über  die Stationierung der Raketen in der Türkei befunden?

In der Hoffnung Gehör  zu finden 

Call from Turkey to German and US Peace Circles!


Thank you for your solidarity,


23 11 2012

Kime: saefkow-berlin, amistad.nai, henry.lowendorf


to the attention of Baerbel Saefkow, German Peace Council, and Alfred Marder and Henry Lowendorf, US Peace Council

Dear comrades

I write you on behalf of Peace Association, Turkey, of which I'm the general coordinator. I am also CC member of the CP of Turkey.
You know that the Turkish government applied recently to NATO for setting patriot "defense" system, i.e. missiles to be used mainly against Syria. This is a serious escalation in the region. 
This demand that will surely be satisfied via Germany but possibly via US or Netherlands, will complete in fact the recent step towards NATO radar installation in Malatya, Kürecik. And to be sure all the system including radar and missiles will be ready to be used against any Middle East country.
We propose to take a common action together with the peace organizations. We are aware that in Germany there is a strong opposition against such a step from German side. A common statement may be the first step, others to be discussed and planned together.
This is just a preliminary idea that we have to behave very quickly.
I have contacted with WPC. Iraklis Tsavdaridis has expressed the institutional support of WPC. Unfortunately we and WPC have no contact with Netherlands peace movement.
We are just this weekend organizing in the Syrian border city or Turkey, Antioch, a peace conference with the participation of WPC and some member organizations. I think it would be very meaningful that you send messages to us, dealing with this dark initiaitive of Turkey and NATO.
Thank you, expecting to hear from you soon

Aydemir Güler

Monday, January 21, 2013

Türkische Patrioten gegen deutsche "patriots"

Protesters are chanting:
- NATO is the killer, get out of our country
- We don't want yankees in our country
-  Yankee go home
-  Down with the collaborators

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=694DdsugMSE

O Deutschland bleiche Mutter, (B.B. 1933)



Bertolt Brecht,
Deutschland(1933)

Skulptur von Fritz Cremer

Mögen andere von ihrer Schande sprechen,
ich spreche von der meinen.

O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie sitzest du besudelt
Unter den Völkern.
Unter den Befleckten
Fällst du auf.

Von deinen Söhnen der ärmste
Liegt erschlagen.
Als sein Hunger groß war
Haben deine anderen Söhne
Die Hand gegen ihn erhoben.
Das ist ruchbar geworden.
....
Warum preisen dich ringsum die Unterdrücker, aber
Die Unterdrückten beschuldigen dich?
Die Ausgebeuteten
Zeigen mit Fingern auf dich, aber
Die Ausbeuter loben das System
Das in deinem Hause ersonnen wurde!
...
O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie haben deine Söhne dich zugerichtet
Daß du unter den Völkern sitzest
Ein Gespött oder eine Furcht!

O, Germany Pale mother (1933)


"O Deutschland, bleiche Mutter" /"O Germany, Pale Mother !" by Bertolt Brecht

Skulptur von Fritz Cremer
The bronze sculpture "O Deutschland, bleiche Mutter" ("O Germany, pale mother") by Fritz Cremer, standing on the green space north of the Berlin Cathedral on Museum Island in Berlin-Mitte. The title is borrowed from the poem "Germany" (1933) by Bertolt Brecht. This is a copy of the memorial Cremer created in 1965/1966 for the former concentration camp Mauthausen. Another copy is located at the Forest Cemetery in Magdeburg at the grave site of victims of national socialism. The Berlin copy has been standing at its current site since 2004. From 1987 to 1991, it stood in the nearby Lustgarten, in front of the Old Museum.

The poem below was written by the great Bertolt Brecht in 1933; Communist, German dramatist, stage director, and poet of the 20th century.

Bert Brecht's Poem
'Let others speak of her shame,
I speak of my own.'


O Germany, pale mother!
How soiled you are
As you sit among the peoples.
You flaunt yourself
Among the besmirched.

The poorest of your sons
Lies struck down.
When his hunger was great.
Your other sons
Raised their hands against him.
This is notorious.

With their hands thus raised,
Raised against their brother,
They march insolently around you
And laugh in your face.
This is well known.

In your house
Lies are roared aloud.
But the truth
Must be silent.
Is it so?

Why do the oppressors praise you everywhere,
The oppressed accuse you?
The plundered
Point to you with their fingers, but
The plunderer praises the system
That was invented in your house!

Whereupon everyone sees you
Hiding the hem of your mantle which is bloody
With the blood
Of your best sons.

Hearing the harangues which echo from your house,
men laugh.
But whoever sees you reaches for a knife
As at the approach of a robber.

O Germany, pale mother!
How have your sons arrayed you
That you sit among the peoples
A thing of scorn and fear!

Bertolt Brecht



Turkish Protest in Iskenderun against arrival of German "Patriots"



German patriots have just arrived to İskenderun seaport, at the Eastern Mediterranean Coast of Turkey. Party is organizing just now demonstration at the gates of the port.
Here is the first news:

Sunday, January 20, 2013

Deutsche Friedenspolitik im Zustand der Agonie




Der am Wochenende   verkündete Rücktritt des erst kürzlich gewählten stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Friedensrates Hans Peter Richter-Laubenthal  ist beklagenswert und  zugleich paradigmatisch.

Dieser Rücktritt  ist wohl als äußerer Ausdruck einer tiefen Krise zu werten, die die gesamte "friedenspolitische" Szene seit den kriegerischen Entwicklungen durchmacht, in die unser Land seit 1999 immer mehr verstrickt ist. 

