Eirenae's blog

Monday, February 2, 2015

Verbot der VHS Veranstaltungsreihe Nahost in Neuss und der damit einhergehenden Diffamierung des Vereins Handa

Stellungnahme bezüglich des Verbots der VHS Veranstaltungsreihe 
Nahost
in Neuss und der 
damit einhergehenden Diffamierung des Vereins Handala e.V. 
In dieser Woche wurde die Veranstaltungsreihe 
Nahost
der VHS Neuss vom Bürgermeister der 
Stadt Neuss, Herrn Herbert Napp (CDU), verboten. Der Fraktionsvorsitzende der Partei Die LINKE 
in Neuss geht sogar noch weiter und fordert den Rüc
ktritt des VHS-Leiters. Auch unsere 
Ausstellung „Haft ohne Anklage“, die sich mit der von Israel praktizierten Administrativhaft sowie 
deren Auswirkungen auf die palästinensische Bevölke
rung auseinandersetzt, sollte im Rahmen 
dieser Nahost-Reihe gezeigt werden. 
Herrn Napps Behauptung, die Veranstaltungsreihe sei einseitig, ist völlig aus der Luft gegriffen. Die 
im Rahmen der Nahost-Reihe geplanten Veranstaltunge
n sollten kritisch die israelische 
Besatzungspolitik beleuchten. Als einseitig kann di
es nur von jemandem bezeichnet werden, der 
weder die Situation in den besetzten palästinensisc
hen Gebieten noch die Auswirkungen der 
israelischen Besatzungspolitik auf die palästinensi sche Bevölkerung kennt. Allen Beteiligten ging 
es darum, sich konstruktiv mit dem Thema auseinande
rzusetzen und Möglichkeiten für eine 
friedliche Zukunft für Israel und Palästina aufzuweisen. 
Unsere Ausstellung ist innerhalb eines Jahres im Ra
hmen eines wissenschaftlichen 
Forschungsprojekts an der Philipps-Universität Marb urg entstanden und wurde bereits erfolgreich 
in Marburg, Kassel, Hamburg und Aachen gezeigt. Sie beruht zu großen Teilen auf Berichten von 
Amnesty International, der palästinensischen Mensch
enrechtsorganisation Addameer und den 
israelischen Menschenrechtsorganisationen B’Tselem 
und HaMoked. Unsere Kritik an der 
israelischen Administrativhaft steht in Einklang mi
t dem UN-Menschenrechtsrat, dem höchsten 
Gremium zur Überwachung der Einhaltung der Menschenrechte weltweit. 
Dies alles immunisiert die Ausstellung nicht gegen 
Kritik. Im Gegenteil: erst eine sorgfältig 
recherchierte und belegte Argumentation bietet die 
Grundlage für wirklich fruchtbare 
Auseinandersetzung. Als Bürgermeister der Stadt Neu
ss jedoch ohne Rückgriff auf jegliche 
Expertise und höchstwahrscheinlich ohne die Ausstel
lung auch nur einmal zu Gesicht bekommen 
zu haben kurzerhand zu urteilen, erscheint uns mehr
als vermessen. Die öffentliche Verbreitung 
einer wissenschaftlichen Arbeit, die Teil einer politischen Diskussion ist, schlichtweg zu verbieten, 
ist ein deutlicher Eingriff in die grundrechtlich g
arantierte Meinungsfreiheit. Ein solcher Schritt 
sollte besser begründet sein als durch den pauschal
en Verweis auf eine angebliche „Einseitigkeit“ 
der Darstellung. Das Verbot zeigt somit einmal mehr
, dass scheinbar keinerlei Interesse daran 
besteht, sich mit zentralen Aspekten des Konflikts – die aufgrund der asymmetrischen Verhältnisse 
zwischen Besatzungsmacht und besetztem Volk nicht o
hne Kritik an der israelischen 
Besatzungspolitik auskommen können – auseinanderzusetzen. Im Gegenteil: durch das Verbot wird 
vielmehr unterbunden, dass eine durchaus auch kontr
overs geführte Diskussion im Anschluss an 
Vorträge und Veranstaltungen stattfinden kann. 
Im Zuge dieses Verbots kommt es nun vermehrt zu Di
ffamierungen gegenüber dem Verein 
Handala sowie gegenüber der Vereinsvorsitzenden Nora Demirbilek. Es wird behauptet, der Verein 
nehme eine israelfeindliche/israelhassende Haltung 
ein. Genauso absurd ist die Behauptung, die 
vom Verein konzipierte Ausstellung dürfe sich nicht ausschließlich mit der von Israel praktizierten 
Form der Administrativhaft beschäftigen, sondern mü
sse auch andere Länder, die diese Form der 
Haft praktizieren, in den Fokus nehmen. Der Verein Handala e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, 
die Öffentlichkeit für die Situation der Palästinen
serInnen zu sensibilisieren sowie eine kritische 
und gleichzeitig sachliche Diskussion über den Isra
el/Palästina Konflikt zu fördern (siehe unter 
anderem § 2 Vereinszweck der Satzung; sowie auch Zi
ele unseres Vereins: 
https://handalamarburg.wordpress.com). Damit hat er
sich einen eindeutigen regionalen und 
thematischen Fokus gesetzt. 
Unsere Ausstellung verweist bereits zu Beginn darau
f, dass die Administrativhaft nicht 
ausschließlich in Israel zur Anwendung kommt. Angem
erkt sei dennoch, dass Israel weltweit der 
einzige Staat ist, in dem Administrativhaft einen i
ntegralen Bestandteil des nationalen 
Rechtssystems bildet: Die Implementierung der Admin
istrativhaft erfolgt sowohl im 
binnenländischen Gesetzesrecht Israels als auch in 
der Militärlegislative der besetzten 
palästinensischen Gebiete. Die Ausstellung belegt d
arüber hinaus, dass die israelische Regierung 
und die israelischen Sicherheitskräftebei der Durchführung der Administrativhaftregelmäßig gegen 
internationales Recht und die in diesem klar definierten Bedingungen und Auflagen verstoßen. 
Unser Verein arbeitet seit seiner Gründung mit palä stinensischen und israelischen sowie deutschen 
und internationalen AktivistInnen, WissenschaftlerI
nnen und Menschenrechtsorganisationen 
zusammen. Wenn Mensch sich die Ausstellung angescha
ut hätte, dann wäre sowohl aus den von 
uns ausgewählten InterviewpartnerInnen, der Literatur/Quellen, auf die sich die Ausstellung stützt 
sowie aus dem Statement der UnterstützerInnen der Ausstellung eindeutig hervorgegangen, dass die 
Anschuldigungen und Diffamierungen gegen den Verein
sowie gegen die Vereinsvorsitzende 
durchweg haltlos sind. 
Gleichermaßen distanziert sich Handala e.V. entschi
eden von dem Antisemitismus-Vorwurf und 
weist darauf hin, dass die relativierende Verwendun
g von “Antisemitismus” als Parole zum 
Totschlag-Ideologem vollkommen fremdbestimmter Inte
ressen geronnen ist (vgl. Zuckermann, 
Moshe: 
Antisemit! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument
, Wien: ProMedia, S. 8), die jegliche 
notwendige Kritik an den Lebensrealitäten in Israel
und den besetzten palästinensischen Gebieten 
zu verunglimpfen versucht. Antisemitismus ist ein s
chwerwiegender Vorwurf, der gut begründet 
sein sollte. Er kann nicht einfach, wie in unserem 
Fall, pauschal, ohne auch nur irgendeinen 
Verweis auf eine konkret getätigte antisemitische Ä
ußerung oder Handlung, vorgebracht werden. 
Dies stellt eine öffentlich rufschädigende Diffamie
rung dar, gegen die wir uns aufs Schärfste 
verwahren. 
Wir sehen sowohl die internationale Staatengemeinsc
haft als auch deren Zivilgesellschaft in der 
politischen und moralischen Verantwortung, zu hande ln. Diese Verantwortung besteht auch darin, 
die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nicht 
weiterhin auf der Basis von durch Hegemonie 
und Dominanz geleiteten politischen Verhandlungen ü
ber Frieden geredet wird und dabei 
gleichzeitig unter anderem mit der Expansion israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten, der 
Konfiszierung von palästinensischem Land sowie auch mit der Praxis der Administrativhaft Fakten 
geschaffen werden, die einem Frieden für die israel
ische und die palästinensische Bevölkerung 
entgegenwirken. Vielmehr muss zunächst Gerechtigkei
t auf der Grundlage des internationalen 
Menschen- und Völkerrechts umgesetzt werden, denn G erechtigkeit bildet stets die Voraussetzung 
für Frieden. 
Mit freundlichen Grüßen 
i.A. Nora Demirbilek (Vereinsvorsitzende von Handala e.V.)
 In dieser Woche wurde die Veranstaltungsreihe Nahost der VHS Neuss vom Bürgermeister der Stadt Neuss, Herrn Herbert Napp (CDU), verboten. Der Fraktionsvorsitzende der Partei Die LINKE in Neuss geht sogar noch weiter und fordert den Rücktritt des VHS-Leiters... https://handalamarburg.wordpress.com/
Bitte weiterverbreiten und ggfs. protestieren gruss ck

Von: Katerina Peros
Gesendet: Sonntag, 1. Februar 2015 14:09
 
Im Anhang unsere Stellungnahme bezüglich des Verbots der VHS Veranstaltungsreihe Nahost in Neuss im Rahmen derer u.a. unserer Ausstellung "Haft ohne Anklage" hätte gezeigt werden sollen.

Wir bitten um Weiterverbreitung und Bekanntmachung.
 
Mit solidarischen Grüßen,
 
i.A. Katerina Peros für Handala e.V.
Bereich mit Anhängen
Vorschau für Anhang "01.02.15_Stellungnahme_Nahostreihe Neuss_Handala e.V..pdf" ansehen
01.02.15_Stellungnahme_Nahostreihe Neuss_Handala e.V..pdf
eirenae at 12:18 PM
Share

No comments:

Post a Comment

‹
›
Home
View web version
Powered by Blogger.