Die Unterstützung unserer Regierung für  das kriegerische Vorgehens gegen den afrikanischen Staat Mali ist nur die Spitze des Eisbergs. Deutschland geht als tonangebende Macht in der EU an der Seite der EX- (?) Kolonialmacht Frankreich einen Besorgnis erregenden Weg, der alle Friedenskräfte  auf 's Entschiedenste mobilisieren müsste. Tut es aber nicht. Die lauwarme, halbherzige, problematische  "Analyse" von Christoph Marischka im jüngsten IMI-Standpunkt vom 14. Januar 2013 zur kriegerischen Intervention in Mali unter der Überschrift "Regime Change mal anders"  spricht eine beredte Sprache.

 In meiner Beurteilung der Ergebnisse der Jahreshauptversammlung des DFR  vom 12. Januar 2013 habe ich geschwankt und war schließlich zu dem Schluss gekommen, dass das Ergebnis mit Tobias Pflüger als  hinzu gewonnenem Vorstandsmitglied doch eher als Stärkung der Friedenskräfte zu werten sei. Der wichtigste Grund dafür war für mich auch, dass Hans-Peter,  nicht, wie angekündigt, zurückgetreten ist, nach der Bestätigung von Bärbel Sch-S. als Vorsitzender und die Annahme seiner Weiterführung  des Pax Report

 Nun ist der Rücktritt doch erfolgt! Ein harter Schlag. Hinzukommt der Bericht von Tobias Pflüger  über die  vierteljährliche Tagung des Weltfriedensrates, diesmal  in Kathmandu          ( vom 20.- 23. Juli 2012), von ihm  vorlegt am 11. Oktober  2012 . Das ist kein Bericht eines engagierten Friedenskämpfers. Tobias ist definitiv nicht mehr derjenige, der uns alle einst  inspiriert  hat, den Kampf  gegen die Militärverfassung der EU aufzunehmen und der sein EU-Parlamentsmandat in geradezu vorbildlicher Weise ausgefüllt hatte. Diesen Eindruck konnte man  auch schon in  im letzten Frühsommer in Chicago auf der Anti-NATO-Konferenz gewinnen. Sein Beitrag dort  war nichts sagend, der Auftritt aller dortigen Linkspolitiker problematisch. Tobias ist  seit einiger Zeit Vorstandsmitglied  der Partei "Die Linke".

Diese  problematische  Entwicklung  ist  daher im Kontext der friedenspolitischen Positionierungen der Linkspartei zu lesen und ihrer Rosa-Luxermburg-Stiftung. Vergessen wir nicht die fortdauernde Verharmlosung des  kriegerischen BAK Shalom, den sich diese Partei leistet und die  Entgleisungen etwa  auf der "sicherheitspolitischen" Tagung  der RSL in Potsdam  am 9. 11. 2012, auf der indirekt zum "Tyrannenmord" aufgerufen werden  konnte.  So geschehen auf dem "14. sicherheitspolitischen Symposium" , das  mit 25 Teilnehmern  im 'Kutschstall am Neuen Markt'  stattfand  und zwar mit Unterstützung des Bildungsvereins  der "Linken"  'Helle Panke'.  Titel der Veranstaltung "Das  iranische Nuklearprogramm zivil und/oder militärisch?". Der Exil-Iraner Dr. Behrouz Khosrozadeh, geladener Referent, sprach über den sehr gefährlichen Iran, der sich weigerte einzulenken. Er  verteidigte  dem gegenüber das Schah-Regime  als 'weltlich und berechenbar'.  Das gegenwärtige Regime des Iran  hingegen kenne keine moralisch-ethischen  oder völkerrechtlichen Grenzen und arbeite daher auf Nuklearwaffen hin.  Dr. Khosoradeh verstieg sich schließlich zu der Aussage:  Die Diktatoren Pol Pot und Idi Amin seien natürlicher Tode erlegen, es sei  aber nicht mehr hinnehmbar, dass derartige Menschenrechtsverletzter vom selben Schlage wie  Ajmadinedschad, die für die öffentliche Auspeitschung von Männern und Frauen, für  Mord,Totschlag und Vergewaltigung im Beisein kleiner Kinder (!) verantwortlich seien,  so davon kämen. Ähnliche bösartige Unterstellungen wurden auch von der neu/alten  Vorstandsvorsitzenden des DFR  in Bezug auf den syrischen Staatschef Bashar al Assad vorgebracht. Die Staatspolitik Israel  bleibt dem gegenüber  von jeder kritischen Beurteilung ausgenommen.

Der  Rücktritt Hans-Peter ist  also  keine Privatsache. Sie  muss  öffentlich gemacht und im Lichte der genannten Entwicklungen kritisch begleitet werden. Der Deutsche Friedensrat arbeitet auf Engste  mit der RSL-Stiftung und der Partei  der  Linken zusammen. Tobias Pflüger ist  als Vorstandsmitglied  der Linkspartei im DFR. Die Öffentlichkeit  muss das wissen. Sie muss auf "Die LINKE" dahingehend einwirken,  sich von "Bak Shalom" zu trennen und  neue friedenspolitische Impulse  zu setzen und zwar im Verein mit der Masse der Deutschen, die Frieden und nicht Krieg, gemäß dem Auftrag  unserer Verfassung herbeisehnen.
Die unheilvolle, kriegerische Politik  in der  Geschichte unseres Landes  verpflichtet uns zu kritischer Wachsamkeit. Hannah Arendt fordert von uns zu recht  "Denken ohne Geländer", d.h. auch ohne parteipolitische Scheuklappen.

Es gilt  nicht zu verzagen, die Lage richtig zu analysieren, sich neu  zu sammeln,  seine Stimme geltend zu machen, überall dort wo man gerade steht.
Die Kriegstreiber stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie sind nicht so stark wie sie scheinen

Mit ganz herzlichen Grüßen und großem Dank für  außerordentliches,  geduldiges,  jahrzehntelanges Engagement an Hans-Peter Richter-Laubenthal.